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arbeitet, aber auch innere und äußere Politik treibt. Damit will der „Schulverein" — mit seinem vollen Namen heißt er: „Allgemeiner deutscher Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande" -— direkt nichts zu tun haben. Mittelbar greift er gleichwohl ganz unvermeidlich auf das politische Gebiet in Ländern wie Österreich-Ungarn über, wo die Unterdrückung des Deutschen zur Staatsabsicht wird.
Nebenbei ist die Erhaltung des Deutschtums im Auslande auch wirtschaftlich für das Mutterland von Bedeutung: wer da deutsch bleibt, kauft und vertreibt auch mit Vorliebe Handelsware aus der Heimat. Die Hauptsache bleibt doch das ideale Bestreben, daß kein Deutscher dem Deutschtum verloren gehen und ein Fremder werden soll, „Kulturdünger", wie man im Auslande spottet, nachdem wir selber aufgehört haben, uns mit Stolz so zu bezeichnen.
Der Verein ist, wie gesagt, ein Geschwisterpaar: ein österreichischer deutscher Schulverein in Wien, und ein reichsdeutscher; jener 1880, dieser 1881 gegründet. Während der österreichische nur in Österreich arbeitet, bemüht sich der reichsdeutsche, außer daß er den Bruderverein unterstützt, in aller Welt, wo Deutsche wohnen.
Die Gründung des Vereins in Österreich war ein Akt der Notwehr gegen die bedrohliche Begünstigung der Tschechen und der übrigen Slawen Österreichs zuungunsten der Deutschen unter dem Minister Grafen Taaffe, die auf eine beabsichtigte Slawisierung Österreichs hinauslief. In diesem Sinne war nach 1866 unter der Hand schon vorher gearbeitet worden, nur da man die deutschen Krebse kalt gesotten, hatten die es kaum gemerkt. Aber als 1880 eine Sprachenverordnung erschien, die den bisher unbestrittenen ausschließlichen Gebrauch des Deutschen als Amtssprache einschränkte, fühlten sie das Feuer und wachten aus ihrer gemütlichen Sicherheit auf, erschrocken überblickend, was schon durch ihre Vertrauensseligkeit verloren war.
Eine Broschüre „Aus den Bergen an der deutschen Sprachgrenze in Südtirol" von dem Frankfurter Arzt Dr. Lotz, ein Weckruf gegen das deutsch mörderische Vordringen der italienischen Jrredenta, gab den Grundgedanken, auf dem sich unter Führung des Abgeordneten vr. Pernerstorffer im Juli 1880 der Wiener Deutsche Schulverein zur Generalverteidigung des deutschen Bestandes im eigentlichen Österreich gründete.
Der Verein fand sofort die Unterstützung von Patrioten in Reichsdeutschland, es bildeten sich hier Ortsgruppen, die sich anschließen wollten. Allein da nach dem österreichischen Vereinsgesetz dies untunlich war, überdies der Wiener Verein sich auf das eigentliche Österreich beschränken wollte, während das ungarische Deutschtum, vorweg Siebenbürgen, durch den magyarischen Fanatismus reichlich ebenso übel dran war wie das österreichische, so gründete die Ortsgruppe Berlin am 15. August 1881 einen selbständigen, reichsdeutschen Schulverein mit ganz unbeschränktem Wirkungskreise, ausgesprochenermaßen vorweg auf Ungarn abzielend, wo man gerade ganz widerrechtlich dem Deutschtum durch das berüchtigte Mittelschulgesetz einen Knüppel zwischen die Beine werfen wollte. Nach diesem Gesetz sollten keine deutschen Gymnasien und Realschulen mehr errichtet und keine Lehrer mehr angestellt werden, die nicht der ungarischen Sprache mächtig
wären.
Hauptförderer bei der Gründung war der ein paar Jahre zuvor gegründete Zentralverein für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen im Auslande, und
Männer wie Mommsen, Gneist, Pfleiderer, Wattenbach und andere standen Pate. Nach und nach haben sich alle
reichsdeutschen Ortsgruppen dem Berliner Gesamtverein angeschlossen.
