Heft 
(1906) 01
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Zwerg

von den Woodlarkinseln

wenn es nicht der Wissenschaft gelungen wäre, allmählich nach­zuweisen, daß wir es in dieser hellfarbigen, wenig negerhaften Zwergrasse mit der Urbevöl­kerung des dunkeln Erdteils zu tun haben. Bis tief nach Südafrika hinab, hier durch die Buschmänner repräsentiert (vgl. die untere Abb. S. 11) ziehen sich durch den ganzen Kontinent körperlich engverwandte Zwerg­völker von 1,42 bis 1,44 Meter durchschnittlicher Kör­perhöhe, fast überall vor den Verfolgungen der großen Rassen in den undurchdringlichen Ur­wald oder die öde Wüstenei geflüchtet und ein unstetes, geheimnisvolles Leben fristend. Gerade auch manche Gebiete unserer deutschen Kolonien, so die Steppen Deutsch-Südwest­afrikas, die Urwaldgebiete und das Hinterland von Kamerun, das Seengebiet Deutsch-Ost­afrikas sind Schlupfwinkel die­ser gehetzten Ureinwohner ge­worden. Von den Pygmäen Süd-Kameruns sagt der ame­rikanische Missionar vr. Good: Sicher waren diese Zwerge die niedrigst stehenden Menschen, die mir bisher vorgekommen sind. Sie haben eine hellere Farbe und auch einen anderen Typus als die umwohnenden Stämme. Die Niedrigkeit der Stirn trat noch hervor durch die Größe der Augen. Die dicken Augenbrauen schienen höher zu stehen als bei anderen Rassen. Ihre Kinnbacken waren unverhältnis­mäßig groß, ihre Beine schwach und gekrümmt." Auch Good hebt als Charakteristikum die­ses Zwergenvolkes den stark hervorgewölbten Unterleib denArmoed-Penz", Trom­melbauch, der Holländer hervor.

Kann nach allen diesen Entdeckungen kaum noch daran gezweifelt werden, daß auch die Ureinwohner Afrikas eine Zwergrasse waren, so treten allmählich auch aus dem Dun­kel der asiatischen und austra­lischen Inselwelt mehr und mehr die zerstreuten Reste einer Pygmäenhaften Urbevöl­kerung hervor. Die Vettern Sarasin waren die ersten, die Kunde von einem dunkeln Pygmäenvolk im Innern Cey­lons brachten und diese Wedda beschrieben, die teilweise noch heute in Felshöhlen und auf Bäumen wohnen. Unsere bei­den Weddabilder auf S. 12 geben eine gute Vorstellung von dem Typus dieses uralten ceylonischen Pygmäenvolkes.

Nach den Messungen der Vettern Sarasin beträgt die Körper­höhe der Wedda im Zentral-

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bezirk ihres Vorkom­mens im Mittel 1,5 3 Meter. Auf unserer Abbildung beträgt die Länge der unge­spannten Bogen und das gibt dem Be­schauer einen Anhalt zur Vergleichung

1,70 Meter.

Die beiden Ba­seler Forscher wiesen dann Pygmäenvölker auf Celebes nach; es gesellten sich dazu Zwergrassen auf Ja­va, auf Borneo, aus Sumatra, auf den Philippinen, auf Malakka usw. Den Untersuchungen Hä­gens zufolge erweisen sich alle diese Völker als eng miteinander verwandt, als zu einer einzigen großen Rasse gehörig, die der verdienstvolle An­thropologe Urma-

laien nennt. Ihnen allen ist neben der Pygmäenstatur Gesichtstypus eigen, den Hagen bei den Papua von Neuguinea, den Australiern, ja selbst Urvölkern Südamerikas und Süd­afrikas wiedersinden will. In Australien ist diese Zwergrasse sozusagen unter unseren Augen ausgestorben. In Neuguinea hat kürzlich der frühere Administrator von Britisch-Neuguinea, Sir Francis Winter, ein Zwergvolk entdeckt, das auf sumpfi­gem Gebiete am Musaflusse bereitslänger als die Tradition

Pygmäen aus Kaiser-Wilhelmslano.

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Zwerg von den Woodlarkinseln.

Eingeborenen reicht" lebt. Gestalt und Haltung", heißt es in dem Bericht des Forschers an die Regierung, sahen diese Ah gai Ambo affen­ähnlicher aus als irgend ein anderes menschliches Wesen, das mir jemals zu Gesicht kam." Weiter fielen beson­ders die Füße auf, diekurz, breit und dabei außerordent­lich dünn und flach waren und lange, dünne, schwach aus­sehende Zehen hatten, wie man sie sonst bei den Ein­geborenen nicht findet. Die Füße der Leute standen auf dem Boden wie Holzfüße. Die uns begleitenden Varugi versicherten, daß diese Zwerge auf festem Boden nicht gehen könnten, und daß ihre Füße bei solchem Versuche bald zu bluten anfingen." Bei einem zweiten, benachbarten Zwerg­volke war es möglich, den Häuptling zu messen; seine Körperhöhe betrug etwa 1,30 Meter. Auch aus Kaiser Wilhelmsland (Deutsch-Neu­guinea) sind uns Pygmäen­stämme bekannt geworden. Die obenstehende Abbildung zeigt