Heft 
(1906) 01
Seite
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Zutage. Nach den Berechnungen des Schweizer Anthropologen Nüesch schwankt die Körperhöhe dieser Pygmäen zwischen 1,20 und 1,42 Meter. Me diese Funde vervollständigen das Bild einer steinzeitlichen Zwergrasse Mitteleuropas, eines ein­gesessenen Pyg­mäenvolkes, das noch neben und mit den einge­wanderten großen Rassen gelebt- habenmußte. Die Lebensweise die- serZwerge inver­borgenen Höhlen, die fremde Spra­che, die sie rede­ten, die gewisse Kunstfertigkeit, die manche in diesen Höhlen ge­fundene Geräte und Waffen,

Schnitzereien und Zeichnungen auf Knochen verra­ten, das alles erklärt uns, wie diese Pygmäen allgemach von der Sage der ihre Heimsitze erobern­den Germanen mit dem Zauber des Dämonischen, Übernatürlichen umgeben werden konnten, und so ist den Zwergsagen Europas eine ethnographische Grundlage heute nicht mehr abzusprechen.

Aber auch die Zwergmythen des klassischen Altertums er­innert sei beispielshalber an die Kämpfe der Pygmäen mit Kranichen am Okeanus bei Homer u. a. die Berichte der griechischen Historiker von Zwergvölkern u. s. f. haben allmählich eine ganz neue Beleuchtung erfahren. Den ersten historischen Bericht von einem afrikanischen Zwergvolk gibt unseres Wissens Herodot. In seiner Schilderung Ägyptens erwähnt derVater der Geschichte" die lybische Völkerschaft der Nasa- moner, diean der Syrte und in dem Lande nach Morgen von der Syrte" wohnen. Diese Nasamoner entsandten einst eine Expedition zur Erforschung des Landes einwärts der großen Wüste. Und als sie, so heißt es bei Herodot, die große Sandwüste durchwandert, wozu sie viele Tage gebraucht, sahen sie endlich einmal wieder Bäume, die wuch­sen auf dem Felde.

Und sie gingen hinzu und pflückten von den Früchten, die auf den Bäumen waren; und wie sie pflückten, kamen kleine Männer herbei, noch unter Mittelgröße, und ergriffen sie und führten sie von dannen.

Aber sie verstanden einander kein Wort. Und sie führten sie durch große Sümpfe, und wie sie durch diese hindurch waren, kamen sie in eine Stadt, da waren alle Leute ebenso klein wie die Führer und dunkel von Farbe. Das dürfte

die erste verbürgte Erwähnung der Zwergvölker Afrikas sein, über die uns in letzter Zeit interessante Aufschlüsse zuteil wurden. Eine ganze Anzahl von Forschern, vor­an die kühnen Afrikareisenden Schweinfurth, Stuhlmann, der Baseler Natur­forscher vr. Da­vid, der Englän­der Sir Harry R. Johnston u. a. haben an diesen: verdienstvollen Werk gearbeitet. In seinem jüngst erschienenen Werk 7VÜ6 Uganda, Uroteetorate" schildert uns Johnston die äußere Erscheinung dieser Pygmäen des großen Kongourwaldes (vergl. die obere Abb. auf S. 11) folgendermaßen: Manche dieser affenähnlichen Leute haben eine schmutzig gelb­braune Farbe, der Bartwuchs ist ziemlich reichlich, der Körper ist nahezu ganz bedeckt mit einer feinen gelblichen Wolle, die nicht auf große Entfernungen bemerkbar ist, aber doch ausreicht, um die gelbliche Hautfarbe noch zu verstärken. Die Augen liegen tief, und die überhängenden Augenbrauen sind außerordent­lich hervortretend. Die Oberlippe ist länger als sonst bei

Negern. Das Kinn ist schwach und zurückweichend, Ober­

und Unterkiefer stehen stark schräg aufeinander." Ähnlich ist das Bild, das David, der mit diesen Urwaldpygmäen auf den Spuren des rätselhaften Okapi jagte, entwirft, und Schweinfurth, der Gelegenheit hatte, eine von Harrison kürzlich nach Kairo gebrachte Truppe zu studieren, vervollständigt es:Die Fär­bung der Haut schwankt mehr oder minder zwischen dem mehr schwärzlichen Braun der Tafelschokolade und dem rötlicheren Ton des gemahlenen Kaffees. Am merkwürdigsten ist die Fär­bung des Haares. Man kennt auf der Welt keine dunkel­gefärbte Rasse, deren Haarfarbe anders wäre als tiefschwarz.

Die Haarfarbe der afrikanischen Pygmäen bildet eine Aus­

nahme. Sie ist schmutzigbraun und läßt sich nur mit der Farbe des Werg genmutten Tauabfalls, das zum Kalfatern dient, ver­gleichen." Schweinfurth macht dann weiterhin auf den stark hervortretenden Leib, die stark gewölbten Stirnhöcker mit wulstig amttüchwollenen Stirnmuskeln, die Nase mit den auffällig ver­breiterten Flügeln und die schmalen, nicht negerhaften Lippen aufmerksam. Die äußere Lippenberandung ist

scharf kantig begrenzt, so daß die nach innen nicht sehr stark gewölbten

Lippen sich spaltartig zu schließen vermögen, wie bei den menschen­ähnlichen Affen."

Auch diese nach Harrison etwa 1,22 bis 1,30 Meter messenden Pyg­mäen, die jetzt nach England gebracht worden sind, würden wahrscheinlich nur als Kuriosität betrachtet werden,

Wedda - Ansiedlung in der Nilgalagegend. Wellasee.

-M.

-> -'s-

Schießender Wedda.