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Herbert Goetze*
Regelschullehrer in Integrationsklassen
(1982) untersuchten das Interaktionsverhalten zwischen zwölf Lehrkräften und deren 3. Klassen und werteten es getrennt für die Untergruppen„High Achiever Hi“(= Spitzenkönner),„Low Achiever Lo“(= Leistungsschwache), „Behaviorally Handicapped BH“(= Verhaltensgestörte) und„Learning Disabled LD“(= Lernschwache) aus. Tabelle 4 zeigt die Hauptergebnisse, die varianzanalytisch zwischen diesen Gruppen gesichert werden konnten.
Die Ergebnisse, wie sie aus Tabelle 4 hervorgehen, zeigen die Sonderstellung, die Verhaltensgestörte in Integrationsklassen interaktionsbezogen einnehmen: Lehrer richten ihre Kommunikationen am häufigsten an sie und geben ihnen auch am häufigsten ein Feedback; bei den Schülern wiederum gehen Interaktionsinitiativen meist von der BH-Gruppe aus. Von qualifizierten Lehrerfragen profitiert dagegen mehr die restliche Klasse. Damit wird deutlich, daß Verhaltensgestörte in der Integrationsklasse ein großes Ausmaß an Lehrerzeit für sich beanspruchen, Dieser hohe Prozentsatz wird jedoch inhaltlich nicht mit zielbezogener Arbeit gefüllt(S. 228).
Verhaltensgestörte erhielten von der Lehrkraft z.B. auch die meisten FeedBack-Kommunikationen, und zwar zweimal mehr als alle anderen Klassenkameraden. Dieses Feedback hatte jedoch negative Vorzeichen: Sie wurden mit 50% weniger Lob im Vergleich zu den Regelschülern bedacht. Zur Verhaltenssteuerung dienten den Lehrern eher neutrale bzw. negative Statements. Die so eingesetzten Techniken sind— entsprechend allem theoretischen und alltagspraktischen Veränderungswissen— allerdings nicht geeignet, konstruktives Verhalten bei Verhaltensgestörten auszulösen und aufzubauen, Die Autoren folgern zurecht:„Regular classroom teachers need to increase the proportion of positive feedback and initiation, and decrease neutral and disapproving feedback“ (1982, S. 234).
Aus dieser Untersuchung wird also deutlich: Erfreulicherweise werden Integrationsschüler generell, seien sie nun behindert oder nicht, leistungsstark oder nicht, relativ gleich von den Lehrkräften
Tab. 4: Interaktionsverhalten zwischen Lehrern und Schülern in Integrationsklassen(nach Thompson, White& Morgan, 1982) (Mittelwerte; 5%-Sicherung)
BH LD Lo Hi Lehrerinitiativen 2.8 1.8 17 1.4 Schülerinitiativen 2.1 15 1.2 2.1 Lehrerfeedback: allg. 4.4 2.8 2.3 1.9 Lehrerfeedback: verhaltensbez. 22.2 17.4 16.4 13.4 Qualität der Lehrerfragen 2.4 2.8 2.7 2.6
behandelt. Das betrifft allerdings nicht unsere Zielgruppe, die hinsichtlich der Lehreraufmerksamkeit und-zuwendung eine Sonderstellung einnimmt. Das Verhalten Verhaltensgestörter scheint also bei Lehrkräften Aufmerksamkeitsfesselung und Faszination auszulösen, sich intensiver damit auseinandersetzen zu wollen bzw. zu müssen, um die Klassenordnung aufrecht zu erhalten. Die Mittel zur Verhaltenssteuerung scheinen jedoch weniger aufgrund fundierter Interventionspläne, eher spontan aus der Not des Augenblicks von den Lehrkräften eingesetzt zu werden. Eine besondere Kompetenz zum Umgang mit Verhaltensgestörten wird damit nicht sichtbar.
Beantwortung der Fragestellung und Ausblick
In diese Literaturanalyse sind Untersuchungsergebnisse zu Einstellungen und Kompetenzen von Regelschullehrern verarbeitet worden, soweit sich diese auf die integrative Arbeit mit Verhaltensgestörten beziehen. Die Quelle waren Studien aus dem angloamerikanischen Sprachraum, da eine gezielte, computerunterstützte Literatursuche deutschsprachige Arbeiten nicht ergeben hat.
Die Literaturanalyse hat folgende Ergebnisse erbracht:
Hinsichtlich der Lehrereinstellungen ist nicht davon auszugehen, daß Lehrpersonen grundsätzlich positive Einstellungen zur Integration von Schülern mit Verhaltensstörungen und hinsichtlich des zu integrierenden Klientels, den Schülerinnen und Schülern mit Verhaltensstörungen, aufbringen.
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 2, 1991
Zwar ist vereinzelt eine grundsätzliche Bereitschaft zur Integration leicht behinderter Kinder nachzuweisen, jedoch ist diese Bereitschaft an Vorbedingungen gebunden, die in der Praxis nicht einzulösen sind, so daß Integration schließlich eine starke Opposition bei den angesprochenen Lehrkräften auslösen kann. Die Einstellung von Lehrkräften zu Verhaltensgestörten scheint durchgängig negativ zu sein, da diese Zielgruppe sie physisch und emotional sehr stark beansprucht. Einstellungsänderungen scheinen nur schwer, auf dem Weg über die Lehrerausbildung, durchsetzbar zu sein, und dort auch nur unter erheblichem Energieaufwand., Lehramtsstudenten scheinen ihre berufliche Laufbahn mit günstigeren Einstellungen zu beginnen; diese nähern sich allerdings mit zunehmendem Praxiskontakt denen der Lehrkräfte an, Hinsichtlich der Lehrerkompetenz ist nicht davon auszugehen, daß gut ausgebildete, erfahrene Lehrpersonen heterogen zusammengesetzte Integrationsklassen genauso kompetent leiten und unterrichten können wie homogen zusammengesetzte Regelklassen. Regelschullehrer sind eher selten gute Integrationslehrer, und wenn sie welche sind, fühlen sie sich schlecht auf die besonderen Belastungen vorbereitet, geradezu allein gelassen.
Ein Regelinventar von Lehrerkompetenzen wird nicht ausreichen, den Integrationsunterricht mit Verhaltensgestörten erfolgreich bewältigen zu können. Lehreraufmerksamkeit und-zuwendung kommt verhaltensgestörten Schülern in besonderer Weise, allerdings wenig problembezogen zu. Verhaltenssteuerungen scheinen also weniger aufgrund fundierter Interventionspläne, eher spontan aus der Not des Augenblicks von den Lehr
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