Heft 
(1890) 02
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jüngste Durchforschung des Landes verspricht jedoch interessante anthropologische Aufschlüsse.

Zu derselben Zeit wurde im Norden der Albertsee voll Romolo Gessi, einem der Offiziere Gvrdons, umfahren und viel kleiner, als man glaubte, gefunden. Stanley hatte somit in Er­fahrung gebracht, daß zwischen dem Tanganika und Albertsee noch ein anderer See vorhanden sei, welcher von null als der Muta Nsige auf den Karten verzeichnet wurde, bis ihn Stanley neuer­dingsAlbert-Edwardsee" taufte.

Seit Stanleys Anwesenheit am Muta Nsige im März 1876 hat kein Europäer jene Gegend besucht und es blieb unentschieden, in welchen Strom sich der Muta Nsige entleere, in den Nil oder in den Kongo. Emin hatte zwar am Südende desselben einen Zufluß, den Kakibbi entdeckt, glaubte aber, daß dieser Fluß von den Bergen von Usongora komme. Aus seinem Zuge zu Emin Pascha entdeckte Stanley zwischen dem Al­bertsee und Muta Nsice einen neuen hohen, mit ewigem Schnee bedeckten Berg, deu Ruwenzori, und in seinen Briefen, die er aus Jnnerafrika durch Ver­mittlung Tippu-Tips nach Europa gesandt hatte, war er nach seinem ersteil Auf­enthalte bei Emin der Meinung, daß eben wegen dieser hohen Berge zwi­schen den beiden Seen keine Verbindung bestehe und der Muta Nsige dem Kongvbecken zuzuzählen sei.

Erst als Stanley mit Emin den Rückzug antre- ten mußte, nahm er den Weg über jenes Gebirgs- land zwischen den bei­den Seen und null be­gannen die überraschenden Entdeckungen. Es wurde der Kakibbi oder Semliki verfolgt und als Verbiu- dungskanal zwischen dem Muta Nsige und Albert Nyansa erkannt. Gegen fünfzig Flüsse, die von den Bergen kommen, füh­ren ihm große Wasser­massen zu, und die Berge des Ruwenzori, die schnee­bedeckte Gipfel haben, sollen in der Sprache der Eingeborenen wirklichMondberge" heißen!

So haben wir endlich nach Jahrtausende langer Forschung die südwestlichsten Quellen des heiligen Stromes entdeckt und das bestätigt gefunden, was die alten Geographen berichteten. Was noch zu thun übrig bleibt, das ist nur die Feststellung von Einzelheiten. Das allein stempelt die jüngste Expedition Stanleys zu einer der denkwürdigsten aller geographischen Reisen. Allem Anschein nach wird aber auch die Anthropologie von ihr großen Nutzen ziehen. Das wilde Zwergvolk, von dem schon Homer gesungen und voll dem uns Schweinfurth die erste sichere Kunde gebracht hat, war bis jetzt nur als ein nomadisirender Jägerstamm bekannt, der auch im süd­lichen Kongobecken anzutreffen war. Stanley hat in den Wald­wildnissen des Aruwimi gegen 150 Dörfer dieser Zwerge berührt llnd deren Geschicklichkeit im Pfeilschießen bitter empfinden müssen. Die Leute Emins erkannten in ihnen dieAkkas" Schweinfurths, die Zwerge selbst aber nannten sichBatua" ebenso wie die Zwerg- stämme, die in den Waldwildnissen des südlichen Kongobeckens leben!

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Den düstern Urwäldern von Uregga, die wir aus den Schilde­rungen Stanleys auf seiner ersten Kongofahrt kennen, steht jetzt der Wald vom Aruwimi zur Seite. Stanley schildert ihn in einem seiner Briefe:Stellen Sie sich einen dichten Wald Schottlands vor, der das Unterholz eines Hochwaldes voll 30 bis 45 in Höhe bildet, ein unlösbares Gewirr von Dornsträuchen, in welches niemals das Sonnenlicht dringt; Bäche, die träge in dem Schilf dickicht dahiufließen; von Zeit zu Zeit einen Lieferen Strom. Stellen Sie sich vor, diese wunderbare Vegetation in den verschiedenen Epochen ihrer Entwickelung in üppigem Wachsthum oder düsterm Zerfall; die jungen frischen Lianen einen todteu Riesen des Waldes umschlingend.... Das Summen allerlei geflügelter Insekten begleitet

das Geschrei der Affen und der Vögel. Von Zeit zu Zeit zeigt sich eine Herde Elefanten und ver­schwindet sofort in den Tie­fen des Waldes. Manch­mal lauert ein häßlicher Zwerg in dem Dickicht und schnellt gegen uns den vergifteten Pfeil ab, oder ein athletischer Ein­geborener steht da, mit erhobenem Speer, unbe­weglich wie eine Bild­säule und verfolgt un­fern Marsch mit stummen Blicken. . . . Strömender Regen, eine unreine, Fie­ber und Ruhr erzeugende Luft und die Nacht, die ewige Nacht, die uns wie ein Mantel umhüllt.... Das war der Schauplatz unseres Daseins während fünf Monate!"

Auf dem ersten Marsche durch diesen Wald verlor Stanley die Hälfte sei­ner Mannschaft, und die Schwierigkeiten und Kämpfe, die er zu besteheil hatte, als er seinen Nach­trab mit den Munitions- vorräthen wieder nachdem Albertsee führte, sollen die größten gewesen sein, die er auf seinen Reisen erlebt hatte. Doch dieEiuzelheiten dieses Zuges sind ja durch die Tagespresse zur Ge­nüge bekannt. Emins Pro­vinz, ein Bollwerk der Kultur, ist gefallen, aber wir können uns aufrichtig freuen, daß die tapferen Männer aus dem Herzen Afrikas wohlbehalten die Küste erreicht haben und daß Emin sich von den Folgen des schweren Sturzes wenn auch langsam erholt. Aus Stanleys Berichten erkennen wir, daß die arabischen Sklavenjäger den Aruwimi entlang immer weiter sengend und mordend gegen den Albertsee Vordringen, und so werden die Aegypter, die noch im Sudan geblieben sind, bald aufgerieben werden. Vielleicht haben sich schon heute die Araber des Nordens und des Südens die Hand gereicht und herrschell unumschränkt voll den Grenzen Aegyptens bis zum Nyassa- see. In der Nähe des Mondgebirgs ist ein herrliches Land ent­deckt worden, Weiden, deren Anblick die amerikanischen Hirten mit Neid erfüllen würde. Leider ist nur der Augenblick, in welchem dem Entdecker der Kulturträger folgen könnte, in unbe­stimmte Fernen entrückt! In den Annalen des mellschlichen Wissens wird aber diese Expedition unvergeßlich bleiben, denn durch sie ist die Arbeit voll Jahrtausenden gekrönt voll demHaupt des Nils" der letzte Schleier gehoben worden.