Heft 
(1974) 20
Seite
243
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Der alte Müller [?]. Rückkehr in seine Kajütenwohnung. Sie standen schon und warteten in Ängsten. Niemand sprach. Aber alle waren erhoben.

Die Szene in Krummhübel 12 . Tag über draußen die Landstraße geflickt, Lehm, Steine. Von meiner Wohnung nah dem Gasthaus sah ich ihn. Nun war Abend. Höher hinauf im Gebirge, vom Hauptweg abgezweigt, stand ein kleines weißes Haus. Als ich dann vorüberkam, erkannte ich wieder den Mann, der an der Straße gearbeitet hatte. Er saß auf einer Bank, an dem alten Birnbaum hing die Sense, nach dem Stall zu war eine Mistgrube. Drin stand seine junge 12 *» Frau, eine schöne Person, von dem feinen Bau, den die schlesischen Gebirgsbewohner haben, den roten Rock geschürzt, das Gesicht von dem roten Kopftuch eingerahmt. Dabei hantierte sie mit der Forke und belud den Wagen, schon für den andern Tag. Dann und wann sah sie von der Arbeit auf nach dem Haus hinüber, wo der Häusler seinen zweijährigen 121 » Jungen auf sein Knie gestellt hatte. Die Hühner pickten im Gras umher, und auf die blanken Blätter 121 » des Birnbaums fielen die letzten Strahlen der Sonne. Man kann sich täuschen über Glück. Aber das war Glück.

Ein 3. Beispiel aus der Wissenschafts- oder Gelehrten- oder Künstler­sphäre nehmen.

2. Du selbst!

Wenn der Pöbel aller Sorte Tanzet um die goldnen Kälber, Halte fest: Du hast vom Leben Doch am Ende nur Dich selber Th. Storm

Das Herkömmliche ist, den Egoismus zu verdammen. Er ist auch nicht bloß eine schlechte, sondern eine niedre Form des Daseins. Und doch wird er einem aufgezwungen. Es hilft nichts; es ist nicht immer so, aber oft; es ist die Regel. Wer ganz auf der Höhe steht, den ficht es nicht an; die Liebe ist siegreich über alles. Wer aber die Liebe nicht hat, seiner ganzen Natur nach sie haben nicht kann und nicht haben will, wer statt ihrer Ehre, Gewichtigkeit, Wahrheit hat oder ihnen ehrlich nachstrebt, der wird egoistisch, nicht nach freier Wahl, sondern durch den Zwang der Verhältnisse. Alle Freunde, alle Kollegen, alle Mitstreiter lassen einen im Stich. Hätte man das höchste Maß alles verzeihender, selbst­suchtloser Liebe, so würde man die widerstrebenden Herzen schließlich doch zwingen, schließlich sich doch unterwerfen, indem man sich ihnen unterwirft; aber in Ermangelung dieses höchsten Liebesmaßes nutzt einem die Durchschnittsliebe nicht. Sie reicht nicht aus, die Gemeinheit der uns umgebenden Masse zu besiegen; so treten wir, beständig empört, in Kampf gegen dieselbe und sehen uns zuletzt vereinsamt, weil niemand an die Ehrlichkeit dieses Kampfes glaubt oder [die Masse] sich beleidigt fühlt dadurch, daß ein andrer auf diesem Gebiete mehr leisten will als sie, über die Köpfe der Durchschnittsnaturen hinauswachsen will. Ein Friedensschluß ist nicht möglich; die Durchschnittler wollen keinen Frie­den mit uns; sie wollen die Nivellierung, die Gleichstellung mit ihnen.