daß er „Anti-Matkowsky" sei und seine ganze Spielweise für eine Verirrung halte, allerdings zugestehen muß, daß der 2. Akt noch nie so gespielt worden sei: „Herr Matkowsky gibt hier ein Maß von Glut und Stimme, von Leidenschaft und Sinnlichkeit, dessen Wirkung sich der keines Überfalls gewärtige Zuschauer sicherlich nicht entziehen kann am 7. 0. 1889 stand dann der Name Mat
kowsky zum erstenmal ohne den Zusatz ,als Gast“ auf dem Theaterzettel (das Engagement war allerdings bereits im Dezember 1887 durch den Intendanten der Hofbühne, Graf Hochberg, vertraglich abgesichert, jedoch damals noch nicht publik gemacht worden, wobei ausdrücklich auf das zunehmende Alter Maximilian Ludwigs hingewiesen wurde [Schreiben an den Kaiser]); da Fontane in persönlichem Verkehr mit Ludwig gestanden hat. den er als Schauspieler und Mensch sehr schätzte, mag ihn dessen widerstandslose Absetzung von bestimmten Hollen irritiert haben (vgl. die folgenden Anm. 126 und 127).
126 Kodrigo Diaz (gest. 1099), berühmter span. Nationalheld im 11. Jahrhundert, der sowohl gegen Christen als auch Mauren in Spanien kämpfte und aufgrund seiner Mischung von kriegerischen Heldentaten bzw. verschlagener Politik bekannt wurde: die Mauren gaben ihm den Beinamen El Seid (= Cid) von arab. sayyid — ,Herr‘; die Spanier betitelten ihn ,E1 Campeador“ (= .Kämpfer“); vgl. dazu auch Elfi Briest, Kap. 8 (Aufbau-Ausg.. Bd. 7, S. 67): „Gieshübler hätte nun am liebsten gleich eine Liebeserklärung gemacht und gebeten, daß er als Cid oder wenigstens sonst ein Campeador für sie kämpfen und sterben könne." Das ,Cid‘-Thema war zu Ende des 19. Jahrhunderts populär; Jules Massenet (1842-1912) schrieb u. a. eine Oper ,Le Cid“ (1885), die den zeitgenössischen Modegeschmack widerspiegelte; es konnte allerdings nicht festgestellt werden, ob dieses Musikstück (z. B. an der Hofoper) zu dieser Zeit zur Aufführung gelangt ist.
127 Moriscos waren getaufte Mauren, die nach Beseitigung der arabischen Herrschaft in Spanien (.Reconquista“) in Spanien verblieben waren und zumindest äußerlich das Christentum angenommen hatten; vgl. dazu auch Fontanes Rez. einer Othello-Aufführung vom 7. 12. 1880 (VZ Nr. 342 vom 9. 12. 1880; wiederabgedr. in NyA, XXII/1, S. 952): „Im allgemeinen sind wir daran gewöhnt, den Mohren, in leisem Hinblick auf die gut venezianischen Moros oder doch höchstens auf die spanischen Moriscos, in einer gewissen Abschwächung gespielt zu sehen . . . “
128 Hierbei handelte es sich um den ll. April 1889.
129 Vgl. Anm. 121 zu Brief Nr. 11 vom 2. 4. 1889.
Nr. 13
130 Vgl. obigen Brief Nr. 6 vom 23. 9. 1888.
131 ln den frühen Ausgaben von Xanthippe ist S. 10 noch ein Teil der Einleitung.
132 Die Novelle Stine, zu Anfang 1890 in der von Mauthner herausgegebenen Zeitschrift Deutschland im Vorabdruck erschienen (vgl. dazu Anm. 168 zu Brief Nr. 18 vom 14. 8. 1889); bzgl. des Vorabdruckes vgl. ferner Jürgen Jahns Anm. in Bd. 5 der Aufbau-Ausgabe (S. 588-89), die allerdings angesichts vorliegender Korrespondenz revisionsbedürftig sind, sowie Thunecke, a. a. O., S. 508-10 und S. 519 (ibid Anm. 59).
133 Vgl. hierzu Fontanes Brief an Paul Schlenther vom 22. 6. 1888 (HA, iii, Nr. 589, 618), worin die Rücksendung des Sttne-Manuskripts bestätigt und der „Nicht- Abdruck in der VZ erörtert wird.
134 Bereits in seinem Begleitbrief vom 4. 6. 1888 an Schlenther sprach Fontane von der „höchst fragwürdigen ,Stine““ (HA, III, Nr. 582 , 609), und am 22. 6. 1888 (s. o.) ironisierte er das „sittliche Hallo“ der Familie Müller, Mitbesitzer der VZ (S. 618); auch am 2. 10. 1888 sprach Fontane in einem Brief an seine Frau (Propyläen, I, Nr. 210, 349) noch von ..unsittliche [n] Novellen“, die am besten im Kasten blieben.
135 Vgl. den in Anm. 133 erwähnten Brief an Paul Schlenther vom 22. 6. 1888.
136 Zu Fragen der Heuchelei, konventioneller Lügen und moralischer Entrüstung im Zusammenhang mit dem Vorabdruck von Irrungen, Wirrungen vgl. insbes. Fontanes Brief an seinen Sohn Theodor vom 6. 9. 1887 (HA, III, Nr. 530, 559—60); nach dem Debakel mit diesem Vorabdruck in der VZ wiesen selbst Fontane freundlich gesinnte Herausgeber von literarischen Zeitschriften (wie Emil Dominik für Zur guten Stunde, Joseph Kürschner für Vom Fels zum Meer, ganz abgesehen von Friedrich Stephany, dem Chefredakteur der VZ) den Vorabdruck von Stine zurück (vgl. dazu auch Stephanys Brief an Fontane vom 27. 7. 1887 [Propyläen, IV, Anm. zu Nr. 197, S. 247-48], worin es u. a. heißt: „Und was Ihre Novelle [Irrungen, Wirrungen/die Hrsg.] betrifft, so habe ich uns beide in bezug auf Frau Lessing sichergestellt. Ich sprach mit Lessing darüber und gab ihm Kapitel 11, 12 und 13 zu lesen. .Mein Gott, sagte er, was ist da weiter; daß zwei Leute miteinander schlafen gehn, ist doch am Ende so schlimm nicht“ Das wollte ich; diese Stimmung für Ihre Novelle hatte ich vorher bei ihm vorzubereiten gesucht. Nun hat er die Sache bei seiner Frau zu vertreten und muß als unser Anwalt bei ihr, falls Skrupel bei ihr auftauchen sollten, eintreten.“).
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