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In Deutschland waren es GutsMuths und Jahn, die sich als Neubeleber der Jugendspiele in raschem Fluge die Herzen des Volkes und der Jugend eroberten. Leider wurde die damals so mächtige Bewegung aber nur zu bald wieder gehemmt. Schon im Jahre 1820 wurden die neuerstandenen Turnanstalten aus politischen Gründen wieder geschlossen und erst Anfang der vierziger Jahre der Jugend wieder eröffnet. Es war jedoch jetzt nicht mehr das frisch fröhliche Turnen im Grünen, wie es GutsMuths und Jahn gefordert hatten, es war ein modernes Schulturnen geworden, das sich auf einseitige Körperüdungen beschränkte und vielfach in Künsteleien und Athletik an komplizierten Geräten in geschlossenen, gesundheitsschädlichen Räumen ausartete. Man hatte den Hauptzweck vergessen, daß das Turnen eine ebenmäßige Entwicklung des ganzen Körpers erstreben solle.
Bessere Erkenntnis brach sich aber auch hier Bahn. Einzelne Forscher und Freunde der Jugend, ich meine hier namentlich Franz und Lorinser, machten immer wieder auf die Schädlichkeiten der heutigen Schulerziehung aufmerksam. Mit warmen Worten hoben sie den Wert tüchtiger körperlicher Übung für die Heranwachsende Jugend hervor. Ihre Ideen wurden von anderen Jugendfreunden ausgenommen, die sie in die Wirklichkeit umzusetzen suchten, und den vereinten Anstrengungen dieser Männer, von denen ich Hermann, Koch, Ragot, Schmidt, Hartwig und den Freiherrn von Schenkendorf hervorheben will, gelang es endlich durchzusetzen, daß zuerst in Berlin 1868 , dann in Braunschweig 1872 die Spiele obligatorisch an einzelnen Schulen eingeführt wurden.
Wirklich ausschlaggebend für eine allgemeine Einführung der Jugendspiele wurde erst im Jahre 1882 ein denkwürdiger Erlaß des damaligen preußischen Kultusministers von Goßler, der sich in lebhafter Weise für die Einführung der Jugendspiele an den höheren Unterrichtsanstalten aussprach.
Seitdem hat nun die Spielbewegung immer größeren Aufschwung genommen, und neuerdings hat sich ein Zentralausschuß gebildet, der immer weitere Kreise für das Jugendspiel zu gewinnen sucht. Auch das preußische Unterrichtsministerium hat sich für die Sache sehr interessiert und durch mehrere Erlässe den Spielen eine richtige Stellung im Schulplane gegeben, indem für die verschiedenen Klassen verschiedene Spiele festgesetzt wurden.
Einen ganz besonderen Reiz erhalten die Spiele wie die einzelnen Sportarten, indem sie als Mittel zu Wettkämpfen benutzt werden. Vorzugsweise im Norden und Westen der preußischen Monarchie stehen die Schülerwettspiele in Blüte und haben unter den Schulleitern, bei städtischen und königlichen Behörden Fürsprecher gefunden. Bekannt ist das Wettbarlaufspiel der höheren Lehranstalten Berlins um den Vismarckschild, den die siegende Anstalt dreimal zu verteidigen hat, ehe der Preis in ihren Besitz übergeht. Welches Interesse unser Kaiser diesen Veranstaltungen entgegenbringt, geht daraus hervor, daß er den Berliner Schülerrudervereinigungen ein neues Bootshaus zur Verfügung stellen ließ und bestimmte Verordnungen für das Wettrudern gab, bei dem er persönlich erscheint und die von ihm gestifteten Preise den Siegern überreicht.
Die weitesten Kreise sollten Mitwirken, diese Bestrebungen mit aller Tatkraft zu unterstützen, denn die Spiele sind für unsere Heranwachsende Jugend ganz außerordentlich viel wert.
Die Spiele sind ja im Grunde genommen auch nichts anderes als Turnübungen, und sie beschäftigen auch ganz gewiß den Geist des Kindes. Es besteht aber doch ein großer Unterschied zwischen Turnen in der Turnstunde und Turnen im Spiele. In der Turnstunde wird dem Schüler das notwendigste Maß körperlicher Bewegung gewissermaßen in konzentrierter Form dargeboten, in kurzdauernder Anspannung und Anstrengung einzelner Muskelgruppen soll er die Leibesübung erhalten.
