Heft 
(1890) 02
Seite
35
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Gewitter auf dem Sonnötick. Unsere Leser kennen aus der Schilderung I)r. H. I. Kleins (vergl. Jahrgang 1888, S. 717) die Wetter­warte auf den: Sonnblick. Aus der Fülle der merkwürdigen Beobach­tungen, die dort angestellt worden sind, möchten wir nur eine, die Be­obachtung von Gewittern in jenen hohen Regionen, heransgreifen. vr. Wilhelm Trabert, der sich während des Sommers 1889 als Assistent vr. Perntners eine Zeitlang auf dem Sonnblick aufhielt, hat darüber Mittheilungen in derMeteorologischen Zeitschrift" veröffentlicht. Nach seiner Schilderung fehlt der Eindruck, den sonst ein Gewitter macht, auf dem Sonnblick fast vollständig; man sieht keine dunklen Wolken herannahen, man hört nicht wie sonst schon lange vorher den Donner, man fühlt keine Gewitterschwüle. Man würde auch über den ersten Blitzschlag höchlichst überrascht sein, wenn sich nicht auf der Wetterwarte ein Warner befände. Dieser Warner oder Ankündiger des Gewitters ist der Fernsprecher. Dieser giebt schon zeitig in der Frühe fast vollkommen verläßliche An­zeichen eines erst nachmittags eintretenden Gewitters. Während sonst vormittags nur ein schwaches Knistern in dem Fernsprecher zu hören ist, wird dasselbe nun schon am Morgen sehr deutlich vernehmbar und steigert sich von Stunde zu Stunde, sehr oft zu einem so heftigen Krachen, daß eine Benutzung zur Unmöglichkeit wird. Das Ueberspringen von Flinken an den Blitzplatten, häufig auch von selbst erfolgen­des unregelmäßiges Läuten der Glocken giebt das Zeichen, daß der Fernsprecher ausgeschaltet werden muß. Das Haus hüllt sich in Nebel und das Gewitter bricht los; Graupeln und Hagel­körner fliegen gegen die Fenster, und meistens schlägt es in einen der Blitzableiter ein. Der Donner ist dabei, verglichen mit dem in der Ebene, äußerst schwach, dagegen wird nach dem Einschlagen des Blitzes das Haus so heftig ge­schüttelt, als ob ein Erdbeben stattfände. Einmal erfolgte sogar eine Entladung ohne Donner. Als vr. Trabert am 14. Juli abends gerade am Fenster stand, ging eine riesige Feuersäule un­mittelbar vor demselben nieder, begleitet von einem prasselnden Geräusch,etwa so, als ob etwas vom Dache herabgeschüttet würde". Stehen jedoch die Wolken besonders hoch über dem Sonn­blick, dann folgt auf den Blitz auch ein stärkerer Donner.

Eine häufige Erscheinung auf dem Sonnblick ist das Elmsfeuer, und von dem schönsten, welches I)r. Trabert beobachtet hat, giebt er uns folgende Schilderung:Nach einem Gewitter, während es noch ein wenig regnete, trat negatives Elmsfeuer ein. Das Haus war nicht bloß an den Spitzen, sondern auch an den Wänden mit leuchtenden Punkten besetzt; der Blitzableiter, die eisernen Verankerungen des Hauses, das Schalenkreuz des Windmessers, alles leuchtete; die Fahnenstange war vollständig in Feuer eingehüllt. Wenn man etwas entfernt vom Hause Aufstellung nahm, leuchteten die Haare, die Spitzen des Schnurrbarts, der Hut, die Kleider, und wenn man die Hand ausstreckte, erschienen an jedem Finger (besonders wenn man sie vorher im Schnee befeuchtet hatte) kleine Flämm- chen, wobei man ein deutliches Brennen verspüren konnte. Ge­rade als die Entladungen am stärksten waren, ging in nächster Nähe ein Blitz nieder, worauf die Erscheinung wie abgeschnitten endete. Bald darauf trat positives Elmsfeuer ein, und zwar wiederum so prächtig, wie dies die früheren Male nicht ge­wesen war."

