Heft 
(1975) 21
Seite
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In bezug auf Fontanes Verhältnis zur zeitgenössischen bildenden Kunst und Architektur bietet sich jedoch, auch nachdem dieses Material nun vorliegt, nur für einen begrenzten Zeitraum ein ziemlich abgerun­detes Bild, denn seine Beiträge zu dieser Thematik stammen fast aus­nahmslos aus den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das aus späteren Jahren dazu überkommene Material reicht nicht aus, um eindeutige Schlüsse zu ziehen. Es handelt sich nur um wenige Biographien, Ausstellungs- und Buchbesprechungen; darunter die Würdigung Menzels zum 80. Geburtstag 1 und die späteren fragmen­tarischen Blechenaufzeichnungen. 2

Reicheres Material hingegen ist in Fontanes Schriften über historische Denkmale, insbesondere die Bau- und Bildkunstwerke damaliger Ver­gangenheit, zu finden, denn ihre Beschreibung spielt eine wesentliche Rolle in seiner Reiseliteratur. Da Fontane sich mit der Schilderung historischer Erinnerungsstätten durch die mehrfachen Neuauflagen der Wanderungen durch die Mark Brandenburg (18621882), durch die Arbeit anFünf Schlösser. Altes und Neues aus Mark Brandenburg (1889) und durch die Vorarbeiten zumLändchen Friesack 3 bis ins hohe Alter hinein befaßt hat, ergibt- sich die Möglichkeit, sein Verhältnis zu den historischen Denkmalen über einen langen Zeitraum in der Ent­wicklung zu verfolgen.

Vornehmlich handelt es sich um die Beschreibung historischer Werke der Baukunst mit ihrer Ausstattung. Dazu gehören für Fofltane außer den Kunstgegenständen auch andere, wenn sie einen besonderen geschicht­lichen Erinnerungswert besitzen. Da es sich bei diesen Beschreibungen jedoch, trotz der Bemühungen Fontanes um historische und kunsthisto­rische Genauigkeit, um eine Form der Poesie handelt, ergeben sich mitunter eigene Betrachtungsweisen, die sich nicht aus der Besonderheit des Objektes, sondern aus einem übergeordneten literarischen Anliegen heraus erklären lassen.

Dieses Material soll im Mittelpunkt der Betrachtung stehen.

Am deutlichsten treten Fontanes Gedanken und Vorstellungen über die historischen Denkmale in seinen Äußerungen zur Erhaltung und Wieder­herstellung von Werken der Bau- und Bildkunst in Erscheinung. Schutz- und Pflegemaßnahmen erfordern immer eine kritische Wertung des Gegenstandes, dem sie gelten. Das. trifft noch entschiedener bei Wieder­herstellungsmaßnahmen zu, da sie oft mit Eingriffen in die historische Substanz verbunden sind.

Fontanes Beziehung zu den historischen Denkmalen war anderer Art als zu den Werken der zeitgenössischen Bau- und Bildkunst. Der Unter­schied erklärt sich aus der Eigenart des historischen Denkmals, in dem sehr verschiedene Wertfaktoren Zusammenwirken.

Als Geschichtszeugnis kann es den verschiedenen Zweigen der Ge­schichtswissenschaft wichtige Aufschlüsse gewähren. Verknüpft sich mit einem solchen Denkmal die Erinnerung an bestimmte historische Ereig­nisse oder Persönlichkeiten, so kann ihm dadurch neben dem wissen-

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