Heft 
(1969) 9
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Ich wäre gestern abend gekommen, wenn ich nicht auf den Grafen Kalckreuth

(Weimar) 7 eingeladen gewesen wäre. Hat mir sehr gefallen.

Wie immer Ihr Th. Fontane

Gedruckt nach der Schreibmaschinenabschrift im Fontane-Archiv Potsdam

(vgl. Briefe Theodor Fontanes. Zweite Sammlung. Hrsg, von O. Pniower und

P. Schlenther, 1. Band, Berlin 1910, S. 321-322).

Kommentar

1 Pietsch war vom 18. Januar bis 12. Februar 1874 in Petersburg und Moskau gewesen.

2 Der aus Neapel gebürtige Shakespeare-Darsteller Gaetano Campo gab seit Dezember 1873alle 14 Tage... bei Wichmanns" vor einem Kreis geladener Gäste Vorstellungen in seiner italienischen Heimatsprache. Seinen Auftritt als Richard III. am 30. Dezember 1873 hatte Fontane in der VZ, Nr. 5 vom 7. Januar 1874, besprochen.

3 General August von Werder (1808-1887) hatte 1870 den Oberbefehl über die Belagerung von Straßburg geführt.

* Karl Werder (1806-1893), Hegelianer, lehrte seit 1838 als Professor der Philosophie an der Berliner Universität. 1840 waren russische Studenten, darunter I. S. Turgenjew und Michail Bakunin, seine Schüler. Pietsch be­suchte 1842 sein Kolleg. Werder verfaßte auch Dramen.

5 Pietsch hatte zwischen dem 21. Januar und 1. Februar 1874 in sechs Artikeln aus PetersburgVon den Hochzeitsfeierlichkeiten am kaiserlichen russischen Hof", die aus Anlaß der Vermählung der Tochter Alexanders II., Maria, mit dem zweiten Sohn der englischen Königin Viktoria, dem Herzog Alfred von Edinburg, stattfanden, berichtet (vgl. VZ zwischen 27. Januar und 7. Februar 1874).

6 Am 12. Februar war Pietschs Bericht vom 5. und 6. Februar - betiteltIn Moskau" - erschienen.

7 Graf Stanislaus von Kalckreuth (1821-1894), Landschaftsmaler, gründete 1859 in Weimar die Kunstschule, deren Direktor er bis 1876 war.

5 Berlin, 21. Februar 1874

Teuerster Pietsch!

Ihre Bemerkung gestern abend 1 hat mich doch etwas verwirrt. Ich würde mit Ausdruck meines Bedauerns darüber, keine andere Art der Einführung für Ihre Briefe und Berichte gewählt zu haben 2 , nicht zurückhalten, wenn ich wirk­lich das Gefühl hätte, daß das Geschehene ungehörig sei. Ich habe die Frage auf dem Heimwege nochmal ernst erwogen, um so ernster als ich gerade jetzt wieder mit dem Vormarsch der beiden Armeen gegen Paris beschäftigt bin 3 und beständig Briefe, die damals von L. Schneider, Hassel, Kayßler, Strodt- mann, Rudolf Lindau und anderen geschrieben wurden, in meinem Buche zu zitieren habe. Ich nenne diese Herren nirgends im Text; am Schlüsse des Gan-

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