Heft 
(1975) 21
Seite
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für die Fontane-Handschriften Verlagerung, Vernichtung und Verände­rung der Besitzverhältnisse zur Folge. Ein Neuansatz der Erschließungs­arbeiten wurde also dringend notwendig.

2.2. Zur Verzeichnung nach 1945

Der erste, der sich der mühevollen Aufgabe unterzog, Klarheit in die total veränderte Situation der Fontane-Handschriften nach 1945 zu bringen, war Alan R. Robinson. Er unternahm im September 1954 eine Studienreise in die Deutsche Demokratische Republik, um die Fontane- Zentren aufzusuchen und dort in Kästen und Ordnern eigenhändig nach den verbliebenen Handschriften zu forschen. Unterstützt wurde er bei diesem Vorhaben vom Potsdamer Fontane-Archiv und von der Abteilung Neuere deutsche Literatur im Institut für deutsche Sprache und Literatur bei der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Über die Ergebnisse der Unternehmung berichtete er in einem vier Seiten um­fassenden Aufsatz, 19 der 1956 inThe Modern Language Review erschienen ist. Robinson verfolgte damit das Ziel, Fontane-Forschern ein Orientierungsmittel in die Hand zu geben, das weder umfassend noch endgültig sein konnte, sondern den Zeitraum bis zum wünschenswerten Erscheinen eines neuen, exakten Kataloges überbrücken sollte, nachdem die Frels-Darstellung nur noch Vergleichswert hatte. 20 Auch Robinsons Aufstellung wird vom Besitzer bestimmt, die Abfolge der Standorte: Märkisches Museum, Deutsche Staatsbibliothek, Univer­sitätsbibliothek, Akademie der Wissenschaften 21 alle in Berlin, Brandenburgische Landes- und Hochschulbibliothek Potsdam und schließ­lich Goethe-Schiller-Archiv Weimar ist offensichtlich amFrels orien­tiert. Jeweils einleitend wird die Anzahl der Behältnisse angegeben, in denen die Institutionen ihre Fontaniana aufbewahren. Die Handschriften werden vorwiegend durch Angabe des Titels oder der Gattung charak­terisiert, Briefe fast ausschließlich durch den Empfänger- bzw. Absender­namen, nur in Ausnahmefällen ist ihre Anzahl vermerkt oder ein Datum angegeben. Wo der Vorkriegsstand von dem des Jahres 1954 entscheidend abweicht, gibt Robinson im Anschluß an seine Aufstellung eine Titelliste dessen, was er nicht mehr aufspüren konnte. Bemerkenswert ist, daß Robinson bei einigen Manuskripten des Märkischen Museums Einfügt, daß sie nicht vollständig sind. Ein solcher Hinweis wohl durch die allgemeine Kenntnis von Verlusten provoziert ist neu in der Ver­zeichnungsgeschichte von Fontane-Handschriften.

Mit dem Beginn der 60er Jahre werden die Informationen über Fontane- Handschriften wieder zahlreicher.

Kurt Schreinert gibt in seinem mehrseitigen Fontane-Artikel im 5. Band derNeuen Deutschen Biographie, 22 der 1961 erschienen ist, einen Hinweis auch auf die Quellen. Das Potsdamer Fontane-Archiv, die Deutsche Staatsbibliothek Berlin, die Universitäts-Bibliothek Berlin, das Märkische Museum Berlin, das Goethe-Schiller-Archiv in Weimar und

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