Heft 
(1890) 20
Seite
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Als Lister im gleichen Jahre, in dem sein Verfahren zum ersten Male im Krankenhause zu München in Anwendung gekommen war, diese Stadt besuchte, wurde zu Ehren dieses Mannes eine Festversammlung veranstaltet, und Nußbaum war es, der in einer glänzenden Rede den hochverdienten Gast feierte.

Dem Bestreben, gemeinnützig zu wirken, entstammen Nußbaums mit größten: Beifall aufgenommene, echt volksthümliche Vorträge, die er in Volksbildungs- und ich anderen Vereinen gehalten hat, sowie seine sonstigen Veröffentlichungen über Gesundheitspflege und verwandte wissen­schaftliche Stoffe, Aufsätze, die zum Theil auch in derGartenlaube" erschienen sind.

Die von ihm verfaßte, bereits in mehreren Auflagen erschienene Kleine Hausapotheke" ist ein wahres Schatzkästlein goldener Lehren der Gesundheitspflege; vor kurzem ist sogar in Amerika eine Ausgabe davon veranstaltet worden, wodurch das gediegene, auf neuester wissenschaftlicher

Grundlage beruhende Werk auch über dem Meere gar vielen zu Nutz und Frommen dienen wird.

Alle seine Schriften zeichnen sich durch Schärfe der Auffassung, Klar­heit und Deutlichkeit der Darstellung und einen bei aller Einfachheit reiz­voll schönen, fesselnden Stil aus.

An Auszeichnungen und öffentlichen Ehrungen der verschiedensten Art hat es Nußbaum nicht gefehlt. Den höchsten Lohn jedoch sieht er in der Liebe und Verehrung seiner Mitbürger, seiner Amtsgenossen und Schüler und in der Dankbarkeit der vielen Tausende, denen er Helfer und Retter geworden ist.

Und sie alle sind es, die heute mit uns das gütige Schicksal preisen, welches diesen seltenen Mann von schwerem Krankenlager wieder erstehen ließ zum Heile der Wissenschaft und zum Segen seiner Mitmenschen; die mit uns bewundernd auffchauen zu dem Menschenfreunde, der stets sein ganzes Glück in der Beglückung anderer gesucht und gesunden hat. W. W.

Wilder aus dem Landsknechlskeöen.

Von K. Wcrirev. Mit Zeichnungen von WeLev Sctzrronn.

I!I.

Der Zug gegen Nom. Frundsbergs und Bourbons Ende. Erlebnisse eines Leichnams.

V^icht bunt genug kann man sich den Heereszug denken, welchen Frundsberg nach Italien führte. Zwar es fehlten ihm manche Bestandteile einerwohlbestellten Armada". Es war November; die Südausgänge der Alpen waren von den Feinden wohl verwahrt, und fo galt es, in ungünstiger Jahreszeit auf wenig betretenen Wegen über das Gebirge zu kommen, um auf weitem Umweg durch das feindliche Venetien sich mit dem in Mailand bedrängten Bourbon zu vereinigen. Es fehlten also die prunkenden Ritterkompagnien, es fehlte die damals noch überaus schwerfällige Artillerie. Geschütze gedachte Frundsberg in Italien zu erobern oder von dem Kaiser zngewandten Fürsten zu entlehnen.

Aber schon der Landsknechte Aufzug allein mußte den wunderbarsten Anblick gewähren. Vor den größeren Abtheilungen ritten im prachtvollen Harnische, umgeben von Trabanten, die höheren Offiziere Frundsberg, der Kommandirende, allerdings auf einem bedächtig schreitenden Maulthier. Vor jedem Fähn­lein schritt der möglichst in die Farben des Regenbogens ge­kleidete Fähndrich mit der gewaltigen,thurmhohen" Fahne, hinter ihm kamen die Pfeifer und die Trommler mit Trommeln, groß wie Weinfässer, die Hälfte desGespiels" vor den Hakenschützen, die andere Hälfte vor den langen Spießen. An sie schloß sich dann der Haufe der Landsknechte, jeder nach Laune und Umständen bewehrt, mit Sturmhaube, geschlossenem Helm, hohem Filzhut, Federbarett, in ganzen und halben Panzern:; manche mit vollem Harnisch bis zum Knie, andere in Lederkollern, Kettenhemden und Kragen, gefältelten, geschlitzten, zerhackten, in grillenhaften Farben durcheinander schillernden Wämsern, mit den: ausschweifendsten Schnitte der Hosen, von der: bis zum Knöchel sich bauschenden

