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, Iler Kopf (.Zfach
großert)
Raupen abzulesen, als dieselben nesterweise mit der Schere ans weiter Höhe herabzuholen. Das Zerstampfen der eingesammelten Raupen kann, auch wenn das Vergraben der Thierreste noch so bald erfolgt, nicht angerathen werden, weil dadurch die Zahl der umherfliegenden Härchen endlos vermehrt wird. Als einzig richtige Art der Vernichtung empfiehlt sich das Verbrennen, denn dadurch werden nicht nur die Thiere, sondern auch die Haare und das Gift in ihnen endgültig unschädlich gemacht.
Wird mit genügendem Eifer den Raupenzügen nachgestellt, so dürste wohl kaum einer derselben sein ersehntes Ziel, eine der Sonne möglichst ausgesetzte, kahle, sandige Stelle, erreichen. Gelingt es aber einer Raupenfamilie, einen derartigen Platz ausfindig zu machen, so wühlen alle Mitglieder derselben dicht nebeneinander den Sand auf und verkriechen sich 10 bis 15 ein Lief in demselben. Hier bildet jedes für sich einen trockenhäutigen, eiförmigen Cvcon (ä), dessen Außenseite, wie schon gesagt, mit Sandkörnchen und einzelnen Haaren bedeckt ist. Diese Cvcons haben eine Länge von 22 bis 26 mm und eine Dicke von 6 bis 10 mm.
Sie sind leicht an den bezeichnten Stellen zu finden, wo sie senkrecht nebeneinander aufgestellt sind. Jeder Coco'n enthält außer der Puppe (e) den Rest des letzten Raupenkleides, der mit zahlreichen Haaren zu einem dichten Filz zusammengepreßt ist. Das Einsammeln der Puppen ist jedenfalls das gefährlichste Unternehmen, welches behufs Vertilgung des Kiefernprozessionsspinners ansgeführt werden kann. Durch das Ausscharren der Puppen wird eine unbeschreibliche Anzahl von Gifthaaren aufgewirbelt, welche dem in hockender oder gebückter Stellung Arbeitenden bald das ganze Gesicht entzünden. Andererseits ist diese Arbeit wieder sehr gewinnbringend, da dort, wo, eine Puppe gefunden worden ist, sicher deren 60 bis 100 beisammen stecken.
Diejenige Puppe, welche nicht gestört wird, ruht bis zum nächsten Sommer. Dann giebt sie einem Schmetterlinge das Leben, welcher dem Eichen- und auch dem Pinienprozessionsspinner sehr ähnlich sieht. Das Männchen (k), welches etwas kleiner als das Weibchen (Z) ist, hat eine Flügelspannung von 36 mm, letzteres dagegen von 44 mm; der Leib ist 15, bezw. 18 mm lang. Die Vorderflügel des Männchens tragen auf grauem Grunde je zwei Paar unregelmäßige, dunkle Querbinden, welche mit gelblichen Rändern eingefaßt sind. Die Hinterflügel sind weißlich und haben einen gefleckten und gefransten Rand. Die Unterseite der Flügel ist Heller als die Oberseite. Der Kopf (6) ist mit Büscheln langer, grauer Haare dicht besetzt. Zwischen den Allgen und oberhalb derselben trägt der Kopf einen mit drei dicht aneinander gereihten Vertiefungen versehenen harten Fortsatz (i), dessen glänzende, tiesschwarze Färbung um so mehr auffällt, als unter einem Kranze kurzer Härchen nach rechts und links je eill Büschel schneeweißer Haare hervortritt. Die Fühler sind doppeltgekämmt, aber nach den Geschlechtern sehr verschieden an Größe und Behaarung. Die Kammzühne beider sind keulenförmig, am Rande behaart und an der Spitze mit je zwei kleinen Borstell versehen. Der weibliche Fühler (ü) hat viel kürzere Zähne und feinere Behaarung als der männliche (I).
