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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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Bildkarten im Hauswirtschaftsunterricht an Schulen für geistigbehinderte

Schülerinnen und Schüler

Von Veronika Breucker

Bildkarten stellen ein Medium dar, das im Hauswirt­schaftsunterricht an Schulen für Geistigbehinderte vielfach Verwendung findet. In Hinblick auf eine ef­fektive Gestaltung dieses Mediums für den Personen­kreis der Geistigbehinderten wurden die Auswirkun­gen unterschiedlicher Ikonizitätsgrade untersucht. 18 Probanden bekamen entsprechende Bildkarten (Farbphotos/Umrißzeichnungen) vorgelegt mit der Aufgabe, das abgebildete Objekt(z. B. Lebensmittel, Arbeitsgeräte) aus einer Gruppe von sich ähnelnden Objekten herauszufinden und der Bildkarte zuzu­ordnen. Die Ergebnisse zeigten, daß bei der Zuord­nung mit Hilfe von Farbphotos signifikant weniger Fehler gemacht wurden als bei der Zuordnung mit Umrißzeichnungen.

Picture cards represent a medium that is widely used for domestic science at schools for the mentally retarded, In order to design effectively this medium for mentally retarded students the influence of the iconicity was examined. Picture cards of different iconicity were shown to 18 persons requiring them to find the shown object out of a group of similar objects. The results suggest that photos provide a better help than line drawings to match objects to pictures.

Einleitung

Bei der Beschäftigung mit dem Problem des Bildkarteneinsatzes im Hauswirt­schaftsunterricht an Schulen für Geistig­behinderte wird deutlich, daß die empi­rische Untersuchung von Unterrichtsme­dien im Rahmen psychologischer und pädagogischer Theorien und Konzepte in den USA eine lange Tradition hat. Dabei werden unter Bildkarten Darstel­lungen von Gegenständen und Handlun­gen verstanden, die auf einer Grund­fläche aus Karton, Papier oder Kunst­stoff als zweidimensionale Abbildung, reliefartige Abbildung oder Abwick­lung von Gegenständen realisiert sind. Zahlreiche Untersuchungen beschäfti­

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gen sich dort mit Bildkarten als Mittel für die Vermittlung von Informationen bei nichtbehinderten und behinderten Menschen(Matson, 1981; Johnson& Cuvo, 1981; Martin et al., 1982; Lignu­garis/Kraft et al., 1988) und bestätigen, daß Bilder Lernen unterstützen und för­dern(vgl. beispielsweise Murphy& Wood, 1981; Weidenmann, 1988).

Die Aussagen über die Bedeutung des Ikonizitätsgrades, d.h. der Grad der Übereinstimmung zwischen Vorbild und Abbild für die Effektivität der Anwen­dung von Bildern, sind jedoch wider­sprüchlich(vgl. Knerr& Ludwig, 1979, S. 103; Arnheim, 1974, S. 8; Lignugaris/ Kraft et al., 1988) oder vage(vgl. Ro­binson-Wilson, 1977; Johnson& Cuvo,

1981; Martin et al., 1982; Sarber et al., 1983).

Als Grund für die Widersprüchlichkeit kann die Art der Fragestellung der Untersuchungen gesehen werden. Hin­sichtlich der Effektivität von Bildkar­ten müssen auch die Funktionen dersel­ben, die darzustellenden Inhalte sowie die Zielgruppe berücksichtigt werden. Die meisten Autoren und Autorinnen von Kochbüchern berufen sich bei der Darstellung der Effektivität von Bild­karten lediglich auf ihre eigenen Erfah­rungen(vgl. z.B. Klös& Krenzer, 1981; Meder, 1989).

Bezüglich der Beurteilung und der Her­stellung universell einsetzbarer Bildkar­ten, speziell für den Personenkreis Gei­

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVI, Heft 4, 1990