Ganz anders verhält es sich beim Spiel. Dieses soll täglich geübt werden, und bei ihm werden nicht einzelne Muskelgruppen geübt, sondern es werden größere Muskelmassen, ja meist alle Körpermuskeln nach und nach in Bewegung
gesetzt, ohne einzelnen zu viel zuzumuten und sie zu ermüden. In den meisten Spielen ist es vor allem der Lauf, der mit seiner mächtigen Einwirkung auf Atmung und Herztätigkeit ebenso ausgiebig wie mit Ausschluß jeder schädlichen Überanstrengung zum Betriebe kommt. In mannigfacher Weise werden ferner die Muskeln der Arme und des Rumpfes geübt. Werfen des kleinen, Schleudern des großen Balles, Fangen des Balles, Zurückschlagen mit dem Schlagholz, mit der Faust oder dem Fuße erfordern kraftvolle Betätigung des ganzen Körpers, nicht minder aber auch eine geschickte Hand, ein sicheres Auge und Schlagfertigkeit.
Die erhöhte Stimmung aber, in die die Spiellust versetzt, und die Art der Bewegungen, die nicht auf Kommando geschieht, die vielmehr gewissermaßen unbewußt vollzogen wird, die kein mühsames Erlernen erfordert und die Gedächtniskraft nicht in Anspruch nimmt, die verleiht dem erschöviten Nervensystem wirklich Erholung. Nur wer selbst an solch m Spielen teilgenommen hat, der weiß, wie unendlich wohl man sich nach ihnen befindet.
Wir haben eine ganze Anzahl guter deutscher Spiele, wie Laufball, Barlauf, Faustball, Tambourinschlagen usw. Aber auch die aus dem Ausland übernommenen Spiele, wie Fußball, Kricket und namentlich Lawn-Tennis, haben sich Lei uns eingebürgert. Es gibt also keinen Mangel an Spielen und es fehlt nicht an Abwechslung.
Welche Wirkung die Spiele nun auf die Heranwachsende Jugend haben, kann ich aus dem Beispiele Deutschlands leider noch nicht zeigen, da bei uns die Bewegung noch zu jung ist. Richtet man aber den Blick nach England, so wird man rasch erkennen, was konsequente Durchführung der Spiele zu leisten vermag.
In England wird das Spiel schon seit Jahrhunderten geübt. Uralt ist namentlich das Fußballspiel, aber auch das Kricket reicht seinem Ursprünge nach bis weit in das 18 . Jahrhundert zurück. In England spielt alt und jung, hoch und niedrig. Zu den genannten Spielen kommt dort noch als viel gepflegte Übung das Rudern hinzu, das namentlich an den Universitäten energisch betrieben wird.
Die englischen Schulen spielen alle mehrere Stunden täglich; das Spiel ist dort ein wesentlicher Bestandteil des ganzen Unterrichtswesens, denn die Engländer haben es sehr wohl erkannt, daß die Spiele nicht nur dem Einzelnen körperliche Wohltaten bringen. Sie pflegen die Spiele vielmehr deshalb, weil das systematisch betriebene Spiel noch ganz andere Faktoren in sich birgt, weil es namentlich im höchsten Maße charakterbildend wirkt.
Zunächst gewöhnen die Spiele an Ausdauer und Geduld. Man muß es gesehen haben, wie die englischen Knaben stunden- und stundenlang, Tag für Tag üben, um den Kricketball in richtiger Weise treffen zu können, man muß es erfahren haben, wie sie Wochen- und monatelang vorher sich mit unermüdlicher Geduld auf einen bevorstehenden Wettkampf bis ins kleinste Detail hinein vorbereiten, man muß gesehen haben, wie ihnen ein Mißerfolg erst recht zum Ansporn wird, in ihren Anstrengungen nicht zu ermüden, bis auch ihnen endlich der Sieg zusällt, um zu begreifen, wie ihnen die Spiele die Festigkeit des Charakters verleihen, die wir als hervorragende Eigenschaft des Briten kennen.
Das Spiel erzieht den Übenden auch Zur Selbstkontrolle und zur Kaltblütigkeit. Der Spielende kann nur dann Erfolge erreichen, wenn er sich selbst in Zucht hat, wenn er dem Spiele mit gespannter Aufmerksamkeit folgt. In jeder Phase des Spieles tritt die Notwendigkeit an ihn heran, sich schnell zu entschließen und den gefaßten Entschluß unter Umständen zur Tat werden zu lassen. Unbedingt muß sich der Spielende den Geboten der Spielanführer unterordnen. Hierin liegt aber wieder ein wertvolles pädagogisches Moment, denn spielend werden die Spielenden an Gehorsam und Subordination gewöhnt.
Wenn aber die Spielkämpfe zwischen den einzelnen Schulen und Universitäten in England das ganze englische Volk in