Heft 
(1890) 02
Seite
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Menschen abzuwischen vermochte. Ich triumphirte hier als ein einfacher britischer Privatmann über Könige und ihre Heere und jede Vergleichung machte mich stolzer."

Zu Ehren Bruces wurde in England eine Medaille geschlagen, auf welcher ein weiblicher Genius die Hülle von dem Haupte des Flußgottes hebt, während die Inschrift lautet:Niemand war es bis jetzt gelungen, dieses Haupt zu schauen!" Es fanden sich auch Kritiker, welche das Verdienst Bruces nicht an­erkennen wollten. Außerdem blieb lange Zeit unentschieden, welcher der beiden Flüsse, der Weiße oder der Blaue Nil, der Hauptarm des Nilstromes sei.

Die Frage kam voll neuem in Fluß, als zu Anfang dieses Jahrhunderts die ägyptischen Paschas den Nil entlang auf Er­oberungen auszogen. Längs des Stromes wurden türkische Forts errichtet und eines derselben, gerade an dem Zusammenflüsse der beiden Nilarme, Chartum, schwang sich scholl im Jahre 1830 zu einer Handelsmetropole von Nordostafrika empor. Im Jahre 1838 besuchte Mehemet-Ali seine neugewonnenen Länder. Als er den gewaltigen Weißen Nil erblickte, begann er sich von neuem für die uralte Frage des Onxnt Mi zu interessiren, und da er hörte, daß die weiterhin nach Süden gelegellen Länder nicht nur an Elfenbein, sondern auch all Gold reich sein sollteil, beschloß er, Expeditionen zur Erforschung des Weißen Nils und seiner Nebenländer auszurüsten. Alle diese Unternehmungen erreichten nicht das gesteckte Ziel und kamen über den 40 n. Br. nicht hinaus. Die Nachrichten aber, welche über den ägyptischen Sudall verbreitet wurden, lockten nicht nur Naturforscher, sondern auch Händler dorthin; ein Strom von Elfenbeinhändlern, die später Räuber und Sklavenhändler wurden, bemächtigte sich des unglück­lichen Landes. Es waren das Leute, mit denen später Gordon und Enlin zu kämpfen hatten.

Dell Fluß hinauf sollte man jedoch die Nilquellen nicht entdecken; auf einem anderen Wege wurde das uralte Räthsel gelost.

Deutsche Missionäre, die in englischeil Diensten in Mombasa all der Ostküste voll Afrika thätig waren, brachten die über­raschende Kunde von schneebedeckten Bergen, die sie in Aequatorial- afrika entdeckt hatten. Der Kilimandscharo und der Kenia be­stätigten die Angaben des Ptolemäus von den Schneebergen all den Quellen des Nils und außerdem berichteten Krapf, Rebmann und Erhardt, daß sie von arabischen Handelsleuten, die mit dem Innern bekannt wären, Mitteilungen von einem oder mehreren großen Seen erhalten hätten. Erhardt fertigte sogar eine Karte dieser Seen all, die in den Verhandlungen der Königl. Gevgraphi- j scheu Gesellschaft zu London 1856 veröffentlicht wurde.

Dieser Anregung folgten die Forschungsreisenden Burton uild Speke und erblickten und entdeckten am 13. Februar 1858 den Tauganikasee. Während nun Burtoil nach verschiedenen Fahrten auf dem See, dessen Ende nicht erreicht wurde, auf seineil Lorbeeren ausruhte, unternahm der ihm untergebene Lieutenant Speke auf eigene Faust einen Forschungszug nach Norden. Am 30. Juli 1858 kam er an das Südende eines Sees, welchen die EingeborenenNyansa", d. h. See, die AraberUkerewe" nannten. Voll einem 200 Fuß hohen Stand­punkt überblickte er nothdürftig die ungeheure Wasserfläche und war fest überzeugt, daß der See zu seinen Füßen die Geburts­stätte des Nilstromes sei. Er kehrte zu Burtoll zurück, dieser aber trat seltsamerweise der Meinung seines Untergebenen nicht bei, erklärte vielmehr, daß der See, den Speke Viktoria Nyansa getauft hat, nur aus einer Reihe voll Tümpeln und Teichen bestehe, und vertrat diese Ansicht auch nach der Rückkehr nach Europa aufs leidenschaftlichste. Die OeoKraxllieal Loeiet^" entsandte

infolge dessen Speke zum zweitenmal nach Afrika, und dieser trat ill Begleitung Grants die denkwürdige Reise an, auf der er durch die Gebiete, die heute Deutsch-Ostafrika bilden, an den Kitangele, den mächtigsten westlichen Zufluß des Ukerewe, und an diesen selbst gelangte. Er befand sich hier im Gebiete Mtesas, des mächtigen Herr­schers von Uganda, an dessen Hofe er allerlei Erlebnisse zu besteheil hatte. Es gelang ihm jedoch, sich den Durchmarsch nach Norden zu erzwingen, und am 21. Juli 1862 stand er endlich am Ufer des Nils und erreichte die Stelle, wo dieser den großen Nyansa bei den Riponfällell verläßt. In seinem Tagebuch schildert Speke den denkwürdigen Augenblick wie folgt:Wir waren gut belohnt; denn die Meines wie die Waganda die Fälle nennen, waren

