Heft 
(1906) 02
Seite
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Asta brach das stimmungsvolle Halbstündchen ab, indem sie einen Gang mit Sabine durchs Zimmer antrat. Sabine entsann sich dabei, daß es Zeit für sie war zu gehen. Sie trennten sich wortlos, als wäre es in dieser Stimmung viel zu profan zu sprechen.

An dem Fremden, dein Sabine im Treppenhaus be­gegnete, ging sie gesenkten Hauptes vorüber, denn sie fühlte noch die Feuchtigkeit ihrer Augen.

... In dieser Stunde fand dann also das erste Wieder­sehen der Geschiedenen statt. (Fortsetzung folgt.)

Wirtschaftliche

Von Cal

it großer Genugtuung wird ein jeder, dem die Zukunft unserer überseeischen Politik am Herzen liegt, die amt­liche Ankündigung vernommen haben, daß das Deutsche Reich nunmehr in die Bahnen kolonialer Selbstverwaltung einlenken, also mit dein bisher verfolgten System bureaukratischer Ver­waltung brechen will. Freilich kommt dieser Entschluß etwas spät, nachdem das bisher verfolgte System auf der ganzen Linie Bankrott gemacht hat und nachdem mindestens eine halbe Milliarde Mark in unserenkolonialpolitischen Lehrjahren" draufgegangen ist. IndesI'i8 never I 00 late to menä" oder besser spät, als gar nicht", wie wir Deutschen sagen. Der neue Chef der deutschen Kolonialpolitik, der Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg, hat es übernommen, diesen System­wechsel praktisch durchzuführen. Damit hat eine Epoche über­seeischer Experimente hoffentlich ihr Ende gefunden, die nicht eben ein Ruhmesblatt in der deutschen Geschichte darstellt. An ihren Verschuldungen nehmen viele teil; aber vor der Nachwelt wird sie wohl ein- für allemal durch dasSystem Soden" abgestempelt bleiben, als des markantesten Vertreters despapiernen Zeitalters" in unserer Kolonialpolitik. Öde Akten­schreiberei nach Tausenden von Zentnern; unnötige Schikaniererei weißer Einwanderer durch Verordnungen und Verbote aller Art; ein schwerfälliger und teurer Beamtentroß; dabei Kajo- lierung der Eingeborenen; Unterlassen der Nächstliegenden wirtschaftlichen Arbeiten, wie Wegebau, Flußregulierungen usw., ausMangel an Fonds", sind ihre hervorspringendsten Merk­male; ihr Ergebnis fast durchweg: Fiasko der. wirtschaftlichen Unternehmungen, Rebellionen der Eingeborenett'und die Ver- pulverung von über einer halben Milliarde öffentlicher Gelder. DasSystem Soden" mit seinen Begleiterscheinungen hat dem Deutschen Reich etwa ein Achtel der berühmten französischen Kriegskontribution gekostet.

Jetzt lohnt sich dieser Rückblick auf die von uns gemachten Fehler nur so weit, als wir daraus für die Zukunft lernen können. Es ist zwar nicht sonderlich viel, aber es ist doch immerhin etwas, wenn man genau erkennt, wie eine Sache nicht gcwacht werden darf. Mit unserer jungen Kolonial­politik stehen wir hoffentlich einer so andauernden geschichtlichen Entwicklung gegenüber, daß 21 Jahre experimentellen Umher­tappens doch nur als eine Art von Präludium aufgefaßt zu werden brauchen. Wenn man die Geschichte britischer Kolonial­politik durchblättert, findet man, daß solche prinzipiellen Miß­griffe auch dort wiederholt gemacht wurden; z. B. in Birginien; dann gegenüber den Vereinigten Nordamerikanischen Kolonien, was Großbritannien diese Kolonien kostete; in Australien, das man über ein halbes Jahrhundert als Verbrecherkolonie behandelte, usw. Wir brauchen also nicht zu verzweifeln, weil wir praktische Kolonialpolitik erst allmählich lernen. Es wäre in der Tat mehr als wunderbar "gewesen, wenn der preußische Beamten- und Militärstaat, mit dem die Hohenzollern die Einigung Deutschlands durchgeführt haben, es ohne weiteres verstanden hätte, freie Gemeinwesen über See zu schaffen.

