Kinder der Flamme von Günther von Freibcrg.
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Hut gekommen zu sein wie eine Melkerin oder Wäscherin.
Das Kleeblatt sprach noch Allerlei über das stattgehabte Maifest. Peter war natürlich anwesend, lvo irgend eine Fiedel kreischte und ein Hackebrett klapperte, aber er tanzte nie; er fand es „apart", dieses Vergnügen zu verschmähen; er glaubte, es gehöre zum guten Ton, weil der junge Gutsherr, Lord Byron, nicht tanzte.
Polly bemerkte jetzt aus dem Fenstersims ein Paar sehr feingearbeiteter Mäunerschuhe mit Perl- mntterschnallen.
„Für wen sind denn die famosen Dinger dort?.
— Aber halt, Master Frick, schütten Sie doch nicht so unsinnig viel Zucker in den Wein, sonst kann ich ihn wieder nicht trinken! So! und nun noch ein bischen Zugießen, bitte! jetzt drei bis vier Tropfen Wasser; danke bestens! — und sagen Sie mir, für welchen Prinzen sabrizirten Sie die Schuhe dort, he?"
„Für den jungen Gentleman mit dem goldenen Kraushaar, der ans der Abtei zu Gaste ist —"
„Und vorgestern Abend die Miß May halb todt getanzt hat," vervollständigte Ralph.
„So? Für Den?" sagte Polly tonlos, vor Neid ganz gelb werdend.
„Das sind Schuhe, die nicht viele Waldpromenaden überstehen," fuhr der Kleine fort, dessen geradezu bedeutender Kops, der jedem Maler als Studie gedient hätte, so gar nicht zu seinem dürftigen Jusekten- körper passen wollte.
„Promenirt er denn so häufig im Walde?"
„Er soll ein spezieller Freund der Maiblümchen sein —"
Ein Husten Peter's schnitt Ralph's Mitthei- luugen ab.
„Mein Gott, Sie verschluckten sich, Master Frick," bedauerte Polly.
„Nein, er erstickt an einer Geschichte," ries der unternehmende Ralph.
Peter, feig und furchtsam wie alle klatschseligen Männer, entschlüpfte und verschwand in seine Werkstücke.
Nun waren Polly und der Kleine ungestört.
„So reden Sie für ihn, Herr Nachbar," befahl Polly, wie eine Riesenköuigin in dem Armsessel thronend, gnädig der Katze die Ohren krauend.
Ralph entgegnete schäckernd:
„Etsch, etsch! Umsonst ist der Tod!"
Polly warf ihm einen koketten Blick zu. Er wurde dreister uud sagte:
„Bewilligen Sie mir einen Kuß, mein Fräulein, eineil Kuß" in Ehren, — lind ich erzähle Ihnen die köstlichste Geschichte von der Welt."
„Sie sind unverschämt. .Hier ist meine Hand,
— küssen sie die!"
„Das wäre ein rechter Plunder! — Ein Kätzchen — oder Sie erfahren nie, was ich über May, Ihre Cousine, weitz!"
Polly spitzte ihre rosenrotsten Ohren; alle mädchenhafte Schüchternheit verschwand, alle Sorge, Peter oder ein Lehrbube könne durch das Schiebfensterchen der Tstüre sehen.
„Ralph!" Mit blitzenden Augen rief sie's, im
hellsten Tone, und er sah wirklich interessant aus in dem Augenblick, obschon Polly sich nicht verhehlte, daß seine Nase ein bischen zu lang war. „Na, denn!"
Und er nahm sich den Kuß und sie wunderte sich, daß ein Schnurrbärtchen gar nicht steche, es kitzelte nur ganz angenehm.
Solches gedenkend, neigte sie die mäßig erröthende Stirne auf das Fell der unaufhörlich schnurrenden Katze; triumphireud sagte Ralph:
„May, Ihre feine, dünne, zimperliche Stadtconsine, ist das Schätzchen jenes blonden Herrn, des Charles Mathews Esquire."
Mit einem Hechtfatz sprang Polly auf. Die erschreckte Katze flüchtete in einen Winkel, wobei sie einen Wasserkrug umwarf; es setzte Scherben, es gab Geklirr und Üeberschwemmuug, aber starr stand Polly, und Peter hütete sich, zum Vorschein zu kommen.
„Hinter dem Rücken meines Vaters und meiner Tante eine Liebschaft!" stöhnte Polly mit puritanischer Augenverdrehuug.
„Sagen Sie lieber: vor der Nase all' ihrer Wohlthäter," verbesserte Ralph, der May insgeheim haßte, weil sie niemals von ihm Notiz genommen hatte.
„Das ist frech," sagte Polly mit Würde.
„Unverantwortlich," machte der Kleine mit Emphase.
Ach, wäre nur der Neid, der furchtbare Neid nicht gewesen, so hätte sich Polly vor Entzücken nicht zu lassen gewußt, ja, sie wäre dem Angeber unbedenklich um den Hals gefallen. Aber sie selbst hätte ja ihre Seele dem bwoll geutlemnu (dem schwarzen Herrn)* verschrieben, wenn auch sie das Liebchen eines der jungen Kavaliere ans Newstead gewesen wäre! May, wehe dir!
„Denn ein Mädchen, das mit vornehmer Leute Kind in's Gerede kommt, findet nachher keinen Mann," fühlte Ralph sich verpflichtet zu bemerken.
„Versteht sich," nickte Polly. Aber das Wort „Mann" klang ihr brutal; seit sie im Uhrgehäuse gesteckt, spukten die „Herren" ihr im Kopfe.
„Master Ralph, haben Sie denn Beweise für Ihre Aussage?"
„Daran soll's nicht fehlen! Schon seit Wochen hat Peter Miß May und ihren Galan im Erlen- bruch lustwandeln sehen; ausgesagt hat er's heute erst —"
„Peter ist eine Schlafmütze —"
„St! er ist ganz in der Nähe! — Jedenfalls verfüge ich mich gegen Sonnenuntergang an den bewußten Ort —"
„Also deßhalb verschwand May regelmäßig um die Vcsperzeit unter dein Vorwand, Kreuzkraut für den Kanarienvogel Zu holen!!"
„Kommen Sie mit?" fragte Ralph gedämpften Tones.
„Ja," wisperte Polly.
„Dann seien Sie gegen sieben Uhr Abends unter den drei Buchen beim Ententümpel. Verstanden?"
* Tie in England gebräuchliche Bezeichnung für dln Teufel.