Die Lichterscheinungen beim positiven und negativen Elms­feuer find verschieden. Beim letzteren (Fig. 2) sind die Flämmchen äußerst kurz und bieten nur den Eindruck leuchtender Punkte, tritt dagegen positives Elmsfeuer ein (Fig. 1), so werden die Flämmchen zu Lichtbüscheln von 8 bis 10 ein Länge, die ans 7 mm langen Stielen fitzen. Einen sonderbaren Anblick bot einmal ein Tourist, der auch zur Wetterwarte gestiegen war. Der Herr hatte etwas in die Höhe stehende Haare und sein Haupt war mit einem mehrere Centimeter breiten Heiligenschein umgeben. Da er diesen über­irdischeil Glanz zu lange über seinem Haupte leuchten ließ, das heißt zn lange außerhalb des Hauses verweilte, so stellte sich bei ihm später Kops­schmerz ein. Auch von anderer Seite wird behauptet, daß man nach den: Elmsfeuer einige Ermüdung fühle.

Einen ganz besonders schönen Anblick gewährte es, wenn man einen Blick in den Abgrund im Norden hinab warf, wo auf jeder Felsenspitze ein solches Lichtbüschel aufsaß, in erhöhtem Maße dort, wo gerade der Wind gegen die Felsen wehte. *

Aas König Zoyann-Aenkmak in Dresden. (Zu dem Bilde S. 21). Auf dem Platze zwischen der Hofkirche und dem Hoftheater zu Dresden erhebt sich das Denkmal des Königs Johann von Sachsen, von dem die Gartenlaube" schon früher (vergl. Nr. 27 des vor. Jahrg.) kurz berichtet hat, ein eindrucksvolles Kunstwerk von Johannes Schillings Meisterhand, würdig des Anlasses, aus dem es geschaffen wurde, der achthundert­jährigen Jubelfeier der Wettiner, und würdig des Mannes, dem es gilt.

Ein Stufenbau aus grünem Syenit trägt eine Basis von MZ Metern Höhe. Dem Auge des Beschauers zunächst liegend, ist dieser Theil am reichsten mit figürlichem Reliefschmucke bedacht; lebendig entworfene Grup­pen auf den beiden Langseiten versinnbildlichen das vielgestaltige Er­werbsleben des gesegneten Sachsenlandes, Land- und Forstwirthschaft, Handel und Gewerbe; wir sehen auf unserer Abbildung Merkur, den Gott des Handels, mit seinem Stabe, den Bergmann an der Arbeit, den Schiffer in seinem Nachen, den Fischer an seinem Netze, und über ihnen thront der Wohlstand mit seinem reichen Füllhorne. Die vorspringenden Rundungen an den vier Ecken tragen andere Gruppen, die Künste, die Wissenschaften, die Industrie und das Kriegswesen darstellend; überein­

stimmende Sinnbilder zieren die Sockel der über diesen Rundpfeilern sich erhebenden Kandelaber. Auf der geschilderten Basis ruht das mächtige 3 Meter hohe Postament; es trägt auf seiner Vorderseite unter der Königskrone den einfachen Namen Johann, am unteren Rande aber auf einem durch zwei Kränze gewundenen Spruchbande die auf die goldene Hochzeit König Johanns und seiner Gemahlin bezüglichen Zahlen 18221872. An den beiden Langjeiten sind Genien angebracht, welche in schwebender Haltung Tafeln tragen mit Sprüchen, die des Königs Charakter kennzeichnen, auf der einen Seite:Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben", auf der andern:Fromm und wahrhaftig sein behütet den König, und sein Thron besteht durch Fröm­migkeit". Ein Buch mit dem Bildnisse Dantes, als Erinnerung an König Johanns wissenschaftliches Streben, die Regierungszahlen 18541873, endlich ein Schild mit der Jahreszahl der Errichtung des Denkmals nehmen die Rückseite ein.

