Paul Oskar K>öcker.
schon während seines Studiums und seiner Einjährigenzeit trieb es ihn, Romane und Novellen zu schreiben, und der Erfolg, den schon diese ersten Arbeiten bei Publikum und Kritik hatten, bestimmte ihn dazu, den Kapellmeister an den Nagel zu hängen und sich fortan ganz der Schriftstellerei zu widmen. Er hat diesen Schritt nie zu bereuen gehabt, und das Lesepublilum kann sich für den Entschluß bedanken, denn
Paul Oskar Höcker hat ihm eine Reihe von Büchern geschenkt, die zu dem Besten gehören, was die Romanlileratur hervorgebracht hat. In eisernem Fleiß, in strenger Selbstkritik ist er sich selbst der beste Zuchtmeister gewesen. Es sind reine außergewöhnlichen Stoffe, die Paul Osmr Höcker wählt, aber er weiß auch das Einfachste, Alltäglichste zu einem Kunstwerk zu gestalten, dank der wundervollen Gaben, die ihm die Natur verliehen. Sein sonniger Humor, seine scharfe Charakteristik, sein fein pointierter Dialog machen die Lektüre seiner Bücher zu einem wahren Genuß. Es ist das Menschliche: Leben und Schicksal, das Paul Oskar Höcker vor allem intereftiert — alles Landschaftliche, so prächtig es gezeichnet ist, dient doch nur als Staffage für die Gestalten, die er so packend, so lebensvoll vor uns hinstellt; und wiederum sind es die Frauen, die ihn mehr zum Studium, zur Gestaltung locken als das starke Geschlecht. Wen und was er aber auch schildern mag — zu fesseln, zu interessieren weiß er immer und weiß die Spannung festzuhalten, ja, sie zu steigern bis zum Schluß. Es gibt keine Längen, keine „toten Kapitel" in seinen Romanen. Daß Paul Oskar Höcker auch als Vortragskünstler und als dramatischer Schriftsteller Lorbeeren errungen hat, ist unseren Lesern bekannt; sein letztes Schauspiel „Die Wappenhännse" ist ja mit star.em Erfolg über viele große Bühnen gegangen. Gewiß kennen sie auch den einen oder anderen seiner letzten Romane „Väterchen", „Weiße Seele", ,,Frühlingsstürme", „Es blasen die Trompeten" u. a. m. Daß der „Paradiesvogel" bis jetzt Höckers Meisterwerk ist, ein Roman von ganz ungewöhnlicher Kraft und Schönheit, dürfen wir wohl verraten. Der Autor hat es verstanden, dies Stück Leben aus der großen Welt mit einem Zauber duftigster Poesie, ergreifender Resignation und jauchzenden Jugendglanzes zu umkleiden, der seinen Eindruck nicht verfehlen wird.
Ire Hrfthakerr der Kettenviper.
(Zu dem nebenstehenden Bilde.)
In dem an Giftschlangen so reichen Indien lebt auch eine Verwandte unserer Kreuzotter, die Kettenviper. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Siam bis Ceylon und nordwärts bis in den Himalaja.
Sie erreicht eine Länge von I V 2 bis 1^/4 Meter. Ihre Zeichnung ist schön; auf hellbraunen:
Grunde trägt sie drei Längsreihen von dunkelen, hellgeränderten Ringflecken. Von träger Lebensart, greift sie den Menschen un
gereizt nicht an, weicht aber nicht gern vom Platze und wehrt sich unter starkem Zischen. Unsere Abbildung zeigt den geöffneten Rachen einer Kellenviper, die von einem Kuli am Halse gehalten wird. Sehr deutlich treten dabei die mächtigen Gifthaken zum Vorschein. Der Oberliefer dieser Schlangen ist beweglich, so daß er beliebig vor- und zurückgejchoben werden lann. Dadurch werden die Giftzähne beim Offnen des Rachens aufgerichtet und beim Schließen niedergelegt. Im letzteren Falle liegen sie an den Kiefer angedrückt in den häutigen Taschen, die auf unserem Bilde deutlich zu sehen sind. Diese Beweglichkeit der Zähne erhöht die Gewalt des Bisses und fördert das Einimpsen des Giftes, das aus den Giftdrüsen durch den Zahnkanal in die Wunde hineingepreßt wird. Die Gifthaken der Viper brechen sehr leicht ab und bleiben mitunter in der Wunde des gebissenen Opfers stecken. Der Verlust wird aber bald verschmerzt^ da diese Schlangen mit Ersatzzähnen versehen sind, die rasch nachwachsen. Auf unserem Bilde sieht man sie nicht, da sie noch klein und in der Hauttasche hinter den ausgebildeten Gist- zähnen verborgen such. Mitunter wachsen sie neben den vorhandenen Zähnen hervor, und dann findet man, wenn auch sehr selten, Vipern, die nicht zwei, sondern vier Gisthaken haben. Von den Indiern wird die Keltenviper Daboia genannt; sie ist ein Dämmerungstier und jagt kleine Wirbeltiere, die ihr als Nahrung dienen.
Anpffanzen von Weis in Japan. (Zu dem Bilde S. 28.) Einer der wichtigsten Ernährer der Menschheit ist der Reis, bedeutsam vor allem darum, weil er als Sumpfpflanze Ausnutzung weiter Landstriche gestattet, die für die Pflege anderer Kulturpflanzen sich nicht eignen würden. Ostindien ist wohl seine Heimat, und schon vor vielen Jahrtau enden drang seine Kultur nach China und Japan vor, während sie in Babylonien erst einhundert Jahre v. Chr. und in Europa viel später durch die Araber eingeführt wurde. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts kam der Reis nach Amerika, und zwar nach Karolina, wo jetzt der beste Reis gebaut wird. Dort ist die Kultur bedeutend entwickelt worden; Dampfpflüge bearbeiten die Reisfelder, und durch Maschinen wird die Aussaat besorgt. In China und Japan hält man noch in dieser Hinsicht am Alten fest und benutzt ein umständlicheres ginn der Regenzeit richtet sich der Reisbauer
Gifthaken der Kettenviper.
oll
Altägyptisches
Fayeneerelief.
Verfahren. Beim Be-
ein Saatbeet her, das mit einem zwei Fuß hohen Erddamm umgeben wird. Durch Zuführung von Wasser wird das Beet in einen Sumpf verwandelt. Nach einigen Tagen läßt man das Wasser ab und sät nun die Reislörner breitwürfig in den Schlamm. Sobald die Pflanzen erscheinen, wird dem Beet von neuem Wasser zugeführt, aber nur in der Menge, daß die Spitzen der Pflanzen aus dem Wasser hervorragen. Inzwischen richtet man durch Hacken und Überfluten das Reisfeld her. Nach vierzig Tagen sind die Sämlinge so weit gediehen, daß sie verpflanzt werden können. Die Pflänzchen, an deren Wurzeln noch etwas Erde anhaf-