Heft 
(1984) 38
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sonderbar erscheinen dürfte, aber zweifellos einer großen Anzahl auf­strebender Maler zum Broterwerb verhalt. Wenn wir auf den deutlichen und ungeschickten Gebrauch der Kopie von TintorettosAdultera 14 in Fontanes erstem Berliner Roman zurückblieken, müssen wir staunen über das subtile und oft verschleierte Gewebe künstlerischer Anspielungen in seinen späteren Meisterromanen, eine Tendenz, die in Effi Briest und im Stechlin ihren Höhepunkt erreichte. Die Fähigkeit, im hohen Alter geistig zu wachsen und sich künstlerisch zu entwickeln, die Fontane zwischen seinem sechzigsten und neunundsiebzigsten Lebensjahr entfaltete, erregt Erstaunen und findet ihresgleichen vielleicht nur in Goethe.

Anmerkungen

1 Conrad Wandrey, Theodor Fontane, München, 1919, S. 77.

2 Bde. XXII,1 und XXIII,2 der Sämtlichen Werke, München, Nymphenburg, 1970.

3 In: Fontanes Realismus. Wissenschaftliche Konferenz zum 150. Geburtstag Theo­dor Fontanes ln Potsdam. Vorträge und Berichte, Berlin, Akademie Verlag, 1972,

4 Peter-Klaus Schuster, Theodor Fontane: Effi Briest - Ein Leben nach christlichen Bildern. Studien zur deutschen Literatur, 55, Tübingen, Niemeyer, 1978.

5 D. C. Riechei.Fontane and the Fine Arts, bisher unveröffentlichter Vortrag gehalten anläßlich der Jahresversammlung der M. L. A. in New York am 28. Dez. 1981. S. 6.

0 Sämtliche Werke hrsg. von Walter Keitel, München, Hanser, 1966 f., V, S. 132. Weitere Bezüge in Klammern im Text mit Band- und Seitenzahl.

7 Der Name ruft die moralische Kraft von Teils Frau in Schillers Drama wach.

8 Percy H. Bäte. The English Pre-Raphaelite Painters, London 1899, S. 36. Ein farbiger Druck des Bildes findet sich in Geoffroy Millais: Sir John Everett Millais, London. Academy Edltions, 1979, S. 86.

8 Basiert auf allgemeinen Prinzipien desNew Criticism und auf der Fähigkeit, die Dichtungen besitzen, gleichzeitig mehrere Interpretationen zu umfassen.

io Academy Exhibition 1832. Jetzt in der Tate Gallery. London. Es scheint, daß dieses Bild nicht hoch geschätzt wird und daß es bisher nicht farbig gedruckt wurde. Auf Schwarz-Weiß ist es schwierig, dasGroßartige darin zu erspähen. Das farbige Lichtbild, das die Tate Gallery für mich hat machen lassen, läßt etwas vom Turnerschen Zauber durchscheinen.

11 E. Sagarra,.Eingepökeltes Rindfleisch oder Spargel und junges Gemüse? The Christian Social Background to Fontanes Stechlin in Formen realistischer Erzählkunst. Festschrift for Charlotte Jolles, hrsg. von J. Thunecke, Nottingham, 1979. S. 577-586.

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Vgl. nicht nur die oben schon erwähnten Wahlverwandtschaften, sondern auch die christlichen Bilder und Symbole im Epilog zu Faust:Bergschluchten.

Siehe z. B. Thomas Manns Geständnis, daß Professor Weigand vieles im Zauber- ierg zutage gebracht hat. darunter manches, das ihm (Thomas Mann) unbewußt feblicben wäre, wenn Weigand seine Entdeckungen nicht ,veröffentlicht hatte. /ortrag für Studenten der Princeton University, gedruckt als Einleitung in Der tauberberg. Stockholm, Fischer, 1950; auch auf Englisch in Atlantic Monthly, 4d 191 (Jan. 1953), S. 41-45.

Me Tauache, daß die Zuschreibung dieses Blld ® s z n ^ n Ä^ u Ä a S2°G?m«des etzt in Frage gestellt wird, ändert nichts an Fontanes Gebrauch des Gemäldes

m Titel und Thema seines Romans.

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