Aussprüchen, von Gesprächen, von Situationen, von Eindrücken, von Thatsachen steht mir zur Seite!
Können u. wollen Sie auf dergl. schon heute eingehen, so ist mir natürlich jede Notiz sehr willkommen. Ich würde eine solche Publication etwa nennen: persönliche Beziehungen zu Th. Fontane' und würde natürlich auch gern einen Theil s. Briefe an mich einschalten. Alles das wollte u. werde ich Ihnen s. Zeit detaillirt mittheilen, würde mich aber sehr freuen, Wenn Sie mir eventl vorher Ihre Meinung sagten oder Fingerzeige gäben! Heute führt mich eigentlich etwas Anderes in den Weg.
Der hiesige Vorsteher der Praeparanden-Anstalt, Sommer , 2 hat ein Buch, ,,In der Waldmühle“ (Roman)
Commissions-Verlag von Friese
Leipzig
erscheinen lassen, das er vorher auch Ihnen — wie mir bekannt — vergeblich zum Verlage angeboten hat. Ich kenne Buch u. Autor und will beiden wohl. Mehr allerdings nicht! Dem Herrn Sommer liegt nun sehr viel daran, daß das Buch im „litterarischen Echo“ besprochen oder kriti- sirt wird. Möglichst noch vor Weihnachten. Er hat Wolfgang Kirchbach vergeblich darum gebeten, weil dieser vor Weihnachten keine Zeit hat . 3 Nun bittet er mich. ,Vom Fels z. Meer 1 brachte eine überaus günstige Kritik von Freiin v. Bülow ' 1 — die Sehles. Ztg. eine ebensolche von Dr Baer 5 u. nun wünscht er eine Recension bei Ihnen* Wollen Sie? Dann will auch ich in den sauren Apfel beissen und die Arbeit machen. Hr Sommer bat mich, bei Ihnen deswegen anzuklopfen. Wenn Sie nicht ,herein 1 sagen, bin ich nicht böse ! 6 Aber der Mann ist fleißig, strebt über sich hinaus und ich will gewiss nicht ungefällig sein.
Gerh. Hauptmann lud mich im Juli auf sein wundervolles, neues Bergschloß in Agnetendorf. Die Wechselrede berührte natürlich auch Th. Fontane, der unsere Bekanntschaft gütig vermittelt hatte. Und dann kam das Gespräch auf Gerh. Hauptmanns Anschauungsweise der Stoffe, namentlich der Stoffe aus unserer Gegend und den Schlüssel :wann sich ihm das Tragische u. Contrastreiche im Bilde des Humors widerspiegele. All“ das in dem denkbar schönsten Raume, während der Mond über den Söller hereinschaute und Flasche auf Flasche Mumm Extra dry dahinschwand. — Meinen Sie, daß solch“ ein Abend bei Gerh. Hauptmann ein „Stoff“ wäre und wohin soll ich wohl ein solches Feuilleton schicken? In den „Tag“, „Die Woche“ , 7 die „Voß. Ztg“ ? — Pardon für meinen plötzlichen Ueberfall und allerbesten Gruß! Immer Ihr ergebenster
Dr Georg Friedlaender. AGRath
* In 6 Wochen sind allein in Schlesien vier ein halbes Tausend Exemplare abgesetzt.!
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