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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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Friedhold Fediuk*

Behindertensport in den 90er Jahren

Leitmotiv resultieren folgende pädago­gisch-therapeutischen Aspekte:

® Der Integrationssport im Sinne des Sports für alle ist ein Bereich für Kommunikation und Interaktion zwi­schen Behinderten und Nichtbehinder­ten. Das Bewegungserleben innerhalb von Handlungsfeldern wird als zentrales Motiv zum Sporttreiben für Behinderte und Nichtbehinderte gleichermaßen po­stuliert. Persönliche Zufriedenheit und Befriedigung von sozialen Bedürfnissen der Teilnehmer, Fortschritte in der Handlungsfähigkeit und bezüglich selbst­verantworteter Freizeitgestaltung sowie Gesunderhaltung sind wichtige Zielset­zungen in diesem Kontext.

® Innerhalb der Integrationsdiskussion wird ein Wertewandel intendiert: Die In­tegration vollzieht sich primär über die Attraktivität des Bewegungsangebotes und nur sekundär über Verhaltenswei­sen, die von den Teilnehmern als sozial erwünscht oder erwartet wahrgenom­men werden, da dies die Gefahr des zu­mindest langfristigen Motivationsverlu­stes in sich bergen würde.

Ein wesentliches Problem im Forschungs­zusammenhang ist die Überprüfbarkeit der komplexen Strukturen der Integra­tionsgruppen mit geeigneten Methoden. Hinzu kommt, daß individuelle Entwick­lungsfortschritte gerade bei Behinderten häufig nur in kleinen Schritten über ei­nen langen Zeitraum festzustellen und nachzuweisen sind. Hieraus leitet sich die Forderung nach Langzeitstudien zur wissenschaftlichen Begleitung ab.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt in den Motivationen, Einstellungen und Zielvorstellungen der Mitarbeiter und Teilnehmer des Freizeitsports in der jeweiligen Angebotssituation begründet, um die Erkenntnislage für effektiveres Vorgehen zu verbessern und die Fluk­tuation in diesem Bereich zu verringern.

Innerhalb des Schulsports

Fragen der Forschung zur Integration im Sportunterricht betreffen zunächst die Gesamtsituation Behinderter in unse­rem Schulsystem. Die Bundesrepublik

Deutschland verfügt über ein hochdiffe­renziertes Sonderschulwesen. Der Vorteil dieser Spezialisierung wird vor allem in der Qualität der pädagogischen Hilfe­leistungen für die behinderten Schüler gesehen.

Innerhalb der letzten 20 Jahre wurden jedoch ebenfalls Vorstellungen und Konzeptionen erarbeitet, die die Not­wendigkeit des Abbaus der mit dem Be­such der Sonderschulen angenommenen sozialen Isolierung und Stigmatisierung betonen und einen Unterricht fordern, der durch gemeinsames Lernen Behinder­ter und Nichtbehinderter geprägt ist. Diese Bestrebungen führten innerhalb einiger Grundschulen zur Einrichtung integrierter Klassen. Nunmehr stehen Fragen des flächendeckenden Ausbaus, der Einbeziehung Schwerstbehinderter und der Weiterführung in den Sekundar­bereich im Mittelpunkt der z.T. sehr kontrovers geführten Diskussion,

Unter dem StichwortIntegration bzw. integrative Schulversuche subsumie­ren sich sehr vielfältige Vorhaben, die von Formen beginnender Kooperation zwischen Regel- und Sonderschulen für wenige Stunden bis zur Einbeziehung aller Behinderten, unabhängig von Art und Schweregrad der Behinderung rei­chen(Demmer-Dieckmann 1989).

Diese bildungspolitischen Realitäten, die durch Erfahrungen des Auslandes umfas­send ergänzt werden können(Kniel 1979; Fediuk 1988), stellen an die Sport­didaktik und den Behindertensport glei­chermaßen die zentrale Forderung, den Sportunterricht in heterogenen Lern­gruppen zu analysieren und zu evaluieren. Hieraus ergeben sich folgende Fragen: Welche Ziele, Inhalte, Methoden und Un­terrichtsformen werden bei welchen Gruppen mit welcher Effizienz realisiert? Worin bestehen die Erwartungen, Vor­stellungen von Lehrern, Schülern und Eltern? Welche organisatorischen und bildungspolitisch-administrativen Rah­menbedingungen existieren? Worin un­terscheidet sich der Unterricht von dem der Regel- bzw. Sonderschule? Welche theoretischen Annahmen und Positio­nen liegen zugrunde, und welche Kon­sequenzen für die Theoriebildung und die Konzipierung von Lehrplänen kön­

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 2, 1991

nen aus den Erkenntnissen und Erfah­rungen abgeleitet werden?

Schließlich müssen die Faktoren analy­siert werden, die den Integrationssport bisher verhinderten:

Strukturen des Bildungs- und Sport­wesens, die einerseits nach Zielgruppen bzw. Behinderungsarten und anderer­seits nach Sportarten differenzieren und Modelle im Sinne zielgruppen- und sport­artübergreifender Ansätze und Vorstel­lungen bislang kaum berücksichtigen,

fehlende bzw. unzureichende Kom­petenzen infolge der genannten Diffe­renzierung im Qualifikationswesen, da weitgehend nur Spezialisten für Teilge­biete ausgebildet werden, und in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Leh­rern und pädagogisch-therapeutischen Fachkräften Sportkonzepte, an denen Behinderte und Nichtbehinderte glei­chermaßen partizipieren, bislang kaum thematisiert werden,

als Begründung für die Nichtrealisier­barkeit von Integrationsmaßnahmen wer­den häufig personelle und gesellschaftli­che Barrieren genannt. Von Forschungs­interesse ist daher zum einen die Analyse der Ursachen für die angenommene feh­lende bzw. unzureichende Akzeptanz so­wie die Untersuchung von Interventions­möglichkeiten im Hinblick auf die Modi­fizierung, d.h. die Verringerung der sozia­len Ablehnungswerte(Fediuk 19903). Die relevanten Aspekte können auf der Grundlage bereits vorliegender Resultate (Streicher& Leske 1985; Fediuk 1988; 1990b; Doll-Tepper 1989) z.B. durch wissenschaftliche Begleituntersuchungen zu Kern- oder Randgebieten bearbeitet werden,

Inhaltlich-Konzeptionelle Fragestellungen

Im Zusammenhang mit der Erörterung inhaltlich-konzeptioneller Fragestellun­gen innerhalb des Behindertensports las­sen sich unterschiedliche Strömungen erkennen,

Der erste Aktivitätsschwerpunkt leitet sich vom Sport her, und der zweite An­satz wird primär durch die Persönlich­

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