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Zwei solcher Tamuls (d. h. „Menschen"), Vater und Sohn. Dieser 20, jener etwa 50 Jahre alt, die zweifellos einem Pygmäenstamme angehören, denn die Bambusstange, die auf dem Bilde über ihren Köpfen sichtbar, ist nur 1,42 Meter vom Erdboden entfernt. Ob der Zwerg von den Woodlarkinseln (Abb. S. 13), der im Dienste des bekannten Südseeforschers Parkinsons steht, ein Pygmäe oder nicht vielmehr ein pathologischer Zwerg ist —- wofür die mangelhafte Proportionierung seines Körpers spricht — mag dahingestellt sein.
Fassen wir alle diese Ergebnisse der neuesten anthropologischen Forschungen Zusammen, so gewinnt die Anschauung von der urZeitlichen Verbreitung engverwandter Zwergrassen über den ganzen Erdball mehr und mehr Wahrscheinlichkeit, zumal die gleichen am Skelett ausgeprägten Eigenschaften bei allen Pygmäen der Erde Vorkommen. Ja, der berühmte Baseler Anatom Julius Kollmann hat jetzt in einem umfangreichen Werke den Nachweis geführt, daß diese Zwerg
rassen als eine Vorstufe der heutigen großen Menschenrassen zu betrachten sind. Die Pygmäen Europas, Asiens, Afrikas und Amerikas sind nach ihm die Urrasse oder Primitivrasse, auf deren Boden sich die großen Rassen entwickelt haben. Auch die Entwicklung der Menschheit war zweifellos dem allgemeinen Gesetz in der Entwicklung der Wirbeltiere unterworfen gewesen und von kleineren Formen zu größeren aufgestiegen. Es kam also nicht in erster Reihe zu einer Schöpfung der großen Rassen, sondern zu der Entstehung kleiner, Pygmäenhafter Urbewohner. Aus ihnen gingen dann, durch günstige Ent- wicklungsumstände gefördert, allmählich die großen Rassen hervor, aber nur immer so, daß ein Teil der Urform erhalten blieb. Das sind eben die Pygmäen, deren Überreste über die ganze Erde zerstreut in den Gräbern, vermischt mit den Knochen der großen Rassen, gefunden werden und die zahlreiche Forscher in allen Weltteilen noch lebend angetroffen haben.
Tragödien und Komödien des Aberglaubens.
Spukhäuser.
Von Rudolf KLeinpaul.
ein Bädeker ist gewiß ein vortreffliches Reisehandbuch: über alles Wissenswerte erteilt er Auskunft, mit ihm bin ich überall zu Hause. Und doch scheint mir noch etwas darin zu fehlen. Er berichtet doch sonst immer, wo es etwas zu sehen gibt; die Aussichtstürme, die Schlösser, sogar die wichtigsten Privathäuser, jeden Steinhaufen merkt er an; das vorzugsweise Beachtenswerte bedenkt er sogar mit einem Sternchen. Aber die Spukhäuser finde ich nicht. Und doch sollten in vielbereisten Gegenden auch die Häuser angegeben sein, wo es nach allgemeinem Glauben nicht ganz geheuer ist, zur Warnung für diejenigen, die etwa hineingeraten könnten, und als Fingerzeig für Interessenten. Denn es gibt unter den Mitlebenden viele, die sich nach jenem stillen, ernsten Geisterreiche sehnen und die Gelegenheit mit Freuden ergreifen würden, einen Einblick ins Jenseits zu gewinnen. Wie wäre es, wenn wir in diesem Betracht den Bädeker etwas ergänzten und den neugierigen Touristen die Spukhäuser namhaft machten, an denen es weder in den entlegenen Alpentälern, noch in den Städten mangelt? — Wohlgemerkt, nur Häuser ersten Ranges; mit alten Ratten- und Eulennestern und mit Winkelgespenstern geben wir uns gar nicht ab. Die genannten Spukhäuser verstehen sich durchgehends mit drei Kreuzen.