Ueber diesem Postamente nun ragt das fast 6 Meter hohe eherne Reiterstandbild empor. Den Krönungsmantel über der Generalsnniform, das Scepter im rechten Arme, unbedeckten Hauptes, so schaut der greise König mit dem milden Ausdrucke des Gesichtes, der ihm eigen war, über die Welt zu seinen Füßen weg,ein Fürst, der in Wahrheit auf der Menschheit Höhen wandelte". Die Porträtähn­lichkeit ist in hohem Grade gelungen und das ganze Denkmal darf sich den schönsten Werken plastischer Kunst in Deutschland ebenbürtig an die Seite reihen. Alle Theile desselben, mit alleiniger Ausnahme des Unterbaues aus Syenit, sind aus Bronze mit jener hohen Vollendung hergestellt, die der Künstler schon am Niederwald­denkmal vor aller Welt bewiesen hat. - Guter Appetit ist ein Zeichen der Gesund­heit und ein Gut, das die Menschen sich gegen­seitig wünschen. Er kommt bei vielen von selbst, viele aber klagen über den Mangel desselben und suchen ihn künstlich zu erzeugen. Eigentlich ist eine vernünftige Regelung der Lebensweise das beste Mittel, den verlorengegangenen Appetit wieder zu bringen, aber der Mensch wünscht oft mich rasche Mittel, die im Augenblick wirken. Es giebt eine ganze Reihe derselben und dar­unter weniger zuträgliche, wie z. B. ein Gläs­chen Branntwein oderein Schnäpschen", wie viele sagen. Wir möchten hier ein Mittel an­geben, das den Appetit am besten anregt und nicht schadet. Dieses Mittel ist eine Tasse Fleischbrühe, die jetzt so leicht mit einem Löffel Fleischextrakt herzustellen ist. Professor Voit sagt hierüber:Es ist nicht zn leugnen, daß die Wirkung der Fleischbrühe eine außerordentliche ist; sie bereitet den Magen Gesunder und Kranker auf die mildeste Weise auf das Verdauungsgeschäft vor und kann daher als Arznei dienen. Daher die glänzenden Erfolge bei den Rekonvalescenten, deren Magen lange unthätig war; sie würden die gewöhnlichen Speisen nicht vertragen, wenn der Magen nicht vorher für die Absonde­rungen von Saft und die Aufsaugung wieder eingerichtet wor­den wäre. So wie die Erregungen der Mundschleimhaut auf den Magen einwirken, bevor die Speisen in ihn gelangt sind, so kann vielleicht auch von dem Magen aus auf den übrigen Darm gewirkt werden."

Es ist darum eine gute Einrichtung, die Suppe zum ersten Gericht zn machen; denn dadurch wird der Magen für die Mahlzeit vorbereitet. Leider ist vielfach Abneigung gegen die Suppe vorhanden; das wissen wir schon aus der Geschichte vomSuppen-Kaspar", die imStruwwelpeter" nachzulesen ist. Es giebt aber auch große Suppenkaspar, welche die Fleisch­brühe durch ein Glas Bier ersetzen. Wenn sie über schlechten Appetit klagen, so ist dies kein Wunder. Mögen sie das Bier abends trinken und ihre Mahlzeit mit der Fleischbrühe eröffnen, dann werden sie den WunschGuten Appetit" nicht vergeblich anhören müssen. *

Studentenatter. In der preußischen Universitätsstatiftik finden sich unter anderem auch interessante Erhebungen über die Frage: wie alt sind unsere Studenten? Es wurden dabei nur diejenigen berücksichtigt, welche mit dem Zeugniß der Reife immatrikulirt wurden und unter diesen nur Deutsche. Im Jahre 1887 betrug die Gesammtzahl derselben auf preußi­schen Universitäten 11913. Darunter gab es wenig sehr junge Leute; denn die Jahrgänge unter 19 Jahren waren nur durch 447 Jünglinge ver­treten. 19 bis 22 Jahre war über ein Drittel alt: zusammen 4910. Die mittleren Jahrgänge, 22 bis 23 Jahre, umfaßten 2100 Studenten. Auf höherer Lebensstufe stand der beträchtliche Rest: 2833 Herren schwankten zwischen dem 24. bis 25. Lebensjahr und 1227 zählten 25 bis 28 Jahre. Den Schluß bildeten 193, die bald das dreißigste Lebensjahr erreichten, und 168, die über 30 Jahre alt waren.

Aus dieser Statistik hat man folgende Schlüsse gezogen. Unsere Studenten sind älter, als man gewöhnlich annimmt, und zwar aus zwei Gründen. Viele kommen zu spät vor: der Schule und viele bleiben zu lange auf der Universität. Die Statistiker haben den Studenten selbst die Semester nachgerechnet und dem Juristen z. B. 7 Semester, dem Philosophen 8 und dem Mediziner 10 Semester zur Vollendung seiner Studien bewilligt. Eine nähere Prüfung ergab jedoch, daß 12 Prozent, das heißt 1427 Studenten zu lange studiert haben, oder anders gesagt: mehr Semester als angegeben auf der Hochschule geblieben sind. In dem statisti­schen Bericht, dem wir diese Zahlen entlehnen, werden auch die Gründe angeführt, welche ein so langes Studium nöthig machten. Es sind dies folgende: Ableisten der Militärpflicht, Krankheiten, der Wunsch, sich gründ­licher auszubilden und auch Abneigung gegen das Philisterleben. Zahlen­mäßig ließen sich jedoch die einzelnen Gründe nicht belegen, so daß ein