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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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Friedhold Fediuk*

keitserziehung über das Medium Bewe­gung begründet.

Diese Unterscheidung stellt die wesent­liche Grundlage dar für den Aufbau von Praxisgruppen mit psychomotorischen Zielsetzungen, die Etablierung entspre­chender Studien- und Ausbildungsgänge und die zunehmende Bedeutung des For­schungsgegenstandes Psychomotorik.

Behindertensportorientierte Ansätze

In jüngster Zeit wurden insbesondere durch das 7. Internationale Symposium Adapted Physical Activity in Berlin (21. bis 24. Juni 1989) Akzente für den Behindertensport und die Sporttherapie gesetzt(Doll-Tepper et al. 1990).

Der Behindertensport hat durch die un­gewöhnliche Publikumsresonanz und Medienbeachtung der Paralympics in Seoul 1988 eine Aufwertung erlangt. Die Leistungszunahme bei diesem Sport­ereignis hat gezeigt, daß die Möglich­keiten im Sport Behinderter bei wei­tem noch nicht erschöpft sind. So ist die Sportwissenschaft gefordert, die vorhandenen Konzepte und Modelle auf die Anwendbarkeit auf den Behinderten­sport zu überprüfen und durch entspre­chende Forschung angepaßte Untersu­chungsmethoden und Trainingspläne zu entwickeln.

Notwendige Modifikationen auf die im Behindertensport betriebenen Sportar­ten(Kosel 1981), deren Vielfalt immer mehr zunimmt, bedingen weitere Un­tersuchungen in der sportartspezifischen Trainingsmethodik.

Die Herausforderungen des Sports und das Streben nach sportlicher Spitzen­leistung auf nationaler und internationa­ler Ebene haben Sportler mit starken Per­sönlichkeiten hervorgebracht. So schrei­tet die Selbstbestimmung der Behinder­ten im Sport und im gesamten Rehabi­litationsbereich innerhalb des Prozesses der gesellschaftlichen Anerkennung fort. Fragen während des Symposiums in Ber­lin 1989 wieSportstudium für Roll­stuhlfahrer? undEingliederung der Paralympics in die Olympischen Spiele?* erschließen im Zusammenhang mit der

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Behindertensport in den 90er Jahren

Persönlichkeit des Behindertensportlers wichtige Forschungsaspekte der Soziali­sierung, der Entwicklung von sportlichen Interessen und der Motivierungsprozesse im Behindertensport. An den For­schungsvorhaben sollten behinderte Sportler beteiligt werden, um Fragen aus der Sachkenntnis, Erfahrung und Sicht der Betroffenen zu thematisieren und zu untersuchen(Strohkendl 1990).

Nach Van der Schoot(1980) intendiert die Sporttherapie u.a. die gezielte Ände­rung von Beeinträchtigungen bzw. Stö­rungen der Funktion, des Verhaltens und Handelns durch das Medium Bewe­gung. Dieser Strukturierung folgend, zielt die funktionsorientierte Sporttherapie auf eine möglichst individuelle Betreu­ung. Unter Zugrundelegung anamnesti­scher und leistungsdiagnostischer Daten, auf der Grundlage pädagogischer Prin­zipien sowie biologischer Gesetzmäßig­keiten des Trainings, unter Berücksich­tigung schadensspezifischer Gegebenhei­ten und der speziellen Zielsetzung kann das therapeutische Programm dieser For­derung im Regelfall genügen(Lagerström 1989).

Körperliches Training, Bewegung und Sport gehören heute zum festen Be­standteil der Rehabilitationsbemühun­gen z.B. von Herzgeschädigten(Hopf u.a. 1989). Über die Frühmobilisation in der Akutklinik, das Anschlußheilverfah­ren in der Rehabilitationsklinik bis hin zur Fortführung der Rehabilitationsmaß­nahmen in ambulanten Herzgruppen fin­det die Empfehlung, Bewegung thera­peutisch zu nutzen, vielfältige Anwen­dung. Das momentane Angebot deckt jedoch den Bedarf bei weitem nicht ab und begründet Forderungen u.a. im Zu­sammenhang mit der Ausbildung fach­lich qualifizierten Personals und mit der Untersuchung der Effektivität von Sport als Therapie.

Die mit verhaltensmodifizierenden und psychosozialen Aspekten verbundenen Intentionen der Sporttherapie werden insbesondere mit dem Ziel verfolgt, ge­sundheitserzieherische Langzeiteffekte zum Abbau von Risikofaktoren einzu­leiten und zu einer überdauernden Mo­tivation zu führen(Schüle 1987).

So können sport- und bewegungsthera­

peutische Maßnahmen zu einer besseren

psychischen Bewältigung der Herzkrank­

heit beitragen, z.B. bei Problemen der

Übermotiviertheit bzw. Verleugnung

durch eine zunehmend verbesserte Selbst­

einschätzung und der Entwicklung von angemessenen Formen der Krankheits­

bewältigung(Hopf u.a. 1989).

Die Effektivität von Sport als Therapie

im pädagogisch-psychologischen und

medizinischen Kontext muß bezüglich

funktioneller und spezifischer Persön­lichkeits- und Verhaltensmerkmale(Rie­der 1977) weiter untersucht werden.

Damit hängt zusammen:

Die Erstellung von Theorie-Praxis­Konzepten, deren Ansätze mit di­daktisch-methodischen, präventiven, therapeutischen, rehabilitativen und curricularen Schlußfolgerungen kor­respondieren;

die Untersuchung der gesellschaftli­chen Relevanz der Maßnahmen, ins­besondere deren langfristige Bedeu­tung;

die Untersuchung der Indikationen und Kontraindikationen für Sport­therapie bei speziellen Krankheitsbil­dern, z.B. bei Patienten mit periphe­ren arteriellen Durchblutungsstörun­gen(Diehm& Gerlach 1988) oder Patienten mit Venopathien(Weidin­ger& Bachl 1987).

Psychomotorisch orientierte Ansätze

Neben den skizzierten sportbezogenen Vorstellungen ist eine ebenfalls an Be­deutung gewinnende Strömung zu ver­zeichnen, die den engen Zusammenhang von Wahrnehmung, Erleben und Handeln betont.

Der internationale KongreßPsychomo­torik in Therapie und Pädagogik in Heidelberg(28. September bis 1. Okto­ber 1989) zeigte aktuelle Diskussions­schwerpunkte auf.

Die Schwierigkeit der inhaltlichen Dif­ferenzierung zwischen den Anwendungs­bereichen Motopädagogik und Motothe­rapie bleibt zwar weiter bestehen(Irmi­scher& Fischer 1989; Schilling 1989), zur Verdeutlichung der Positionen soll

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 2, 1991