Wohl aber sollte das deutsche Volk sich jetzt über die Gesichtspunkte klar werden, die für eine praktische Kolonial­politik in Frage kommen. Ich will versuchen, einige solcher Gesichtspunkte, die mir als die wesentlichsten erscheinen, hier kurz und möglichst deutlich darzulegen. Ich darf aus­sprechen, daß sie mich bei meiner eigenen kolonialpolitischen Tätigkeit in Deutschland von jeher geleitet haben. Wer sich

Kolonialpolitik.

l Peters.

die Mühe geben will, in meinemDeutsch-National" (s. be­sonders S. 7479, S. 9193) oder in meinemDas Deutschostafrikanische Schutzgebiet" (s. S. 118, 376418) darüber nachzulesen, wird finden, daß die nachfolgenden Grundgedanken seit mehr als 20 Jahren mein eigenes Kolonialprogramm gebildet haben. Aber ich habe meine Anschauung seitdem durch meine Tätigkeit in den britischen Kolonien südlich des Sambesi nach manchen Richtungen hin erweitern können und glaube demnach, heute mit größerer Bestimmtheit als in den achtziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts auf folgende Tatsachen als die unumgängliche Vor­aussetzung für kolonialpolitische Erfolge Hinweisen zu können.

Um deutlich zu verstehen, wie die Entwicklung von Kolonien anzufassen ist, muß man immer im Auge behalten, zu welchen Zwecken ein Staat neue Landgebiete in Besitz nimmt. Stets waren es wirtschaftliche Bedürfnisse, die die Völker zur Kolonialpolitik getrieben haben. Entweder mußte neues Land für die anschwellende Bevölkerung erworben werden, oder aber es war nötig, Terrain in anderen Zonen sich anzueignen, in denen Artikel gebaut werden konnten, die der Volkshaushalt nötig hatte, die aber in der Heimat nicht kultiviert werden konnten. In beiden Fällen wurden auf diese Weise sichere Absatzgebiete für den heimischen Handel gewonnen. Dies ist die Grundlage für jede gesunde kolonial­politische Unternehmung gewesen, von den Tagen der Phönizier und Karthager, der Griechen und Römer bis zu den Siedlungsarbeiten der Deutschen in den Ländern zwischen Elbe und Weichsel und an der mittleren Donau, sowie den überseeischen Eroberungen der Portugiesen und Spanier, der Holländer, Franzosen und Engländer, der großen russischen Expansion in Zentral- und Ostasien, und der letzten Auf­teilung tropischer Gebiete im letzten Vierteljahrhundert, an denen Deutschland zum ersten Male wieder teilgenommen hat. Immer galt es die Gründung entweder von Ackerbau- oder von Plantagenkolonien; und jedesmal zog der nationale Handel aus einer gesunden wirtschaftlichen Ausdehnung un­mittelbaren Vorteil.

Es sind also Koloniegründungen ihrer allgemeinsten Klassifizierung nach Terrainspekulationen, und zwar Terrain­spekulationen ganzer Völker. Deshalb können sie weiter ausschauend sein als die Spekulationen eines Einzelnen, eben weil ein ganzes Volk länger auf Profite warten kann als ein Individuum. Im übrigen aber müssen sie genau nach den Gesichtspunkten jeder gewöhnlichen Terrainunter­nehmung behandelt werden. Im Privatgeschäft nun macht jemand, der sich Grund und Boden auf Spekulation kauft, seinen Gewinn dadurch, daß er eine Preiserhöhung des Landes bewirkt; solche Preiserhöhung aber wird geschaffen da­durch, daß man entweder das Terrain durch geeignete Ver­kehrsmittel an den Weltmarkt anschließt oder durch Parzellierung des Ganzen nach den verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten im einzelnen schmackhaft für einzelne macht.

Wenn wir dies Prinzip auf Kolonialpolitik anwenden, so finden wir, daß der Staat zunächst natürlich die entsprechenden Ländereien sich zu besorgen hat. Dies kann durch Kauf oder einfache Besitzergreifung geschehen. Das letztere ist jedenfalls das billigere Verfahren. Ein kolonisationsbedürftiges Volk kann seine Hand niemals auf zu große Länderstrecken legen. Je mehr die nationale Flagge zunächst deckt, um so besser.