Die gegnerischen Nationalitäten Österreich-Ungarns, die sofort erkannten, daß hier dem Deutschtum die für ihre Um
triebe gefährlichste Waffe in die Hand gedrückt war, schrien Zeter und Mordio. Der Deutsche Schulverein wurde das rote Tuch für sie, sein Name ist in alle Fremdsprachen übergegangen. Er hat zu Gegengründungen, vorweg bei den Magyaren und Tschechen geführt, die ihn hassen wie die Sünde.
Unbekümmert hat er ruhig und stetig seine Arbeit getan, und ihm ist Außerordentliches zu danken, obwohl er nicht über den zehnten Teil der Mittel verfügte, die ihm zu gönnen gewesen wären.
„Er wirkt", wie sein jüngstes Rundschreiben sagt, „durch Beihilfe bei Schulgründungen mit Rat und Geld, durch Spenden für Lehrer, Zuweisung von Lehrmitteln und Stipendien für Schüler, durch Überwachung der Tausende über See zerstreuter Auslandschulen und deren Versorgung mit heimatlichen Lehrkräften", übrigens auch durch Beschaffung von Volksbibliotheken und eine rege schriftstellerische Tätigkeit in und außerhalb der Tagespresse. ^
„Bei durchaus unentgeltlicher Verwaltung hat er im Laufe der Jahre über zwei Millionen Mark seinen Zwecken zugeführt", für die er seinen Mitgliedern alljährlich einen Mindestbeitrag von drei Mark abnimmt —- ein paar Gönner zahlen allerdings dafür reichlich, Baron Oskar von Hoffmann in Leipzig sogar 1000 jährlich. So viel das aussieht, in fünfundzwanzig Jahren ist's wenig genug bei annähernd 300 Ortsgruppen mit etwa 30000 Mitgliedern. Aber wie viel Segen Ist nicht daraus in aller Welt geworden für die deutsche Sache! In Siebenbürgen besonders, wo die patriotische Haltung des trefflichen Bischofs Deutsch ihm die stille Mitwirkung sicherte, in Böhmen, Mähren, Schlesien, in Südtirol mit seinen deutschen Sprachinseln, in Kram und Steiermark, Galizien, der Bukowina und Bosnien, in der rumänischen Dobrudscha, in den deutschen Kolonien der fremden Hauptstädte, bis Südamerika, Australien, Afrika — in Vormengs Broschüre „Geschichte des Allgemeinen deutschen Schulvereins" kann man das Nähere Nachlesen. Wo der Verein nicht direkt eingreifen konnte oder einzugreifen veranlaßt war, wie in Rußland, Belgien, Nordamerika, hat er wenigstens in der Presse gesorgt, daß der dortige Kampf um die Sache des Deutschtums im reichsdeutschen Stammlande nicht übersehen wurde.
Die Schwankungen, die der Verein in seiner inneren Entwicklung durchmachte, haben immer ihren guten Ausgang gefunderi, und heute steht er, von dem früheren Gesandten von Braunschweig und Professor A. Brandl sicher und warmherzig geleitet, mit seinem Vereinsorgan „Das Deutschtum im Auslande" vor der Nation und spricht: Dies und das bin ich und habe ich geleistet für deine eigenste Sache, durch 25 Jahre, darf in Ehren mein Jubiläum feiern. Mühsam und sparsam habe ich mich durchgeschlagen — wie wäre es, wenn ihr uns lohntet, wenn ihr, die ihr meine stille gesegnete Arbeit bisher übersehen, die Taschen auftätet und an die Direktion der Diskontogesellschaft in.Berlin 61 einen Beitrag zu einer Jubiläumsspende schicktet, die es mir ermöglichte, ein bißchen weiter auszuholen in meiner Hilfsarbeit? Das kaiserliche Deutschland hat es vor aller Welt angeschlagen: Keinen Fußbreit deutscher Erde geben wir ab! — und über unserm Hause steht: Keine deutsche Seele geben wir ab, kämpfen um sie — wollt ihr mithelfen?
Im vorigen Jahre hat der Wiener Verein sein Jubiläum gefeiert, und die Deutschen Österreichs haben ihm über 600000 Kronen als Angebinde gesammelt.
Und ihr? ...
Die Österreicher haben immer noch lange nicht genug. Die Tschechen rücken Schritt für Schritt vor, schlagen nötigenfalls deutsche Köpfe ein; die Esthen und Letten in den Ostseeprovinzen auch. Aber in Rußland tagt es — in Ungarn auch ....
Und ihr?