Die Leibeigene von V. Ernst.
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„Dort geht der Urquell Deines Glücks," sprach sie, den hübschen Kopf mit einem muthwilligen Lächeln halb herumwendend.
„Möge er ziehen in Frieden!" versetzte diese, allerhand Stoffe und Etuis zurechtlegend.
„Nein, das soll er durchaus nicht, Rache muß sein! Ich habe mir schon ein Planchen sür ihn zurecht gemacht. Alle Grade meiner Tortur soll er durchmachen, das verspreche ich Dir."
„Dann überantworte ich ihn Dir. — Was gebe ich meinem lieben Vetter Konrad?"
„Nur nicht zu viel."
„Hundert Pfund, dachte ich."
„Bist Du von Sinnen? — Siebenhundert Thaler!
— Das würde ihn übermüthig machen, weiter nichts."
„Nun gut, — dann fünfzig!"
„Aber mein Himmel! Ich glaube gar, Schatz, Du bist erregt?"
Marie eilte herzu und sah der Freundin aufmerksam in die Angen.
„Ein wenig Coulissenfieber, weiter nichts," versetzte Elisabeth und lehnte ihr Haupt für eine Minute schwer an der Freundin Brust.
„Wir sind Zugvögel, Marie!"
„Und Du sehnst Dich nach Ruhe."
„Nach Ruhe und ein wenig Glück," versetzte Elisabeth schwermüthig. (Fortsetzung folgt.)
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Ueibeigene
Roman
von
G. Eimst
(Schluß.)
Fünfzehntes Kapitel.
achdem Dibbeh Carabet fortgesandt, war sie noch eine Weile auf ihrem Platze stehen geblieben und dann langsam, wie von mechanischen Gewalten gezogen, Schritt für Schritt aus den mächtigen Baum zugegangen, in dessen Schatten sich Assad barg.
Ihr Auge irrte noch im Dunkel, als schon neben ihr ein Mann vom Boden aufsprang, und eine harte Hand ihren Arm fest umklammerte, wie wenn sie Zur Gefangenen gemacht würde. Gleich daraus aber löste sich der heftige Druck, und das zitternde Mädchen fühlte sich nur noch fest und Zärtlich umschlungen, während sie zugleich tiefer in die Finsternisse hinein geleitet wurde, welche den erleuchteten Bezirk an dieser Stelle begrenzten.
Unter athemlosem Schweigen legten der Entführer und die Entführte eine ziemlich weite Strecke Weges Zurück, während hinter ihnen Licht und Schall all- mälig erblaßten und verhallten; endlich umgab sie inmitten dichten Gestrüpps, zwischen welchem sie nur mühsam weiterschreiten konnten, eine schwarze, stumme Einsamkeit.
„Raste einen Augenblick," flüsterte Dibbeh, deren Herz von unaussprechlichem Bangen überschwoll, und die sich sehnte, Assad's beruhigende Stimme zu hören.
„Weiter oben," entgegnete er schroff. „Hier sind wir vor Verfolgung nicht sicher. Jnschallah, ein gellender Schrei von Dir hetzte uns Deine Leute noch aus den Hals."
„Warum sollte ich schreien?" fragte sie betroffen. „Ich bin Dir ja freiwillig gefolgt."
„Das Herz des Weibes ist der Narrheit ergeben," bemerkte der Druse höhnisch, indem er seine Begleiterin weiter Zog.
„So sagtest Du einst Zn mir, Assad," murmelte sie befremdet, „als Du mir auf dem Felsgrat entgegentratest, von dem ich Steine in den Hasbany rollte."
„That ich das?" fragte er bitter. „Und glaubte dann doch an Deine Treue, Deine Wahrhaftigkeit! Jnschallah, so war denn mein Herz gleich dem einer Tochter des Ibis."
„Du sprichst," klagte Dibbeh, „als wäre ich eine Schuldige. Und doch versichertest Du mir noch diesen Morgen, daß Du mir nicht nachtrügest, was ich Dir wider Willen angethan."
„Ha!" lachte er, „wer hieß Dich, Närrin, den Worten eines Duruz trauen?"
„Assad," rief das bestürzte Mädchen, „wie wunderlich sind Deine Reden! Muß ich Dich an die Zärtlichen Gelübde erinnern, die wir tauschten? Sieh, im nächtlichen, einsamen Walddnnkel sehnt sich mein Langes Gemüth nach sanften Worten. Sag' mir, ich bitte Dich jetzt, daß ich Dir lieb bin."
Er packte sie fester und schleifte sie beinahe über das Geröll, welches jenseits des Waldes die Abhänge der Berge bedeckte, und auf das der bleiche, matte Mondstrahl siel.
„Vorwärts!" schrie er rauh, „und laß das Girren! Jnschallah, hier ist's hell genug, daß ich Dich schelten darf."
„Du bist mein Gebieter," flüsterte Dibbeh angstvoll und versuchte in seinem abgewandten Gesicht Zu lesen, „und mir kommt es zu, geduldig zu sein. Aber einst hast Du mich durch Güte verwöhnt, Assad, mir durch Fürsorge die Wanderung erleichtert."