Pluderhosen bis zu der aufs engste von der Hüfte bis zum Knöchel sich anschmiegenden Neiterhose; wieder andere was für besonders stutzerhaft galt und auch von Hauptleuten geübt wurde den einen Strumpf herabgestreift, so daß das eine Bein nackt war. Diese Sitte erregte na­mentlich am französischen Hofe, wo aus Gründen das Wattiren im Schwange war, weidliches Aufsehen. Dazu kam noch die verschiedenste Tracht der Haare und des Bartes. An Waffen endlich führte jeder, was von Väter Zeiten zu Hause ausgehängt gewesen war oder die Beute früherer Kriege ihm in die Hand gespielt hatte: Federspieße mit buntem Schmucke, lange Spieße mit verschiedenst geformten Spitzen, Hellebarden, Partisanen, schwere Hakenbüchsen, Schlachtschwer­ter, daneben Kolben, Fausthämmer, die kurzen breiten Landsknechtsdegen, verschieden geformte Dolche. Hinter dem Gewalthaufen endlich folgte der Troß der Weiber und Buben, geführt von einem eigenen Weibel, der außer den Waffen noch einen etwa armlangenVergleicher" zur Schlichtung von Streitigkeiten führte.

Schwer lag der gefährliche Zug auf Frunds­bergs Seele. Von seiner Stimmung mag ein Traum zeugen, den er zu Botzen hatte. Er glaubte im Traume seinen vor etlichen Jahren verstorbenen Bruder Adam zu sehen, welcher zu ihm sprach:Bruder Georg, es ist ein schwerer Zug, Du wirst schwerlich über die Pässe und über die Fürthen der Wässer kommen, und Du wirst den Haufen führen, daß kaum tausend Mann überbleiben werden." Dieses Gesicht hatte er, wie bezeugt, schon früher in gefährlichen Kriegslasten gehabt. Schon in Trient von Geldnoth bedrängt, stieg er doch muthig am 17. November auf engem, steilem Bergpfad drei deutsche Meilen hinan. Die Rosse und Maulthiere mußten einzeln geführt werden; neben ihm selbst, dem schweren Manne, hielten Lands­knechte lange Spieße auf der Seite des Abgrunds als Geländer; er faßte wohl auch einen starken Knecht von hinten am Koller, der ihn zog, während ein anderer schob. So kamen sie auf einen: Weg, wo kein Italiener sich eines Feindes versah, auf venetianisches Gebiet. Ein armseliges Bergdorf wurde zu des Feldherrn großem Unwillen als der Republik gehörig alsbald verbrannt wie ein Vorzeichen der bösen Art, welche der Krieg annehmen sollte. Wie ein die Zukunft verhüllender Vorhang lagen die Nebel vor der italischen Ebene, welche am 19. November unweit Brescia, bei Gavardo an der Chiese, erreicht wurde.

Als Karl v. Bourbon das Herannahen Frundsbergs ver­nahm, tauchte in ihm, welcher nur durch außergewöhnliche Unter­nehmungen seine innere Unruhe zu betäuben, aus unbefriedigen­der Stellung und getäuschten Hoffnungen heraus zur Höhe seiner ehrgeizigen Pläne sich emporzuschwiugeu hoffen konnte, allerdings der kühne Plan auf, Ron: selbst zu nehmen. Wenn aber einzelne Zeitgenossen, wie z. B. der Augenzeuge der Plünderung von