Heft 
(1984) 38
Seite
537
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grotesker Übertreibung wurzelnde Fehler ich hier wegsehe doch stellenweise bedeutender, origineller und lebensvoller, und nach einer Gestalt, wie die, mei­nem Dafürhalten nach, glänzend getroffene des Kommerzienrats Pietersen, wird man sich in Lindaus Buch vergeblich umtun. (vgl. ferner Jörg Thunecke: .Lebensphilosophische Anklänge in Fontanes Stine in Jörg Thunecke/Eda , Sagarra Eds: Formen realistischer ErzShlkunst. Festschrift for Charlotte Jolles (Nottingham: Sherwood Press 1979, S. 519/Anm. 66). Wesentlich kritischer war Fontane in einer unveröffentlichten Anmerkung vom August 1886 (zitiert in Josef Ettlinger (Hrsg.): Aus dem Nachlaß von Theodor Fontane (Berlin: F. Fontane 19081, S. 26869): Eine andere Schicht der Gesellschaft, Berlin W., oder noch richtiger das Finanz- und Geheimrats-Berlin einschließlich der Kommerzienräte und derer, die es werden wollen, hat bei Frenzei, Kretzer, Mauthner, Lindau eine Abspiegelung erfahren. Es fehlt all diesen Schilderungen etwas. Was? Was fehlt diesem Realismus? Vgl. abschließend ein Zitat aus Fontanes Tagebuch vom 29. April-15. Sept. 1886 (in Ernst Heilbom [Hrsg.]: Das Fontane-Buch [Ber­lin: S. Fischer 1919], S. 162):Mauthners Buch ist talentvoll und wenn es besser feiner, wahrer wäre, so ließe sich von einem guten Buch sprechen ... Bzgl. dem frühen Verhältnis zwischen Fontane und Mauthner vgl. die Einleitung zu dieser Edition bzw. Betz (4980), S. 26566:Das Verhältnis zwischen Mauthner und Fontane war nicht immer sehr erfreulich ... Es ist aber möglich, daß Mauth­ner Irrungen, Wirrungen deswegen nicht rezensiert hat, weil Fontane Ende 1886 den ersten Band von Mauthners Berliner Trilogie (Berlin W.) .Quartett (1886), den dieser übrigens den .Zwanglosen gewidmet hatte . .. öffentlich kritisierte. (vgl. dazu Frederick Betz: .Die Zwanglose Gesellschaft zu Berlin. Ein Freundes­kreis um Theodor Fontane in Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 27 [1976J, S. 86104; letztere These ist allerdings seit dem Aufflnden der Mauth- nerschen Rezension von Irrungen, Wirrungen durch Jörg Thunecke so nicht haltbar).

98 Diese Angabe stimmt in etwa mit der im Brief an seine Frau vom 30. 9. 1888 überein.

Nr. 7

99 D. h. die seit längerem angekündigte Rez. von Mauthners Roman Die Fanfare.

100 Fontanes Angaben sind hier nicht ganz präzise, da er (laut Brief an seine Frau vom 30. 9. 1888) die Rez. erst zu Anfang Oktober abgeliefert hatte.

101 Die Rez. erschien in der VZ am 24. 10. 1888 (vgl. Nr. 3, Anm. 72).

Nr. 8

102 Fritz. Mauthner: Schmock oder Die litterarische Karriere der Gegenwart. Satire (Berlin: F. u. P. Lehmann 1888); vgl. auch Mauthners Ausgewählte Schriften (1919), Bd. 2, S. 30337 bzgl. des Ausdrucks .SChmock; vgl. ferner Gustav Freytags Drama Die Journalisten (1854; 2. Aufl. 1887) sowie .Der Fall Meißner in Deutsch­land Jg. 1, Nr. 8 (vom 25. 11. 1889), S. 141-42.

103 Fontane hatte sich seit der Rückkehr vom Sommerurlaub im Riesengebirge erneut intensiv der Überarbeitung von Quitt gewidmet und warum Neujahr halb zu Ende damit; in den letzten Märztagen 1889 lag das Ganze dann fertig vor (vgl. Anm. von Peter Goldammer in Aufbau-Ausgabe, Bd. 5, S. 617, der aller­dings die Fertigstellung des Manuskripts einen Monat zu spät ansetzt [vgl. Fon­tanes Brief an Wilhelm Herz vom 9. 4. 1889 [Nr. 466]]; die Fahnen des Garten- lauben-Vorabdrucks lagen bereits zu Anfang Mai vor).

104 Fontanes Brief an Mauthner vom 20. 12. 1888 (Erstveröffentlichung durch Marianne Bonwit in DVJs 46 [19721 3, S. 469-72 unter dem Titel .Einige späte Briefe von Theodor Fontane an Fritz Mauthner und an den Pegnesischen Blumenorden [hier abgedruckt als Nr. 91; das Original befindet sich im Besitz von Herrn Dr. Eberhard Goldschmidt [Wien]).

105 Vgl. Schmock; in den satirischen Ratschlägen für den .candidatus litterarum bezieht Mauthner in der Tat in vielen Fällen Stellung zu den sogen.Schlachten des Jahrhunderts (im Bereich cles Literarischen): so u. a. zu Fragen der Taufe jüdischer Schriftsteller, der Allgemeinbildung (Vielseitigkeit), der Denkmal­pflege (bes. solcher von Literaten), zu den Triebfedern literarischer Tätigkeit (Hunger, Liebe, Eitelkeit), zur Problematik literarischer .Preisdrückerei, den Schwierigkeiten von Börsenliteraten, Memoirenschriftsteilem und Feuilletonisten (insbesondere Musik- und Kunstkritikern), Überzeugungs- und Lohnschriftstel- lem, sowie zu Fragen der Parteizugehörigkeit von Literaten.

106 vgl. Anm. 104 oben.