Forschungsaspekte des Behindertensports
in den Wer Jahren Von Friedhold Fediuk
Der Verfasser skizziert aktuelle Diskussionsschwerpunkte innerhalb des Behindertensports im Zusammenhang mit integrationsbezogenen Fragestellungen, inhaltlich-konzeptionellen Ansätzen und zielgruppenbezogenen Überlegungen bei geistig Behinderten, Ferner werden forschungsmethodische sowie wissenschaftstheoretische Akzente herausgestellt, Vor diesem Hintergrund werden Forschungsaspekte des Behindertensports in den 90er Jahren abgeleitet und dokumentiert,
The author outlines the main points of current discussion about sports for the handicapped, together with questions concerning integration, issues referring to the structures involved, and considerations concerning mentally retarded people. In addition, issues concerning research methods as well as scientific theory are laid out. Regarding theses aspects, research aspects of sports for the handicapped in the nineties are introduced and documented,
Einleitung
Der besondere Stellenwert des Behindertensports wird durch seine breite Anwendung als Bewegungs- und Sporttherapie im klinischen Feld, als begleitende Maßnahme zur Erhaltung der psychophysischen Leistungsfähigkeit im beruflichen Sektor, als Mittel pädagogischer Intentionen und zur inhaltlichen Gestaltung der Freizeit deutlich. Der zunehmenden Beachtung entsprechend, sollen auf den Grundlagen momentaner Akzentuierungen und Entwicklungen einige wesentlich erscheinende Forschungsaspekte facettenartig abgeleitet und diskutiert werden.
Das Thema wird gemäß der exemplari
schen Skizzierung strukturiert in:
Forschungsaspekte des_Behinderten
sports in den 90er Jahren im Kontext
mit
— integrationsbezogenen Fragestellungen(Freizeit, Schule),
— inhaltlich-konzeptionellen Fragestellungen(behindertensport und psychomotorisch orientierte Ansätze) und
— zielgruppenbezogenen Fragestellungen(am Beispiel geistig Behinderter).
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Forschungsmethodische Überlegungen und wissenschaftstheoretische Aspekte schließen die Ausführungen ab.
Integrationsbezogene Fragestellungen
Innerhalb des Freizeitsports
Rieder und Mitarbeiter legten 1988 den Abschlußbericht des Forschungsprojektes„Pädagogisch-therapeutische Funktion des Sports im Freizeitbereich bei Sondergruppen‘“ vor. Die Publikation verdeutlicht, daß Fragen der Integration im Freizeitsport einen hohen Stellenwert einnehmen(Rieder u.a. 1988).
Ende der 70er Jahre begann die Entwicklung zu integrativen Freizeitsportgruppen für Behinderte und Nichtbehinderte, Die Diskussion wird insbesondere geprägt durch das„Göttinger Modell‘(Mentz& Mentz 1982), die Familiensportgruppen in Würzburg und Paderborn(Kapustin 1984; 1986; Rheker 1989), die Integrationssportgruppen in Hamburg(Laurisch 1988), das Projekt „Integrationssport‘‘ der Hessischen
Sportjugend(Rohr& Nuschenpickel 1989) und durch ausländische Erfahrungen(Fediuk 1988).
Der Integrationssport zielt einerseits auf sportartübergreifende Bewegungsangebote. Die Bedeutung sportlicher Wettkämpfe und die sie bedingenden Merkmale ist hierbei vergleichsweise gering. Andererseits sind Tendenzen zu verzeichnen, in bestimmten Sportarten Menschen mit Behinderungen als Mitglieder einer Mannschaft oder in Individualsportarten einzubeziehen. Durch Hilfsmaßnahmen lassen sich für Behinderte weitere Teilnahmemöglichkeiten am Freizeitsport erschließen.
Im Rahmen eines Expertengesprächs am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg(Roll& Buttendorf 1987) wurde die Heterogenität der gemeinsamen Sportgruppen Behinderter und Nichtbehinderter als pädagogische Chance betrachtet, die auf Veränderungen der Formen sportlicher Betätigungen in mehrfacher Hinsicht zielt: Gruppenstrukturen werden in ihren heterogenen psychophysischen Gegebenheiten und in der Interessensheterogenität der Teilnehmer akzeptiert. Aus diesem
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 2, 1991