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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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Herbert Goetze*

Regelschullehrer in Integrationsklassen

kräften eingesetzt zu werden. Eine beson­dere Kompetenz zum Umgang mit Ver­haltensgestörten wird damit nicht sicht­bar, scheint allerdings auch nicht beson­ders intensiv angestrebt zu werden.

Was also Lehrereinstellung und-kompe­tenz angeht, ist aus diesen Ergebnissen zu schließen:

Eine dem gegenwärtigen Fachstand an­gemessene Unterrichtung verhaltensge­störter Kinder durch Regelschullehrer in Integrationsklassen scheint nicht ge­sichert zu sein. Der verfassungsgemäße Anspruch dieser Zielgruppe auf Bildung und Erziehung würde damit unter den gegenwärtigen Bedingungen in Integra­tionsklassen kaum gewährleistet. Offen­sichtlich müssen erst noch jene Struktu­ren geschaffen werden, die die Bedürf­nisse dieser Zielgruppe deutlicher be­rücksichtigen. Der Aufbau neuer Struk­turen wird nicht nur die Institution Schule, vielmehr auch Einstellungs- und Kompetenzänderungen der Lehrkräfte zum Inhalt haben müssen neben direk­ten und indirekten Beeinflussungen(wie Beratung des Klassenlehrers durch Bera­tungsteams aus Sonderschullehrern und Schulpsychologen, vgl. Graden et al., 1985).

Damit erweisen sich die vorgetragenen Schlüsse als eher ernüchternd und depri­

Literatur

mierend, wenn die mit Emphase und Engagement vorgetragenen Argumente von Integrationsvertretern gegenüberge­stellt werden. Das hier verarbeitete em­pirische Material darf jedoch in seinem Aussagegehalt nicht überbewertet wer­den, entstammt es doch dem anglo­amerikanischen Sprachraum,

Daß in diese Literaturanalyse lediglich anglo-amerikanische Arbeiten eingehen konnten, hat Implikationen hinsichtlich deutschsprachiger Integrationsforschung: ® Zunächst werden die hier vorgetrage­nen Ergebnisse lediglich Geltung für den Sprachbereich beanspruchen können, in welchem sie entstanden sind, Anderer­seits scheinen die in der Unterrichtung Verhaltensgestörter erkennbaren Pro­bleme in allen westlichen Ländern ähn­lich zu sein. Persönliche Recherchen des Verfassers ergaben: Viele Lehrer aus Lafayette(Indiana) sehen sich ähnlichen Problemen gegenüber wie ihre Kollegen aus Schenefeld(Holstein).

Als sachkundige Argumentationsgrund­

lagen auch für den deutschsprachigen

Bereich scheinen mir deshalb anglo­amerikanische Arbeiten(bei Vorliegen ähnlicher Ausgangsbedingungen) solange von Bedeutung zu sein, bis hiesige, em­pirisch fundierte Forschungsergebnisse an ihre Stelle treten können.

® Daß eine international angelegte Lite­

ratursuche keine deutschsprachigen Ar­

beiten zum Thema hervorgebracht hat, kann wiederum zwei Gründe haben:

1. Es liegen keine einschlägigen Unter­suchungen vor.

2. Eingereichte Untersuchungen entspre­chen nicht internationalen Standards, so daß sie zurückgewiesen worden sind.

Kann an dieser Stelle auch nicht ent­

schieden werden, warum Deutschspra­

chiges nicht aufzufinden ist, so ist aus diesem Tatbestand doch als Forderung abzuleiten: Forschungsbemühungen müs­sen hierzulande erheblich intensiviert werden, sollen pädagogische und poli­tische Entscheidungen auf gesicherter

Grundlage gefällt werden. So darf die

Frage, welche nachweisbaren Einflüsse

von deutschen Regelschullehrern in Hin­

blick auf die gemeinsame Unterrichtung von Regelschülern und Schülern mit

Verhaltensstörungen ausgehen, und wie

konstruktive Änderungen zu erreichen

sind, nicht mehr Mutmaßungen und

Spekulationen bzw. Versuch-und-Irrtum­

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HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 2, 1991