^ weitaus der interessanteste Allblick, den ich in Afrika entdeckt habe. ! Alle meine Leute rannten sofort, sie zu sehen, obgleich der Marsch ^ lang und ermüdend gewesen war, und selbst mein Skizzenstuhl kam in Thätigkeit. Obgleich sehr schön, so war die Skizze doch nicht so, ^ wie ich erwartet hatte, denn die breite Fläche des Sees war durch ! einen Bergausläufer voll der Allsicht ausgeschlossen und die un ! gefähr 12 Fuß hohen Fälle, 400 bis 500 Fuß breit, waren durch ! Felsen gebrochen. Doch war es ein Anblick, der stundenlang fesseln ! konnte. Das Getöse des Wassers, die Tausende von wandernden ! Fischen, die mit aller Gewalt aus den Fällen heraussprangen, die Wasoga- und Wagandafischer, die mit ihren Booten heraus- kamen und sich auf den Felsen mit Rutheil und Haken postirten; die Krokodile und Hippopotamus, die schläfrig aus dem Wasser lagen; die Fähre, die oberhalb der Fälle im Gange war; Rinder, die zum Trinken an den Rand des Sees getrieben wurden: dies alles zusammen mit dem hübschen Rahmen des Landes kleinere mit Gras gegipfelte Berge und Bäume in den Ein- senkungen und Gärten all den unteren Abhängen machte das Bild zu einem so interessanten, wie mall es nur zu sehen wünschen konnte.

Der Zweck der Expedition war nun erreicht. Ich sah, daß der alte Vater Nil ohne Zweifel in dem Viktoria Nyansa ent­springe, und daß, wie ich vorhergesagt hatte, jener See die große Quelle des heiligen Flusses sei."

In Unjoro brachte Speke ill Erfahrung, daß sich im Westen noch ein zweiter See befinden solle, war aber verhindert, dem Lauf des Nils zu folgen, und wandte sich direkt nach Norden. Am Weißen Nil traf er mit dem ihm entgegengesandten Baker zusammen und veranlaßte ihn, weiter nach Süden Vvrzudringen. Der Erfolg dieses Zuges war die Entdeckung des kleineren Sees Luta oder Muta Nsige, welcher zu Ehren des Gemahls der Königin Viktoria der Albert Nyansa genannt wurde. So wurden die Nilseen entdeckt, und wenn auch die Schneeberge des Kilimandscharo lllld des Kenia dem Quellgebiete des Nils ihre Hauptwasser nicht zusandten, so fand man etwas, was auch an die Mondberge der ^ Alten erinnerte: das Land Unyamwesi in dem Seengebiet bedeutete I ill der Landessprache das Mondland. Die Einzelheiten waren allerdings noch nicht klar, die Größe der Seen war nicht einmal annähernd bestimmt; Livingstone hatte indessen westlich vom Tanga­nika einen neuen Riesenstrom, den Lualaba, entdeckt, und bis Nyangwe verfolgt. Von dort floß dieser nach Norden. War auch dieser ein Quellfluß des Nils?

Zur Lösung dieser Frage wurde der durch die Auffindung Livingstones berühmt gewordene amerikanische Journalist Henry M. Stanley ausgesandt. Auf seiner großen Reise durch den dunklen Welttheil 18741877 stellte derselbe bekanntlich fest, daß der Lualaba der Kongo sei. Was die Nilquellen anbelangt, so bestätigten seine Untersuchungen zunächst die Richtigkeit der Entdeckungen Spekes, die durch Stanleys Aufnahmen vervollständigt wurden. Zum ersten Male wurde von ihm der Viktoria Nyansa umsegelt lind als der größte See Afrikas erkannt. Unter den dunklen Punkten, die noch nach dieser Expedition über die Quellen des Nils übrig blieben, war namentlich einer von hervorragender Bedeutung, der Albertsee, über dessen Ausdehnung keine genaueren Nachrichten Vorlagen.

Um diesen zu erforschen, sicherte sich der kühne Reisende den Beistand des Königs Mtesa von Uganda. Ta die Bewohner um den Muta Nsige sehr kriegerisch waren, erwirkte er sich voll Mtesa ein Begleitcorps von 2000 Mann, mit dem er in Uzimba einrückte. Er kam glücklich an den See.Er lag wie eine ungeheure Spiegel­fläche, ruhig und blau, unter uns, nur an der Küste bemerkte man eine schmale, weißliche, von der aufspritzenden Brandung gezeichnete Linie. Die gegenüberliegende Küste war der hohe Bergrücken voll Usongora, der nach meiner wegen Unklarheit der Atmosphäre etwas unsicheren Schätzung ungefähr 23 ünr entfernt lag." Mehr konnte Stanley von dem See ans eigener Anschauung nicht berichten, da die Eingeborenen ihm eine Kriegserklärung überbrachten und die Soldaten Mtesas, sowie die der Expedition zum Rückzug drängten. Bon einer Anhöhe hatte Stanley nördlich von dem Muta Nsige einen etwa 4500 in hohen Berg erblickt, den er Gordon Bennett nannte, und außerdem eigenartige Nachrichten von dem gebirgigen Lande Gambaragara und dessen Einwohnern gesammelt. Hier find die Wohnsitze der hellfarbigen Völker, deren Hautfarbe ursprüng­lich weiß war. Die Raffe ist zwar sehr heruntergekommen, die