Heft 
(1984) 38
Seite
538
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Nr. 9

Die ersten sieben Zeilen aus Schmock (Kap. 1) lauten:j*° ^'^höfllche Men- sehen auch heutzutage noch in Gegenwart von Juden gern das Wort .Israe ite gebrauchen, während sie unter sich vor dem Ausdruck .Hebräer nicht zurück­schrecken, so wird der Litterat ins Gesicht ein .Schriftsteller*, hinter seinem Rücken wohl auch .Zeitungsschreiber* genannt. Die Anrede .Herr Doktor* deckt

sich mit allen diesen Bezeichnungen. _

Vgl dazu Fontanes Brief vom 23. 12. 1888 (Nr. 10), dem scheinbar ein Recht- fertigungsschreiben Mauthners vorausgegangen war.

109 Dr Preisdrücker ist eine Figur aus Schmock (S. 45-49; der Untertitel lautet: ,Das Freibillet des Dr Preisdrücker. Ein Berliner Roman mit glücklichem Ausgang): vgl. Bonwit (Anm. 6, S. 471):Th. F der .Theater-Fremdling* der .Vossischen Zeitung*, kannte das Gefühl des Theaterkritikers, dessen finanzielle Misere durch Freibillets nur notdürftig aufgewogen wird. - und dann waren es immer zu wenige Karten für Freunde und Familienmitglieder.

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110 Die zehn Gebote lauten (Schmock, S. 53-54):

1. Erwähne niemals die alten Meister, die du nicht kennst. Willst du modern heißen, so verachte sie einfach.

2. Bösartig werde nur gegen berühmte Künstler über sechzig Jahren. Junge hauen mitunter.

3 Sollte ein Künstler mit dir umgehen und dir seine unbefangenen Bemer­kungen über seine Kollegen mitteüen wollen, so setze dich mit ihm zu seiner Flasche Wein und lasse dir alles schriftlich geben. Du schreibst sonst Unsinn.

4 Hast du Zutritt in ein Atelier und wird dir eine Skizze ln die Hand gegeben, so halte sie nicht verkehrt. Denn wenn du dich erst einmal unsterblich lächerlich gemacht hast, bleibt deinem Verleger nichts anderes übrig, als dein Honorar zu verkürzen.

5. Du sollst nicht wörtlich abschreiben.

6. Schreibe und schweige. Uber Kunst schreiben kann jedermann; darüber verständlich reden ist schwer.

7. Eile mit Katalog und Bleistift immer dorthin, wo du die meisten Leute stehen siehst. War es aber vor dem Buffet, so ziehe dich wieder zurück, falls du keinen Freund bemerktest.

8. Lobe vorsichtig, schimpfe keck.

9. Verwechsle die Bilder nicht bei der Beschreibung und hüte dich namentlich Männer für Frauen und Seestücke für Gebirgslandschaften auszugeben. Andere Schnitzer bemerkt der Leser nicht so leicht.

10. Sei unklar

Als elftes Gebot setzt Mauthner hinzu (S. 54):Trachte alt zu werden. Hier - wie auch andernorts - hat Bonwit leider ungenau zitiert!

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Vgl. Schmock, S. 23:So hat sich neben dem Revolverjournalisten der Kanonen­journalist und besonders in Frankreich der Degen-Journalist entwickelt. Aber noch besser als das rohe Kriegerhandwerk wird die Universität mit ihrem Zer­fall in Fakultäten dem Vergleiche dienen können. Einst vor fünfhundert Jahren hatte die Universität den Namen eben daher genommen, daß ein jeder sie gefüllt mit der ganzen Bildung seiner Zeit verließ, um dann die erworbenen Kenntnisse als Lehrer, als Richter oder als Prediger zinsbar zu machen. Unser praktisches Jahrhundert denkt nicht mehr daran, einem jungen sogenannten Doktor die gesamte Bildung zuzumuten, woher es denn auch kommt, daß so viel mangelhaft gebildete Doktoren von der Universität ins Leben zurückkehren."

Vgl.Schmock, S. 42-42:Wer einmal zugesehen hat, wie ln der Nähe eines Ameisenhaufen eine tote Maus entdeckt wird, und wie nun unzählige Scharen von Ameisen hervorbrechen und sich auf die Beute werfen und sie mit ihren Körpern verhüllen, bis anstatt des Beutestückes nur noch Amelsen zu sehen sind, der hat ein prächtiges Bild der feuilletonistischen Karriere geschaut.

Bei Bonmit nicht ermittelt (vgl. DVJs, S. 471, Anm. 10); vgl. dazu jedoch die typische Box-Haltung des englischen Faustkämpfers Charlie Mitchell (gest. 1918); die Encyclopaedia of Boxing (Ed. Maurice Golesworthy, London: Rob. Haie 1960, S. 146-47) bezeichnet Mitchell als einengame little fighter, der am 14. Mai 1803 gegen den damaligen Weltmeister John L. Sullivan antrat (vgl dazu Nat Fleischer: John L. Sullivan. Champion of Champions (New York: Putnams 19511, S. 75) und dem es als erstem Boxer gelang. Sullivan zu Boden zu schlagen, obwohl er anschließend den Kampf doch noch durch KO verlor; ein Rückkampf ta ?i März 1888 auf dem Gut des Barons Rothschild in Chantilly/Frank­

reich (während Sullivans Europa-Tour) statt: der Kampf dauerte 39 Runden und endete unentschieden, da er wegen schlechter Lichtverhältnisse abgebrochen werden mußte, vgl. dazu folgenden Bericht (unter der ÜberschriftThe Inter­national Fight*) der englischen Tageszeitung *1116 Daily Telwaph Nr 10235 vom 12. März 1888, S. 2:At the onset it looked 8 as though the AmeUcan was gom^