- Unterhalb der Flügel ist zu ihrer Stütze eine sog. Hastborste lm > ! eingefügt, deren Gestalt große Ähnlichkeit mit der Feder eines ! Vogels hat. Jul wesentlichen besteht diese Borste aus einem
- 5 mm langen, schaftartigen Ge-
! bilde, von dem nach der einen /
Seite eine schmale, nach der andern eine viel breitere Haut aus- geht. Der Saum der letzteren trägt all der unteren Hälfte einen kräftiger gebauten Rand als all der oberen. Die Haut zeigt in großer Zahl punktförmige Vertiefungen, aus deren Grunde sehr feine Härchen entspringen. An der Anheftungsstelle ist diese Stützfeder mit vielen einzelnen Borsten umgeben, welche 2 bis 3 mm lang sind.
Der Leib beider Schmetterlinge ist rostbraun. Das Männchen trägt am spitzen Hinterleibsende ein Büschel einfacher Haare. Das Endglied des weiblichen Hinterleibes erscheint breit und kohlschwarz, mit ganz feinen und kurzen Querstrichen durchzogen.
Bei näherer Untersuchung findet mall, daß dasselbe aus mehreren Tausend dicht aneinander gepreßter Schuppen (n) besteht, deren allgemeine Gestalt derjenigen der Flügelschuppen (o) vollkommen gleicht, diese aber an Größe ganz bedeutend übertrifft. Die eirunden Hinterleibsschuppen haben einen tiefschwarzen, schmalen und fein gezähnelten Rand, welchem sich eill breiter, ganz weißer Streifen anschließt. Der mittlere Theil der Schuppen ist nahe all diesem Streifen schwarz- braun llild wird nach der Mitte hellbraun, nach den Seiten sogar wasserhell. Am hellbraunen Grunde sitzt ein ebenso gefärbter Nagel. Diese Schuppen haben eine höchst eigenthümliche Verwendung. Wenn das Weibchen die Puppe verläßt, bringt es schon die reifen Eier mit zur Welt und macht sich, sobald es den Gebrauch der Flügel erlernt hat, an die Erfüllung seiner Lebensaufgabe, an das Eierlegen. Da sein Flug schwerfällig ist, können wir es leicht beobachten, und so bemerken wir, daß es an niedrigen Baumzweigell oder an alleinstehenden sog. „Kuffeln" in Mannshöhe die Eier an eill Nadelpaar eines frischen Triebes ablegt (p). Dabei fängt es an dem unteren Theil der Nadeln an und erklimmt, indem es in dicht gedrängten Windungen dieselben umklettert, allmählich deren Spitze. Die mohnsamengroßen, kugelrunden und weißen Eier werden dabei sogleich verdeckt, und zwar mit einem schuppigen, hellbronzefarbenen Ueberzuge, der ans jenen oben beschriebenen Hinterleibsschuppen kunstvoll gebildet wird. Da aus zahlreichen Beobachtungen hervorgeht, daß der Falter am Grunde der Nadeln, oberhalb der häutigen Scheide derselben, mit dem Eierlegen beginnt und oft schon vorher einige Schuppen ablegt, diese aber am Hinterleibe mit dem Nagel allhaften und mit dem schwarzen Rande nach hinten gerichtet sind, so werden sie in derselben Lage beim Nestbau verwendet, ohne umgedreht zu werden. Nun sind all dem fertigen Nest die braunen Spitzen nach oben gerichtet, während die schwarzen Ränder nach innen liegen und verdeckt sind. Es werden also die Schuppen dachziegel- förmig nicht-übereinander gelegt, sondern untereinander geschoben! Oft reicht der Vorrath an Schuppen nicht aus, alle Eier zu bedecken, dann sind die letzten, nach den Nadelspitzen hin, unbedeckt. Die andern Eier aber überwintern unter ihrer Schutzdecke bis zum nächsten Frühjahr, wo des Lenzes Sonne sie zu neuem Leben erweckt.
Weibchens (ZSfcich^vergrößert).