Heft 
(1906) 04
Seite
85
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an Fuchs und Marder und Nerz und Wiesel? So rotte doch andere Pelzträger aus . . . und über alle Menschlichkeit trägt der Magen, tragen Prahlsucht und Eitelkeit den Sieg davon, in blinder Gier oft sinnlos mordend.

Wie viele Millionen von Tieren sind nicht allein an dem einen törichten WorteMode" zugrunde gegangen! Vor etwa zehn Jahren war es Mode, Muffe aus dem glänzend schwarzen, langhaarigen Fell des Satansaffen (Lolobrw 8atava8) Zu tragen. Nach einer vom Gouverneur der Goldküste aufgestellten Statistik wurden deshalb 1893 nicht weniger als 200 000 dieser Affen abgeschossen, deren Felle einen Wert von 600 000 Mark dar­stellten. Drei Jahre später aber war der Satansaffe bereits so selten, daß nur noch 67 600 Felle im Werte von 300 000 Mark ein Aufschlag von fast 50 v. H. aus geführt werden konnten. Zum Hutschmuck deutscher Frauen wurden 1897 von einer einzigen deutschen Firma nicht weniger als 20 000 Stieglitzbälge in Paris bestellt. Ein paar Jahre später schoß man zum selben Zwecke binnen einem Jahre 12000 Stummelmöven ab.

Der Reingewinn, den die Hudsonbai-Company aus dem Handel mit Fellen und Pelzen zieht, beträgt nach ungefährer Schätzung jährlich 21,2 Mil­lionen. Freilich verdient die englische Gesellschaft dabei an einzelnen von der Mode be­sonders bevorzugten Pelzen bis zu 500 v. H. Wenn wir uns aber andererseits ver­gegenwärtigen, daß der in­dianische Jäger laut Tarifs erst für 16 Biberbälge eine Flinte oder ein Pfund Pulver, erst für vier solcher Bälge eine wollene Decke erhält usf., so verraten uns diese Ziffern, wie erbarmungslos hier der Vernichtungskampf gegen alles pelztragende Getier geführt wird. Im Jahre 1887 konn­ten noch 102 715, im Jahre 1901 nur noch 44200 Biber­bälge ausgeführt werden. Im vorigen Winter hatte die launische Mode von Paris aus den Maulwurf zum König der Pelztiere proklamiert, und allent­halben hat alsbald der Vernichtungskampf gegen diesen tüchtig­sten Feind der Engerlinge, den wackeren Minierer, begonnen. Und so rücksichtslos ist dieser Kampf geführt worden, daß der Preis des kaum handgroßen Pelzstückchens, das früher 7 Pfennige wertete, bald schon auf 50 Pfennige und darüber gestiegen war.

Kaum minder verhängnisvoll in ihrer Wirkung auf den Bestand des Tierreichs sind Jagdsport und Habgier all­gemach geworden. Um die Geweihe Zu erbeuten, erlegte kürz­lich eine Schar Bergnügungsreisender auf Spitzbergen an einem Tage 200 Rentiere; 47 der Opfer kamen dabei auf eine einzige hohe Persönlichkeit". Das Aussterben des amerikanischen Bison ist lediglich auf das Konto der weißen Jäger zu setzen, von denen einzelne des Felles wegen in einer Stunde über 100 Stück der so nützlichen Rinder niederknallten. Der amerikanische Robben­schläger Coreal rühmt sich, im Verein mit 40Jagdgenossen" binnen einer halben Stunde nicht weniger als 400 Elefanten­robben (Ulloea elepllantina) niedergemacht zu haben, und eine andereJagdgesellschaft" will im Laufe einer Woche gar 1200 dieser schwerfälligen, großen Tiere erschlagen haben. Der Löwe der Berberei und sein persischer Vetter sind von französischen und englischen Sportsleuten fast gänzlich ausgerottet worden; mit dem afrikanischen Nashorn und Elefanten, mit der Giraffe und vieler: Antilopenarten steht es in den meisten Gegenden nicht viel

