Heft 
(1885) 28
Seite
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Deutsche Nom an-Silit isthe k.

Mir zum Unheil!" ries er wild, denn der ver­steckte Vorwurf reizte ihn,und ich Hab' dafür ge­büßt mit Jahren schmachvollen Elendes. Hätt' ich Dich in den Hasbany gestoßen, wie Thaljeh mir rieth, mein Name wäre unter den Duruz nicht ver­achtet."

Du schontest mein Leben," weinte sie fast,und ich dank' es Dir. Aber jetzt, wo Dein Stamm Dich wieder ausgenommen, solltest Du der trüben Zeiteil nicht mehr denken. Wie freu' ich mich auf Dein stolzes Haus in Aiuat, in dem ich walten darf als Herrin!"

Ein schrilles Lachen war die Antwort auf Dibbeh's tröstliche Worte.

Mein Haus?" spottete er bitter.Sehnst Du Dich darnach? Wohlan denn, wenn Du bis Amerika liefest, Du fändest es nicht. Ein Hans dem Ge­ächteten, Versehmten. ein Weib dem Narren und Geprellten! Jnschallah, Du machst mich lachen."

Aber wohin führst Du mich denn?" fragte das Mädchen, dem Assad's wilde Heiterkeit banger machte als sein Grollen.Du versprachst mir doch

Sie blickte um sich; vorwärts lag eine Felsen­wüste, auf der Schatten und Mondlicht gespenstische Figuren bildeten. Von Pfad keine Spur, und doch zog Assad sie ohne Besinnen dem Labyrinth von Schluchten entgegen, welches sich vor ihnen aufthat.

Es war, Dich Zn ködern," gestand er ohne Scheu.Da, wohin ich Dich bringe, wohnen Dohlen und Fledermäuse; wir gehen zu den verödeten Grotten der unreinen Söhne Maron's, welche dort dem Ibis dienten."

Ein heftiger Schauer durchfuhr Dibbeh, und tiefer sank ihr das enttäuschte Hoffen. Doch trotz der unheimlichen Ahnungen, welche sie zu überkommen drohten, versuchte sie noch einmal, Assad freundlich zuzusprechen.

Du Armer," sagte sie mitleidig,wie wehe thut mir Dein hartes Geschick! Doch will ich Dir in der Höhle nicht minder meine Ergebenheit be­weisen, als ich's in dem Hause gethan hätte. Viel­leicht gelingt mir's, die schlechte Unterkunft wohnlich zu gestalten."

Meinst Du?" höhnte er.Wenn Dir nur Zeit dazu bleibt, Dibbeh!"

So drohend klang fein Einwurf, daß die Er­schreckte zusammenfnhr. Wie zeigte er sich doch verwandelt, feit er sie in seiner Gewalt hatte! Konnte er sich absichtlich anders gegeben haben, als er war, um sie Zu bethören? Sie vermochte den gräßlichen Gedanken nicht zu fassen, ließ sich in schweigender Bestürzung weiter schleppen, regte mechanisch die versagenden Füße, um welche die Lappen ihres Zer­fetzten Kleides hingen, ihren guten Willen zu be­weisen.

Das Wandern war schwerer, als es ihrer Er­innerung geschienen hatte; zudem versäumte Assad jetzt die kleinen, aber wohlthuenden Handreichungen, die er ihr einst freundlich geleistet. Eine tiefe Nieder­geschlagenheit bewältigte die mißhandelte Sklavin, heiße Thränen stürzten ihr unaufhaltsam ans den Augen; ihre Gedanken flogen hinüber Zu dem lieb­reichen Manne, der sich ihrer verlassenen Kindheit

angenommen und selbst in seinem Verschulden noch ihr eine so tiefe Neigung offenbart.Vater," hätte sie rufen mögen,rette mich Zum zweiten Mal und jetzt aus selbstgeschaffeuer Gefahr! So traut und heimisch war mir's bei Dir, bis das grausame Ge­denken an Assad erwachte und mich von Dir riß. O, wär' ich wieder Dein Kind!"

Als hätte der Druse geahnt, was in ihr vor­ging, blieb er plötzlich vor einem gewaltigen Felsen­portal stehen, das den Eingang Zn den Grotten- gängcn bildete, und sagte zu der Weinenden:

Sitz' nieder und berichte mir, wie Dn's an­gefangen, ohne den Vater der Dollars zum Jebel el Arz zu reiten. Jnschallah, er folgte der Tochter ja sonst so gern."

Dibbeh sank erschöpft auf einen rauhen Block. Ein schweifender Blick Zeigte ihr rings umher graue Kalksteinmassen im ungewissen Schimmer des Tages­anbruchs. Blaß und entstellt glitt der Mond dem westlichen Horizont Zu, aber noch röthete kein Licht­strahl den Osten.

Ich befahl Dir zu reden, Sklavin," herrschte der Druse, als sich ihre stumme Rathlosigkeit ver­längerte.

Mein Vater," stammelte sie traurig,war krank und blieb in seinem Zelt."

Du nahmst keinen Abschied von ihm?" forschte Assad.

Nicht so, daß er hätte ahnen können, ich ginge für alle Zeit von ihm," entgegnete Dibbeh traurig.

So erfährt er von den Anderen erst, dem tücki­schen Junis, dem blöden Howadji, dem Vater des Revolvers, daß Du ihm entlaufen?"

Ich ließ ihm," gestand das Mädchen,einen Brief, worin ich ihm für seine Wohlthatcn dankte."

Du bist eine große Gelehrte," höhnte er,doch schriebst Du auch, Dibbeh, daß Du wieder mein geworden?"

Ja," entgegnete sie fest.Aber ich bat ihn zugleich, nichts zu versuchen, um mich meinem recht­mäßigen Herrn Zu entreißen."

Und wenn er's versuchte," prahlte Assad, glaubst Du, ich ließe Dich wieder in seine Gewalt?"

Es war nicht die Frage eines Liebenden, die an Dibbeh's Ohr schlug. Gehässig vielmehr klang der rücksichtslose Anspruch auf ihren Besitz ans den lauernden Worten. Zudem zeigte die durchsichtigere Dämmerung ihr jetzt auch Assad's Züge, deren Aus­druck ein harter, finsterer war. Sie entgegnete daher schmerzlich bewegt:

O, könnte der Kampf zwischen ihm und Dir mir erspart bleiben!"

Das wird er, Jnschallah," versicherte der Druse kalt.Mit Dir gleich' ich zuerst die Rechnung aus; dann kommt die Reihe an Junis, Abu Jschok und die Anderen. Das Schwert meiner Rache ist scharf genug, sich im Blut nicht abzustumpfen!"

Mit einem furchtbaren Schrei sprang Dibbeh auf und starrte in das von der Morgenröthe erleuchtete wahre Antlitz ihres erbarmungslosen Feindes.

Du willst mich tödten, Assad?"

Begreifst Du das erst jetzt, Elende?" rief er und packte in rasendem Wuthausbruch ihre Schulter.