Heft 
(1906) 05
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prächtige Tempel und Opferstütten. Der See von Guatavita galt als das höchste Heiligtum. In seine geheimnisvollen Fluten wurden die toten Herrscher des Landes versenkt und alle ihre Schätze ihnen nachgeworsen.

Wollten die lebenden Regenten in der Nähe ihrer Ahnen weilen oder den hier wohnenden Göttern opfern, so wurden sie Zunächst am ganzen Körper mit Elemi, einer wohlriechenden klebrigen Flüssigkeit, gesalbt, worauf die mit Blasrohren ver­sehenen Kammerherren den Körper über und über mit Gold­staub bedeckten.

Von den ausgezeichnetsten Häuptlingen auf einer goldenen Scheibe getragen, von der ganzen festlich gekleideten Be­völkerung gefolgt, begab sich der König nun an den heili­gen See, bestieg mit seinen Begleitern ein bereitliegendes Floß und wurde bis in die Mitte des Wasserbeckens ge­rudert, wo er die mitgebrachten Kleinodien und Edelsteine in den See warf und sie dadurch den Göttern opferte. Zum Schluß des heiligen Vorganges, in dessen Verlauf auch die am Ufer versammelte Menge große Mengen Goldes und edler Steine in das Wasser schleuderte, tauchte der König unter und wusch unter dem Schall der mächtig einfallenden Musik seine metallene Bekleidung ab. Dann kehrte er ans Ufer zurück und begab sich, von dem jubelnden Volk um­drängt, zu seiner Residenz, wo festliche Gelage und fröhliche Tänze die Feier beendeten.

Nach Unterwerfung der Mupscas bemühten die Spanier sich natürlich, den Gerüchten über die in die Lagunen versenkten Schätze auf den Grund zu kommen. Die ersten vergeblichen Versuche, die Reichtümer zu heben, wurden bereits von Ouesada selbst, und zwar durch den Kapitän La- zaro Fonto angestellt. Später erwarb ein gewisser An­tonio Sepulveda von Kaiser Philipp II. eine Konzession zur Ableitung des Sees von Guatavita. Er legte auch

tatsächlich einen Teil des Grundes trocken und fand außer Goldsachen im Wert von 12 000 Pesos einen Smaragd von großer Kostbarkeit.

Bor ungefähr zweihundert Jahren machten andere spanische Schatzsucher auf einer Seite der Hochebene, in deren Mitte der mysteriöse See wie in einer Schale liegt, einen Einschnitt, dessen Spuren noch heute sichtbar sind. Mündliche Überliefe­rungen sagen, daß es ihnen gelungen sei, diesen Einschnitt so weit zu vertiefen, bis das Wasser nur noch 14 Fuß über dem Seeboden stand. Aber plötzlich stürzten die Wände der Schlucht unter donnerndem Krachen ein, worauf infolge der in dem See entspringenden Duellen das Wasser rasch wieder seinen früheren Stand erreichte. Aber die Unternehmer hatten Zeit gehabt, einen kleinen Teil der bloßgelegten Uferränder

zu durchsuchen, was ihnen genügend einbrachte, um der spanischen Regierung die vereinbarte Abgabe von 170 000 Pesos zu bezahlen. Ein nach Madrid gesandter Smaragd soll allein einen Wert von 70 000 Pesos besessen haben.

Nach Beendigung der spanischen Herrschaft bemühten sich auch die Kolumbianer, die in den Lagunen ruhenden Schätze Zu gewinnen. Die meisten Versuche scheiterten aber. Im Jahre 1870 wollten die beiden Spekulanten Urdaneta und Crowter den See Siecha durch einen Tunnel ableiten, erstickten aber in diesem, als nur noch eine kurze Strecke zu seiner Vollendung fehlte.

Während aller dieser Versuche wurden außer vielen Edel­steinen höchst interessante Goldzierate und Götterfigürchen gefunden, von denen die meisten leider in die Schmelztiegel wunderten. Nur wenige konnten von den Museen Amerikas und Europas erworben werden. Fast alle diese Goldarbeiten bekunden das große Geschick ihrer Urheber in der Bearbeitung der Metalle. Manche zeichnen sich durch eine eigenartige Technik aus und sind aus vielen einzelnen Goldblechstück­chen und Drähten kunstvoll zusammengesetzt. Andere sind über steinerne Modelle gehämmert oder in tönernen Formen gegossen worden.