besser. Dem Wale ist man in letzter Zeit derartig zu Leibe gegangen, daß die norwegische Regierung sich veranlaßt sah, eine gesetzliche Schonzeit für dieses kostbare Wild einzuführen; im Jahre 1901 sind einer Statistik zufolge nicht weniger als 498 dieser riesigen Meeressäuger an der norwegischen Küste erlegt worden, binnen 30 Jahren aber (nach Scammon) gegen 300 000. Wir ereifern uns, wenn wir lesen, daß der Kaiser Heliogabal Nachtigallenzungen gegessen habe: in der Markthalle zu Nizza kamen im vorigen Jahre binnen vier Monaten 336 000 Drosseln, 581 000 Lerchen und 500 000 andere Singvögel zum Verkauf. Neuerdings erfreut sich der Schwanz des Kän­guruhs besonderer Wertschätzung bei den Gourmets. Die Folge davon ist, daß das Känguruh, dem Aussterben nahe, aus der Umgebung menschlicher Niederlassungen verschwunden ist und sich in die schwer zugänglichen Gebirgsgegenden geflüchtet hat.

War in den bisher erwähnten Beispielen der Mensch die unmittelbare Ursache des Aussterbens dieser oder jener Tierart,

so wird er durch mancherlei Maßnahmen oft auch mittel­barer Anlaß. Der berüch­tigteKahlhieb" hat beispiels­halber mit dem Verschwinden des gesamten Unterholzes des Forstes auch das Verschwinden der an jenes gebundenen Tier­welt zur Folge. Mit dem Buchenhochwalde schwindet der Auerhahn.

Doch auch ganz ohne Zu­tun des Menschen können Tierarten aussterben, wie bei­spielshalber in: September

1898 der kleine bronzefarbene Kolibri der Insel St. Vincent durch einen Zyklon völlig aus­gerottet wurde. Aber solches Zugrundegehen in einem na­türlichen Kampfe ums Dasein dürfte seit Menschen­gedenken doch sehr vereinzelt dastehen.

Die Liste der durch mensch­liches Verschulden allein im verflossenen Jahrhundert aus­gestorbenen oder auf den Aus­sterbeetat gesetzten Tierarten ist aller Wahrscheinlichkeit nach viel größer, als wir glauben: treten doch die unscheinbaren Spezies der niederen Tierwelt wie Akteurs dritten und vierten Ranges ohne jedes Aufsehen von der Schaubühne des Lebens, und nur die imposanteren Arten erregen bei ihrem Abgänge gleich Helden der Tragödie Bedauern und Mitleid.

Der Ausrottung der Dronte, des Riesenalks und der Stellerschen Seekuh ist in derGartenlaube" schon einmal gedacht worden. Von der Dronte ist uns noch eine Anzahl von Skeletten erhalten; ein Ei des Riesenalks, der im Juni 1844 ausgerottet wurde, brachte vor sieben Jahren 7280 Fran­ken, eine Summe, die in Gold 48 mal so viel wiegt wie das Ei selbst, ein ausgestopftes Exemplar gar 10 000 Mark; von der Stellerschen Seekuh vollends ist uns meines Wissens weder Fell noch Skelett geblieben.

In letzter Zeit hat namentlich das Schicksal des amerika­nischen Bisons oder Büffels Aufsehen erregt, der heute in einer Anzahl von nur noch 630 wildlebenden Tieren ein kümmer­liches Dasein fristet. Und doch waren von diesen: Wieder­käuer, der dem Indianer seit Urzeiten alles lieferte, dessen er zum Leben bedurfte, Nahrung, Kleidung und Wohnung, noch Millionen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in den weiten Prärien westlich vom Mississippi vorhanden. Da kam 1869 der Bau der Zentral-Pacificbahn, die die Massen zunächst in eine südliche und eine nördliche Herde vm:

Moschusochse.

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