Heft 
(1981) 32
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erörtert. Auch erwähnt er die bevorstehende Veröffentlichung des Buches über England und bedauert, daß er für dieschottische Reise noch keinen Verleger gefunden habe. Das führt zu der Bitte:Kannst Du mir behilflich sein? An Hertz mag ich mich nicht ohne weiteres wenden, weil er mir (freilich vor 6 oder 8 Jahren) zweimal etwas abgeschlagen hat und mich, glaub ich, noch für mittelmäßiger hält als ich bin. Tu, was Du kannst. Die Einschränkungnicht ohne weiteres verstand Heyse ganz richtig als Anregung zur Vermittlung bei Hertz, und es ist dann auch dieser Punkt, auf den Heyse in seiner Antwort näher eingeht. 11 Hertz, so glaubt er, würde esohne Zweifel stutzig machen, wenn Fontane ihmSchottland anböte, nachdem Ebnermit England vorangegangen war. Für ein anderes Buch sah Heyse jedoch größeren Erfolg voraus. Deshalb rät er Fontane, die in den verschiedensten Zeitschriften veröffentlichten und in kleineren Samm­lungen erschienenen Balladen zusammenzustellen, sie umzuarbeiten und zu ergänzen, so daß sie in einem Band dem nicht kleinen Teil des Publi­kums, dasFontane, den Balladendichter wolle, vorgelegt werden könnten.

In seiner Antwort vom 7. Dezember 1 ' 2 erklärt Fontane sich bereit, diese nicht unbeschwerliche Aufgabe auszuführen, allerdings nur, wenn Hertz vor Beginn aller notwendigen Arbeiten die bestimmte Zusage zur Ver­öffentlichung geben würde. Aber auch dasBuch über Schottland, so schlägt er nun ohne Bedenken vor, könneHertz dreist nehmen, denn es läuft wie ein Kommentar neben meinen schottischen Balladen, eignen und übersetzten, her und gehört halb mit dazu. Fontane war fest davon über­zeugt, daßes nicht schlecht gehen würde; so was liest die Welt noch, und es liest sich wirklich gut.

Am 10. Dezember schrieb Heyse an Hertz und setzte sich vvärmstens für eine vollständige Ausgabe der Balladen ein. 13 Fontanes Bitte um die Emp­fehlung derschottischen Reise erwähnt er zwar auch, rät Hertz aber keineswegs, das Reisebuch in sein Verlagsprogramm aufzunehmen. Heyses wohlwollende Befürwortung der Balladen bewirkte letztlich eine langjährige und für Dichter und Verleger lukrative Geschätfsverbindung. Die Veröffentlichung derReise nach Schottland lehnte Hertz jedoch ab. 14 Er sah sich nicht als dengeeigneten Verleger für dieses Buch; es nehme ihn persönlich nicht in Anspruch. Auch war er nicht bereit, das notwendige Risiko einzugehen, denndas Buch wird seiner ganzen Art nach zu denen gehören, die von der Gunst der augenblicklichen Stimmung beim Erscheinen mehr oder weniger abhängen. Hertz nannte zwei Verleger, die vermutlich bereit sein würden, das Reisebuch zu übernehmen: Julius Springer in Ber­lin und Hermann Costenoble in Leipzig. 15 An beide Firmen schrieb Fontane am 30. Januar 1860 nahezu identische Briefe, 10 um ihnen den Verlag des Werkes anzutragen. Springer, so berichtete er am 11. Februar an Hertz, antwortete umgehend und drückte seine Bereitwilligkeit aus, war jedoch nicht willig, die geforderte Summe von 150 rtl. zu zahlen, sondern lediglich einzusammengeschrumpftes Honorar von nur 100 rtl. 17 Nach dem Er­scheinen des Buches hat Springer allerdings das Honorar anscheinend freiwillig erhöht. 18

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