Heft 
(1885) 33
Seite
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Deutsche Noman-Sibliothek.

gelernt; ja Letztere nöthigte ihr sogar ein Gefühl der Achtung ab, das arme, freudlose Mädchen. Ein Ge­danke fuhr ihr durch den Sinn; sie ärgerte damit zugleich den lästigen Geldmenschen an ihrer Seite.

"Well, Vetter!" sprach sie Zn diesem, als Karola Herzulrat,bei fröhlichen Festen liebe ich keine Ge­spräche über Geschäftssachen. Ah, da bist Du ja, meine Tochter . .. Ich danke Dir! ... Aber nun habe ich Dir den Orden fortgenommen und keiner von die Gentlemen ist so eourtow, Dir einen andern Zu bringen. Nun, sei still, ich will Dich halten schadlos. Du bist ein gutes, fleißiges Kind, ich muß Dich loben, Du hältst Deinen Hausstand fein in Ordnung."

Karola wurde ganz roth über dieses unverhoffte Lob. Etliche junge Herren eilten davon. Aber hie- mit war die Sache noch nicht zu Ende. Als wäre es nur ein Spielzeug, so gleichgültig löste die Tante eines ihrer Armbänder, einen schweren goldenen Reif, mit Brillanten und Smaragden von sehr hohem Werth, und reichte es der völlig sprachlosen Karola.

Nimm das, nimm, mein Kind es ist für Dich, für den Orden," drängte die Alte.

Aber Tante! . . . Ich bitte Dich .. . das ist ja viel zu schön und zu kostbar für mich!... Das ist nicht möglich!"

Der Onkel schnitt ein ganz verzweifeltes Gesicht, er hielt kaum noch an sich.

Sie schmeißt das Geld mit Händen fort, ich sage es ja," murmelte er wüthend in sich hinein.

Nichts ist zu kostbar für meine liebe Nichte," versetzte die Tante mit Würde und schob es eigen­händig dem freudig erschrockenen Mädchen auf ihren hageren Arm. Gleich darauf, als wollte sie ferneren Danksagungen aus dem Wege gehen, erhob sie sich und sagte leise:Führe mich an meine Thür ich wuill zu Bett gehen ohne Aufsehen."

Sie nickte Allen zu, stützte sich auf Karola und humpelte davon.

Gottvoll!" rief der Husar,wirklich gottvoll!"

Auf Ehre, ich bin ganz baff!" krähte der Kleine hinterher.Glaube, es war für mindestens zehntausend Thaler .. . bei meiner armen Seele!"

Mindestens!.. . Na, ich sage.. ."

Der Onkel Leopold war wüthend, er hielt kaum noch an sich. Er fand zum Glück alsbald einen Ableiter: in seiner Gegenwart wagte der Lieutenant seinem Kinde den Hof zu machen, den Cotillon mit ihr zu tanzeu, ja, sie mit solchen Augen anzusehend ... Kaum war die Tante hinaus, so eilte er auf das Pärchen zu uud hielt es mitteu im Walzer auf.

Diese wüste Art zu tanzen verbitte ich mir, Herr Lieutenant!" rief er grob.Ueberhaupt, was haben Sie mit meiner Tochter zu schaffend Hie­rher zu mir, Helene!... das soll ein Ende haben!..."

Helene erröthete nnd stand ganz beschämt und unschlüssig da: dieser Affront und so vor allen Leuten, sie wußte kaum, wo sie Hinsehen sollte. Anders machte es der Dragoner; dem ging dieses Mal denn doch die Galle über. Drohend hob er seinen Kopf und mit leuchtenden Augen stand er da, ohne Helenens Hand los zu lassen.

Ich bewege mich streng in den Grenzen des guten Tons das kann nicht ein Jeder von sich behaupten, Herr Onkel," versetzte er hochathmend.

Helene entzog ihm leise ihre Hand, der Kom- merzienrath wurde beinahe violett vor Zorn. Ein Exzeß wäre sicherlich erfolgt, hätte der Lieutenant nicht gar so entschlossen drein geblickt und wäre Marie ihm nicht Zu Hülfe gekommen.

Sie sind sehr garstig, mein Herr. Warum stören Sie uns die Festfreude?" sprach sie, neben Helene tretend.Herr von Steinfurt ist in seinem vollen Recht. Ich hoffe, Sie werden diese strenge Ordre zurücknehmen."

Es erfolgte ein kurzer innerer Kampf, der sich deutlich auf dem vollen Gesichte wiederspiegelte, dann aber platzte der Kommerzienrath brutal heraus:

Nein ich leid's nicht! Was noch Grob­heiten obendrein, ich wüßte nicht, was sich paßt?!... Komm'!..."

Ein kurzes, herausforderndes Nicken mit den: Kopf und er marschirte ohne Weiteres auf die Thüre zu. Es hinderte ihn Niemand. Helene folgte ge­senkten Hauptes.

Gute Nacht, verzeih' mir, ich konnte nicht anders!" flüsterte Egon ihr zu. Sie sah ihn an mit einem Blick voll Liebe und Kummer und hauchte: Gute Nacht!"

Das war kurz vor dem Ende des Festes. Um Mitternacht war Alles vorüber.

Gott sei Dank!" stöhnte der Präsident, als die letzten Gäste gegangen und die Lichter erloschen waren.

Siebenundzwanzigstes Kapitel.

So, das war das letzte Mal," sprach Elisa­beth, ganz in Schweiß gebadet, aus ihrer Ver­mummung sich frei machend,länger halte ich diesen Mummenschanz nicht mehr aus. Man ist selbst nicht besser wie die Anderen, man geht mit der Laterne und fraglich ist's, ob man selbst ein Mensch ist."

Du triebst es heute ein wenig arg, da wundert mich diese Fastenlaune," versetzte Marie, ihr helfend das Kleid auszuziehen und sie befreiend von dem leichten Gestell, welches sie unter demselben trug.

Elisabeth lächelte, halb noch belustigt über ihre Possen von heute Abend, halb nachdenklich und weh- müthig.

Es war mein letztes Debüt, Du weißt, da läßt man etwas draufgehen. Es packte mich eine Laune heute Abend, ein Uebermuth, ich weiß selbst nicht wie und warum; leid wäre mir's, wenn ich Jemanden verletzte."

Ei, ei!" rief Marie und drohte mit dem Finger. Ich meine, Du hast nun gefunden, was Du suchtest. Der Uebeunuth, es war die Freude, welche etwas ausgelassen zum Durchbruch kam. Leih' mir jetzt Deine Laterne, daß ich mir auch etwas suche."

Elisabeth lachte herzlich, aber sie wurde roth zu­gleich und umarmte ihre treue Gefährtin. In Wahr­heit, es sah seltsam aus in diesem Mädchenherzen, es war voll Lust und Weh, ja, es hatte ge­funden, was es suchte: als Rudolph ging heute, dq