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Da keiner der drei Eroberer von den Planen des anderen wußte, so hielt sich ein jeder für den Entdecker des Landes und schickte sich an, seine Rechte mit den Waffen zu verteidigen. Ein Kampf schien unvermeidlich. Schließlich kam aber ein Vergleich zustande, demzufolge Federmann eine Abfindungssumme erhielt, wogegen er seine Soldaten dem Quesada unterstellte. Mit Benalcazar einigte sich der letztere dahin, daß jener die den südlichen Teil Kolumbiens bildende Landschaft Pop ap an erhielt, während Oue- sada den Norden mitsamt dem Reich des Dorado in Besitz nahm. — Bei näherem Nachforschen über die den letzteren betreffenden Sagen zeigte es sich, daß diese keineswegs übertrieben waren, sondern von der Wirklichkeit noch übertroffen wurden.
Zu Anfang des 16 . Jahrhunderts standen
die auf dem 2600 Meter über dem Meere gelegenen Hochplateau wohnenden Mupscas oder Chibchas, die neben den Peruanern und Mexikanern das dritte eigenartige Kulturvolk Amerikas bildeten, unter der Herrschaft eines Priesterkönigs, des Jdacanza, sowie eines weltlichen Regenten oder Zaque. Der erste galt als Nachfolger und Vertreter des Lichtgottes Bochica, der den Menschen die Segnungen der Kultur brachte. Er residierte in Sogamoso und galt als so heilig, daß es sogar verboten war, seinen Namen auszusprechen.
Gleiche Heiligkeit umkleidete die Person des weltlichen Herrschers, dessen Residenz in Hunza, dem heutigen Tunja, lag. Seit uralten Zeiten entfalteten diese Regenten einen ähnlichen Prachtaufwand wie der Aztekenkaiser in Tenochtitlan und der
Goldzierate der Muyseas. In der
Nach den im Museum für Völkerkunde zu
> Inka in Cuzco. Sowohl die Tempel wie die ausgedehnten ^ Paläste bildeten diejenigen Plätze, wo aus weitem Umkreise
der größte Teil alles gefundenen Goldes zusammenströmte.
! Unter den heiligen Plätzen des Landes behaupteten mehrere ! im Hochgebirge gelegene Lagunen den ersten Rang, vor allen der See von Guatavita, der in der Nähe der gleichnamigen Ortschaft gegen 3000 Meter über dem Meere liegt und bei einem Durch Messer von 400 Metern eine Tiefe von 40 Metern besitzt. An ihn knüpften sich die wichtig sten Traditionen der Mupscas oder Chibchas. Hier nahm die Menschheit ihren Ursprung, hier wohnten die Göt ter und hier spielten sich die Kümpfe Zwischen dem in der Sonne verkörperten Lichtgott Bochica und seiner ebenso schönen wie ränkesüchtigen Gemahlin Chia, der Göttin der
Nacht, ab. Diese trat den friedliebenden Bestrebungen ihres Gemahls überall entgegen und sperrte, um den von ihn: eingeführten Ackerbau wieder zu vernichten, den Funzastrom derart ab, daß seine steigenden Gewässer die ganze Welt erfüllten. Fast alle Menschen ertranken, nur einigen gelang es, sich zu retten, indem sie die Gipfel der höchsten Gebirge erklommen.
Von Zorn übermannt, verwies der Lichtgott seine Gattin als Mond an den Himmel. Mit seinem Blitzstrahl spaltete er dann die Stromsperre, worauf die Flut in dem mächtigen Fall
> von Taquendama einen Abfluß fand. Als Erinnerungen an ! die Zeit der allgemeinen Überschwemmung und Not blieben
die Seen von Guatavita, Siecha, Fontana, sowie verschiedene j andere zurück. An fast allen diesen Lagunen erhoben sich
Mitte die „Zeremonie des Dorado".
Leipzig befindlichen Originalen gezeichnet.
Goldzierate der Muyseas in den Museen für Völkerkunde zu New Tork, Berlin und Leipzig.
Nach den Originalen gezeichnet.