ZlliMrlmer fsmMenblan. ^ s«,»».,k.»r,
2u begehen ohne frauenblatt in wöchentlichen liUMMtkN vierteljährlich 2 Hl. oäer in vierrehntäglichen VSPpelNUMMtkN ru je ZS Pf.; mit frauenblatt in wöchentlichen IjefteN ru je 25 Pf. oäer in vierrehntäglichen ÜSPpelhefieN ru je 50 Pf.
Paradiesvogel.
(3. Fortsetzung.) Roman von Paul Oskar Löcker.
anz so kameradschaftlich — so wunschlos kameradschaftlich, wie Gernot sich's im Entstehen dieser Freundschaft eingeredet hatte — war es zwischen ihm und der jungen Baronin doch nicht geblieben. Sie hatte so völlig Besitz von ihm und Sabine ergriffen, daß ihm oftmals, in einer plötzlichen Erinnerung an Sabinens Mutter, der Atem stockte. Es stand jetzt zum ersten Male etwas in seinem Leben, das er mit der innigen Huldigung für die Verblichene nicht recht in Einklang bringen konnte. Sabinens wegen erschien ihm das wie eine Versündigung an dem Heiligtum, das sie sich beide in lichten Weihestunden errichtet hatten. Er sah die Gefahr täglich, stündlich wachsen. Aber schon war der Einfluß der Freundin zu groß, ihre liebenswürdige Macht zu stark, zu bestrickend, als daß er sich ihr noch hätte entziehen können. Und prüfte er sich ehrlich, so wollte er es auch gar nicht mehr.
Anderen, die Augen hatten, war es natürlich auch nicht entgangen. Der große Galeotto ging ja in allen Kreisen des Berliner Westens um. Unmöglich, daß ihm zwei so markante Ausnahmeerscheinungen entgingen wie der feuerköpfige Reichstagsabgeordnete, dessen Name im letzten Winter besonders durch die große Kunstdebatte volkstümlich geworden war, und wie die pikante blonde junge Freifrau, deren geschiedene Ehe noch immer das lockende Thema von hundert dunkelen Vermutungen bildete.
Die einzige auch heute noch ganz und gar Arglose war Sabine. Vielleicht weil sie allein von allen die tiefe Innigkeit kannte, die Zwischen den Eltern geherrscht hatte, und weil sie bis in die letzten Monate hinein die verschwiegene Zeugin des unendlichen Herzeleids gewesen war, das sich nach dem Tod d:r Mutter in ihres Vaters völliger Vereinsamung ausgeprägt hatte.
Heute hatte die kleine Kavalkade einen Zuwachs erhalten: mit Herrn von Wyschnewski waren Schwester und Schwager erschienen — Frau Berte von Tielernhorst-Trenklin, Sabinens Pensionsfreundin, eine glatte, mollige Puppen sch önh eit mit übertrieben kleinem Mund, und ihr Gatte, der junge Legationsrat, der vor acht Tagen aus Madrid herversetzt worden war, ein magerer, semmelblonder, ziemlich steifer Herr mit etwas entzündeten Augen.
Sabine hatte sich mit der Pensionsfreundin, die schon Mutter zweier Rangen und darauf nicht wenig stolz war, bereits mehrmals bei gegenseitigen Besuchen oberflächlich ausgesprochen. Im großen und ganzen waren sie beide von einander enttäuscht: Verte hatte trotz Madrid und spanischen
1906. Nr. 4.
Hofes ihren kleinen Pensionsmüdchengesichtskreis behalten, auch der junge Legationsrat, der sich so geflissentlich bemühte, eine diplomatische Würde an den Tag zu legen, die ihm sein wenig bedeutendes Äußeres durchaus nicht recht gestatten wollte, stimmte nicht ganz in den herzlichen, unbefangenen Ton ein, den sein Schwager gegen die Freundin seiner Frau anschlug. Und der Baronin von Gamp gegenüber verhielten beide sich von Anfang an stark zurückhaltend, wenn nicht ablehnend. Das Reitrendezvous war nun aber schon beim ersten Besuch verabredet worden, also ließen sie es korrekterweise dabei bewenden. Der Marineleutnant hatte dem Schwager und der Schwester durch persönliche Borausbestellung bei Herrn von Soter gute Pferde gesichert. Da sie aber in den Wochen der Übersiedlung gar nicht zum Reiten gekommen waren, so fehlte ihnen die rechte Übung. Das steigerte nicht die Behaglichkeit, und der Trupp ward schon auf dem Hinweg zum Grunewald öfters auseinandergerissen.
So oft die in: ersten Gliede in ein flotteres Galopp - tempo fielen, wurde Frau Berte nervös. Sowohl Sabine als auch ihr Kavalier waren aber noch nicht vorgeschritten genug in der Reitkunst, um ihre Pferde, wenn einmal eine schärfere Gangart angeschlagen war, zurückzuhalten. Es machte ihnen auch kein besonderes Vergnügen, immer wieder das Tempo zu verkürzen; es erschien ihnen viel reiterischer und schneidiger, auf den stillen Waldwegen die Tiere ausgreifen zu lasten. Immer wieder klangen daher Frau Astas Mahnrufe an ihr Ohr: „Zügel nicht
schlottern lassen — mehr beizäumen — mehr rechts stellen, kürzer machen die Pferde und Tempo halten!"
Es war ein Heller Aprilmorgen, noch recht kühl und auch ziemlich wmdig, aber doch so sonnig, daß man sich inmitten der weiten Kiefernwaldungen, durch deren Geäst ein klarblauer, sozusagen frischgewaschener Himmel lugte, fast sommerlich angemutet fühlte. Sabine war in bester Stimmung. Mit Hellen Augen sah sie sich um. Das war ein Zwitschern im Geäst! Munter flogen die gefiederten Scharen vor der kleinen Kavalkade auf. Sie freute sich über das wechselnde Licht, die kühl entgegenstreichende Luft. Und dazu dieses wonnige Fliegen und Schweben und Wiegen, dieser eigene Rhythmus, zu dem sich Roß und Reiter verbanden.
Asta empfand die Verpflichtung, ab und zu ein wenig Zu warten, um dem neuen Paar, das zumeist euren beträchtlicher:
8