Da haben wir zum Beispiel den Bädeker für die Schweiz, eins der ersten Handbücher in der ganzen Sammlung, das nun schon in einunddreißigster Auflage erschienen ist; darin findet sich Nummer 36 die Route von Luzern nach Engelberg. Sie geht über Stans, den Hauptort von Nidwalden; man fährt jetzt mit der Elektrischen Bahn von Stansstad am Vierwaldstätter See nach Engelberg. Welch ein weltkundiges Spukhaus wäre da in Niederdorf zu Stans, in „Spichermatt" zu Vermerken! Hier steht mitten unter herrlichen Obstgärten das Landhaus des ehemaligen Rechtsanwalts und Nationalrats Joller, der es in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit seiner Familie bewohnte. Es war 1798, bei dem harten Kampfe der Nidwaldner gegen die Franzosen in Flammen aufgegangen, aber wieder aufgebaut worden; Anfang des Jahrhunderts gehörte es der Großmutter Jollers, der Frau Veronika Gut. Und dieses alte, teure Haus, dieses von den Vätern ererbte Grundstück mußte die ganze Familie am 23. Oktober 1862 verlassen, weil die Geister davon Besitz ergriffen hatten! Weil es vor entsetzlichem Gespuk, vor unsagbarer Angst und vor furchtbarem Gepolter schlechterdings nicht mehr auszuhalten war! Das ist auch ein Weg, wie man um das Seinige kommen und an die Luft gesetzt werden kann; der National
rat Joller starb ganz verarmt in der Schweizergarde in Rom, sein Sohn ist gegenwärtig Bibliothekar des dortigen Deutschen Archäologischen Instituts. Die Villa gehört jetzt einem reichen Bauern Remigi Lussi von „Langmatt" in Stans, der sie jedoch auch nicht bewohnt, sondern an arme Leute vermietet hat.
Es wäre mithin in der Tat nicht ausgeschlossen, daß einmal ein Fremder in diesem Spukhause untergebracht würde, wenn die Hochsaison eintritt und die Gasthöfe überfüllt sind. Er könnte es erleben, wenn er vielleicht ermüdet vom Stanser- horn zurückkommt und sich ahnungslos Zur Ruhe legt, daß ihm mitten in der Nacht eine Szene gemacht würde, wie man das
so häufig von alten Schlössern liest. Ich sage, er könnte es
erleben, daß plötzlich das ganze Haus erbebte, die Tische in die Höhe und schwere eichene Türen aus ihren Angeln sprängen, daß es an die Wände, an die Schränke, an die Dielen
und an die Türen wie Keulenschläge hämmerte und pochte, daß das ganze Mobiliar durcheinander geworfen würde, und daß es dazwischen wieder schluchzte: Erbarmet euch meiner! oder daß es das Gebet der Camilla aus der Oper „Zampa" zur Gitarre sänge. Solche Erfahrungen mußte eben die arme Familie Joller vor vier Jahrzehnten machen, sie sind für den unglücklichen Mann so verhängnisvoll gewesen. Aber auch die Passanten, die nicht daran denken, in Stans zu übernachten, würden dieses Haus als eine Merkwürdigkeit in Augenschein nehmen, wenn sie seine Geschichte wüßten.
Oder nehmen wir einmal ein Reisehandbuch für Tirol und springen wir nach dem Dörfchen Vahrn, das drei Kilometer von Brixen inmitten eines Kastanienwaldes gelegen und ein von den Wienern stark besuchter Luftkurort ist. In was für ein Wirtshaus gehen wir? — In das Gasthaus „Zum Waldsacker". Ei, ei! In das Gasthaus „Zum Waldsacker"? Da werden wir schön ankommen! Da werden wir gut schlafen! — Es ist schiech auf dem Waldsacker, wie dort die Leute sagen. In allen Stockwerken, auf den Gängen und den Stiegen, besonders in der Nähe der Mädchenkammer und beim Eis- kasten, wo die Spirituosen stehen, hört man es rumoren. Die Wirtin sperrt abends eigenhändig alle Türen und zieht den Schlüssel ab; sie hat auch nach Brixen um zwei Kapuziner geschickt, die über Nacht dageblieben sind und nach dem Essen das Haus gesegnet haben. Alles umsonst: es pocht an die Türen, es rückt an den schweren Schränken, es rutscht und rasaunt, es wimmert, schluchzt und stöhnt, womöglich noch ärger als vorher. Die Ganghofer haben das Anwesen eben erst um den Preis von neunzigtausend Kronen gekauft. Sie