Unstreitig das interessanteste Stück fand man im Jahre 1856 in dem 3637 Meter über dem Meere gelegenen, 34 Meter tiefen und 220 Meter im Durchmesser haltenden See von Siecha, nachdem es gelungen war, dessen Spiegel um 3 Meter tiefer zu legen. Es war eine 162 Gramm schwere, aus purenr Gold gefertigte Gruppe, die als dieZeremonie des Dorado" gedeutet worden ist. Das kostbare Stück bestand in einen: scheibenförmigen Floß, das aus einer konzentrischen Spirale gebildet und von stärkeren Stäben zusammengehalten war. Auf diesem Floß hockten zehn menschliche Figuren, von denen neun eine Höhe von je 3,2 Zentimeter besaßen und durch ihren Kopfputz sich als Häuptlinge kennzeichneten. In ihrer Mitte befand sich die 7,1 Zentimeter hohe Figur des Zaque oder Kaziken mit einer seine Würde andeuten­den, aus vielen Goldringen zusammengesetzten Krone auf dem Kopf und einem Szepter in der Hand. Die vor dem Kaziken hockende Figur trug einen Korb mit den zu versen­kenden Opfergaben.

Leider ging dieses hochinteressante Stück auf dem Transport von Bogota zum Völkermuseum in Berlin unter. Glücklicher­weise haben sich mehrere Photographien, sowie eine in vergoldetem Silber ausgeführte Nachbildung erhalten, von denen die letztere sich jetzt im Besitz des Museums für Völkerkunde zu Leipzig befindet und u. a. im Jahrgang 1900 derGartenlaube" unter dem TitelGoldsloß des Königs Dorado" beschrieben wurde.

Zu Mozarts Gedächtnis.

(Mit den Abbildungen auf den Seiten 104, 105 und IN.)

27. Januar feiert die Welt einen Gedenktag, der inmitten der grauen Wintertage wie ein blühender, sonniger Lenztag steht: Mozarts Geburtstag! Hundert und fünfzig Jahre sind's her, daß im Hause des erzbischöflichen Vizekapellmeisters Leopold Mozart zu Salzburg der kleine Wolfgang Amadeus geboren wurde, ein hübsches, feines Kind, das die Mutter herzte, ohne zu ahnen, was sie der Welt mit diesem Knaben für ein Geschenk gemacht. Gleich­wohl zeigte sich frühzeitig des kleinen Amadeus großes musikalisches Talent, er lernte fleißig unter der gewissenhaften Führung des Vaters und komponierte in einer Zeit, da normale Kinder die ersten Haar- und Grundstriche auf die Schiefertafel schreiben. Es war kein Wagnis, daß der Vater mit dem Sechsjährigen und der um 5 Jahre älteren Schwester 1762 eine Kunstreise nach München unternahm der Miniaturvirtuose erntete ungeheuren Beifall. Im Herbst des genannten Jahres spielte Amadeus vor Kaiser Franz 4 in Wien mit dem gleichen Erfolg, und eine Geige, die er zum Geschenk er­hielt, veranlaßte ihn, von nun an auch Violine zu spielen. 1763 bis 1766 wurden die Ziele schon weiter gesteckt! Die ganze Familie zog mit, und über Bayern, die Rheinprovinzen und Niederlande

ging's nach Frankreich, wo der Wunderknabe dem König in der

Versailler Schloßkapelle die Orgel vorspielte und sich auch als

Klavierkomponist hören ließ. Es war ein Triumphzug, der zu weiterem Flug die Flügel stärkte. Während eines Aufenthalts in England komponierte Wolfgang Amadeus sechs Klaviersonaten, der Königin gewidmet, und auch in Holland, wo ihn eine Krankheit monatelang daniederwarf, schrieb er sechs weitere Sonaten, die er dem Prinzen von Nassau-Weilburg zueignete. 1766 ging's durch Schwaben und die Schweiz in die Heimat zurück, in der sich der junge Mozart zwei Jahre ernsten Studien hingab und sich an Bach, Händel und den älteren Italienern bildete. Auf einer zweiten Wiener Reise komponierte er nicht nur seine erste komische Oper: tinta semplice" in des Königs Auftrag, sondern schrieb auch

ein Tedeum und nach der Rückkehr eine Operette:Vastien und

Bastienne". 1769 zum salzburgischen Hofkapellmeister ernannt, 1776 auf Kunstreisen in Italien, heimste er Orden und Ehren ein, vergaß aber über allen Triumphen das Arbeiten nicht. In diese Jahre fallen die Kompositionen der OperNitriäate", des Fest­spiels ,,486anio in undII sogwo äi Leipione", der Opern