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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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Tab. 2: Korrelationen des Bildtyps sowie der Randbedingungen mit der Zuordnungsleistung

Fehlerzahl Zeit(s) Bildkartentyp-0.57 0.02 Alter 0.16 0.5 Schulstufe 0.02 0.5 Gruppe(A/B) 0.02 0.5 Fehlerzahl-_ 0.4 Zeit(s) 0.4

mit Hilfe des statistischen Analysepro­gramms P-Stat.

Der dem Betrag nach größte Korrela­tionskoeffizient(K=-0.57) wird zwi­schen Bildkartentyp und Fehlerzahl bei der Zuordnung beobachtet. Dem niedri­geren Index(1=Strichzeichnung) steht also eine höhere Fehlerzahl gegenüber, dem höheren Index(2=Photo) eine niedrigere Fehlerzahl. Die Größen(Al­ter, Schulstufe, Gruppe) wirken sich kaum auf die Fehlerzahl aus(Koeffizien­ten von 0.02 0.16). Im Gegensatz da­zu zeigt sich ein relativ starker Einfluß (K=0.5) der Größen(Alter, Schulstufe, Gruppenzugehörigkeit) auf die für die Zuordnung benötigte Zeit. Das positive Vorzeichen des Koeffizienten bedeutet, daß die älteren Probanden im Durch­schnitt längere Zeit für die Zuordnung brauchten als die jüngeren Versuchsper­sonen. Da die älteren Schülerinnen und Schüler im allgemeinen der höheren Schulstufe angehören, die in diesem Versuchsplan auch einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit entspricht, kor­relieren diese beiden Größen(Schulstu­fe, Gruppe) in gleicher Weise wie das Alter mit der für die Zuordnung benö­tigten Zeit. Der Bildtyp wirkt sich da­gegen praktisch gar nicht auf die für die Zuordnung benötigte Zeit aus(K= 0.02). Weiterhin läßt sich auch ein gewisser Zu­sammenhang zwischen Fehlerzahl und Zeitbedarf für die Zuordnung feststel­len(K= 0.4). Zuordnungen, für die die Schülerinnen und Schüler relativ mehr Zeit benötigen, sind demnach in der Tendenz mit einer höheren Fehlerquote behaftet.

Die Untersuchungsergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Veronika Breucker ­

bei der Zuordnung von Realgegen­ständen zu Farbphotos ergeben sich signifikant weniger Fehler(vgl. Tab. 1)

in dieser Untersuchung benötigten ältere Versuchspersonen eher mehr Zeit für die Zuordnung, ohne jedoch dadurch weniger Fehler zu machen.

Diskussion der Ergebnisse

Bei der Bewertung dieser Untersuchungs­ergebnisse ist zu berücksichtigen, daß die Probandenzahl(N= 16) relativ gering ist und daß sich die Signifikanzgrenze bei der statistischen Absicherung aus der Stichprobengröße und der Effektstärke ergibt.

Theoretischer Ausgangspunkt der Unter­suchung war die Überlegung, daß die Gestaltung einer Bildkarte für den Haus­wirtschaftsunterricht, insbesondere ihr Ikonizitätsgrad, Auswirkungen auf die Zuordnung des Realgegenstandes zu der entsprechenden Bildkarte habe und daß Abbildungen mit einem hohen Ikonizi­tätsgrad wirksamere Identifizierungshil­fen geben als Abbildungen mit einem niedrigeren Ikonizitätsgrad. Die Unter­suchung ergab, daß die Probanden bei der Zuordnung der Realgegenstände zu den Farbphotos signifikant weniger Feh­ler machten als bei den Umrißzeichnun­gen. Dies kann als Bestätigung für die Richtigkeit der Annahme, daß realisti­sche Bilder mehr Informationen liefern und daß diese bei der Unterscheidung und Identifizierung hilfreich sind, ge­wertet werden(vgl. S. 179).

Dieses Ergebnis beantwortet die Frage von Lignugaris/Kraft et al.(1988, 323), ob Schülerinnen und Schüler, die gelernt haben, Objekte Umrißzeichnungen zu­zuordnen, auch fähig sind, Objekte Pho­tographien zuzuordnen, eindeutig posi­tiv. Andere Studien, bei denen ebenfalls verschiedene Bildmerkmale systematisch variiert wurden(vgl. u.a. Hochberg, 1962; Dwyer, 1971; Katzmann& Nyenhuis, 1972), kamen zu abweichenden Ergeb­nissen, was mit den darzustellenden In­halten und den Zielgruppen zusammen­hängen könnte.

In diesem Zusammenhang erscheint es deshalb notwendig, darauf hinzuweisen,

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVI, Heft 4, 1990

Bildkarten im Hauswirtschaftsunterricht

daß im Vergleich zu den zur Zeit einge­setzten Bildkarten selbst der Ikonizitäts­grad der hier verwendeten Umrißzeich­nungen hoch ist. Es ist daher zu vermu­ten, daß bei einem noch niedrigeren Iko­nizitätsgrad die Fehlerquote bei der Zu­ordnung des Realgegenstandes zu der entsprechenden Bildkarte noch deutlich steigen würde.

Bei den anderen untersuchten Parame­tern(Zeit, Alter, Schulstufe, Gruppe) wurde folgendes deutlich:

Die älteren Schülerinnen und Schüler benötigten längere Zeit für die Zuord­nung. Dieser auf den ersten Blick über­raschende Befund erklärt sich damit, daß in dieser Untersuchung die älteren Probanden auch diejenigen mit dem niedrigeren IQ waren.

Zuordnungen, bei denen die Versuchs­personen relativ mehr Zeit benötigten, waren in der Tendenz mit einer höhe­ren Fehlerquote behaftet. Man kann so­mit vermuten, daß ein Zusammenhang zwischen der benötigten Zeit für die Zuordnung und der Richtigkeit der ge­troffenen Wahl besteht. Die Schulstu­fen- und Gruppenzugehörigkeit zeigte, abgesehen von der trivialen Erkenntnis, daß die älteren Versuchspersonen in der Regel der höheren Schulstufe angehö­ren, keinen Einfluß auf andere Beobach­tungen.

Es ist denkbar, daß sich bei größerer Probandenzahl und damit erhöhter Test­stärke weitere Zusammenhänge zeigen.

Didaktische Konsequenzen für den Hauswirtschaftsunterricht bei Geistigbehinderten

Für die Selbständigkeit und die Unab­hängigkeit der geistigbehinderten Schü­lerinnen und Schüler spielt die Fähig­keit, sich selbst versorgen zu können, eine wesentliche Rolle(vgl. Staatsinsti­tut für Schulpädagogik, 1982, 77).

In diesem Zusammenhang kommt dem Einsatz von Bildkarten im Hauswirt­schaftsunterricht eine besondere Bedeu­tung zu, wo sie häufig als Einkaufshilfen verwendet werden. Gerade in Hinblick auf das vielfältige Angebot, mit dem die Schülerinnen und Schüler beim Ein­

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