zen werden sie und ihre Bücher aufgeführt werden. 4 Dies ist die Regel, von der Sie im ganzen Buche — wenn Sie von fremdländischer Literatur absehen - vielleicht nicht dreimal eine Ausnahme finden werden. Vielleicht steht der Frenzel-Fall - übrigens habe ich seinen Namen nicht entdecken können 5 - ganz vereinzelt da. Auerbach, Scherenberg, Geibel, Dohm sind ungenannt geblieben; an andrer Stelle findet sich dann mal Rückert; man folgt darin einem unbestimmten Gefühl, das in einem Falle die Namensnennung anempfiehlt, im andern nicht. Von Klassifizierung ist dabei keine Rede.
Noch ein paar Worte. Ich darf sagen, ich schmücke mich nirgends mit fremden Federn, ohne jedesmal bestimmt zu erklären: Leser, hier kommen fremde Federn. Ich treibe einen wahren Mißbrauch mit Gänsefüßchen, mehr ist am Ende nicht zu verlangen. Der Stoff ist aus 100 Schriftstücken entlehnt, aus tausend Notizen zusammengetragen. Dies wird nirgends cachiert. 6 Wenn ich nebenher noch kleine Verdienste habe, so brauche ich Ihnen nicht zu sagen, wo sie liegen. 7 Auf dem Titelblatt steht: „Die Angabe der benutzten Quellen erfolgt am Schlüsse des Werks". Daß dies nicht Redensart ist, beweist der Krieg von 66, der drei Seiten voll Quellenangaben bringt. 8 Am wenigsten kann von Unterschlagung Ihres Namens (der sich übrigens S. 484 pflichtschuldigst vorfindet 11 ) die Rede sein, denn mit ebenso viel Freude wie Überzeugung wiederhole ich Ihnen das oft Gesagte, daß Ihr Buch das beste, frischeste, lesbarste unter allem Erschienenen ist. 10 Für das historische Genre wird es auch Nr. 1 bleiben, denn hinterher ist dergleichen nicht mehr zu machen. 11 Ich wünsche von Herzen, daß diese Zeilen die kleine Trübung verscheuchen, Sie selber aber geneigt machen mögen, sich ebenso in meine Lage hineinzudenken 12 , wie ich es in die Ihrige tue.
Wie immer Ihr aufrichtig ergebener Th. Fontane
(Vgl. die Erstveröffentlichung in: Theodor Fontane, Briefe an die Freunde. Letzte Auslese. Hrsg, von Fr. Fontane und H. Fricke, 1. Band, Berlin 1943, S. 272 - 274).
Kommentar
1 Diese Bemerkung war im Zusammenhang mit Pietschs Absicht gefallen, den 2. Halbband des ersten Bandes von Fontanes Werk „Der Krieg gegen Frankreich" (1873) zu besprechen. Fontane hatte in diesem Buch gleich zu Anfang bei der Schilderung des Vormarsches der 3. Armee Auszüge aus Pietschs Kriegsbildern „Von Berlin bis Paris" (1871) benutzt.
2 Fontane hatte diese Auszüge weder durch Gänsefüßchen als aus einem anderen Buch entlehnt kenntlich gemacht noch den Namen des Verfassers genannt. Bei einem Vergleich von Fontanes Text mit dem originalen von Pietsch finden sich auch Auslassungen, Zusammenziehungen und Satzumstellungen nach den Bedürfnissen des Fontaneschen Buches, ferner Einschiebungen aus Fontanes Feder sowie Änderung der Zeitangabe und Verlegung eines Abschnittes (die Schilderung des „trinkfesten Fürsten- und Thronfolgerkollegiums") in die Anmerkung.
3 Fontane arbeitete am zweiten Band von „Der Krieg gegen Frankreich". Bei der Besprechung des 1. Halbbandes dieses zweiten Bandes hob Pietsch in
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