25
richlsministeriums unter den Jünglingen, die sich von 1871 bis 1881 zum Einjahrig-Freiwilligen Dienst stellten, 54 v. H. untauglich befunden, während von den gleichzeitig sich stellenden Dreijährigen nur etwas über 30 v. H. untauglich waren.
Viel schlechter bezüglich eines Ausgleiches der in den Schuljahren erlittenen Schädigungen als das männliche ist das weibliche Geschlecht gestellt. Denn bei den Heranwachsenden
Mädchen bringt das spätere Leben zumeist nur eine Fortsetzung der in der Schulzeit bestehenden Tätigkeiten. Handarbeiten, Sprachstunden und Musikunterricht füllen jetzt die Zeit aus, und die Erholung im Freien beschränkt sich zumeist auf einen mit wenig Anstrengung verbundenen Spaziergang. Da ist es wohl zu verstehen, daß die Bleichsucht an der Tagesordnung ist und die Nervosität so rasend um sich greift. Wie viele Frauen gibt es denn, die in der Vollkraft ihrer Jahre vollkommen gesund sind und den Pflichten der Mutter nach jeder Richtung hin vollkommen zu genügen vermögen? Verschwindend wenige! Und doch ist eine gute körperliche Entwicklung, sattelfeste Gesundheit ein unbedingtes Erfordernis gerade auch für die Frau, will sie in den Wettbewerb treten mit den Männern, in den
von diesen bisher vorzugsweise beanspruchten Berufsarten. Daß es den Frauen in vielen Fällen nicht an der geistigen Begabung fehlt, ist sicher; ebenso sicher aber ist, daß zurzeit nur ein verschwindend kleiner Bruchteil der Frauen körperlich imstande ist, allen Ansprüchen dieser Berufsarten gerecht zu werden. Gewiß liegt dieser Mangel an Widerstandsfähigkeit, der sich ganz besonders deutlich in einer Schwäche des Nervensystems zu erkennen gibt, nicht allein in der weiblichen Organisation begründet; es liegt sicher Zum großen Teile mit daran, daß der Organismus von Jugend auf in unnatürlicher Weise geschädigt wurde.
Männern und Frauen tut es also not, ihre körperliche Entwicklung nicht zu vernachlässigen. Der Beginn körperlicher Übungen darf aber nicht etwa nach Beendigung der Schulzeit statthaben, es muß vielmehr mit dem Eintritt in die Schule, mit dem Beginne der geistigen Entwicklung auch die körperliche Entwicklung in vernünftiger Weise gepflegt werden.
Ein folgender Artikel soll über die geeigneten Mittel sprechen, mit denen wir eine harmonische Ausbildung des Geistes und des Körpers innerhalb und außerhalb der Schule erreichen können.
. V Hr? .' .«rX^ '- L>- ; RA .
Der verlassene Hos.
Drallsten im stillen Land,
-Am weiten Ufer der Äeide,
Blüht zwischen Sumpf und Sand Eine silbrige Weide.
Die steht unter altem Zaubergebot,
Daß ihre Zweige sich breiten,
Und der sdos daneben ist doch schon tot Seit langen Zeiten.
Der Bauer zog hinaus,
Neichtum in Truhen und Taschen,
Den Segenssvruch am Äaus söaben die Wetter verwaschen.
Das alte Dach der Väter sank hin Wie der alte Stolz der Bauern,
Nur das Eicbengebälk über dem Kamin Trotzt in den Mauern.
Und nur die Weide klagt Um den toten söof im Winde,
Das klingt so trostverzagt Wie das Schluchzen von einem Kinde, Und immer noch, mußt' ich vorübergehn, Zst es durchs söerz mir gefahren,
-Als war' mir da selber ein Leid geschehn Vor langen Jahren.
Gertrud Freiin le Fort.
'EM
««W
E
6 n-' '
Originalzeichnung von R. Püttner.
3
1906. Nr. Z.