Mozarts Geburtszimmer im Mozarteum zu Salzburg.
„Imelo 8111a" und ,Pa ünta Kiaräiviera", verschiedene Kirchenkompositionen, die Operette „Zaide" u. a. m. Nach und nach ward Mozart der Aufenthalt in Salzburg verleidet; die kränkende Behandlung seitens des Erzbischofs, der Mangel an künstlerischer Anregung trieben ihn fort. Er begab sich 1777 auf Reisen, kehrte aber, enttäuscht durch die fruchtlosen Bemühungen, eine gute Stelle zu bekommen, 1779 nach Salzburg zurück. 1781 ging er zum zweitenmal, durch widrige Verhältnisse gezwungen. Er siedelte nach Wien über, heiratete die Schwester seiner Jugendliebe, Konstanze Weber und schrieb, angeregt durch die von Joseph II. gegründete nationale Opernbühne, seine erste deutsche Oper „Die Entführung aus dem Serail". Seine Zeitgenossen verstanden ihn nicht. Auch seine 1786 erscheinenden Meisterwerke: „Figaros Hochzeit" und „Don Juan" hatten lange zu kämpfen, ehe ihre Aufführung jubelnd beklatscht wurde. 1788 entstanden die drei wundervollen Sinfonien in Ls-äur, 0-mol! und 6-ävr, 1789 das komische italienische Singspiel „Oosi tan tickte". In dieser Zeit bot Friedrich Wilhelm II. von Preußen Mozart gelegentlich dessen Berliner Reise ein Jahresgehalt von 3000 Talern, das der Tondichter, trotzdem er in Wien nur 800 Gulden bezog, ausschlug, um seinen „guten Kaiser" nicht verlassen zu müssen. Mit dem Tode Josephs II. sanken Mozarts Hoffnungen auf Verbesserung seiner Lage, auch „Die Zauberflöte", 1791, brachte ihm nicht viel — er hatte sie für seinen verschuldeten Freund Schikaneder komponiert! Eine Oper „6a eiemenrra äi Icko", zu Kaiser Leopolds II. Krönungsfeier geschrieben, und sein „Requiem" waren Mozarts letzte Arbeiten. Er starb, noch in seinen Fieberträumen mit diesem Requiem beschäftigt, im 36. Jahre seines Lebens. Thos. W. Shields Gemälde: „Mozarts letzte Stunden" zaubert uns diese Tage sterbender Kraft, erlöschenden Lichtes vor Augen. Es war eine tiestraurige Musikprobe, zu der sich die Freunde um den kranken Künstler Versammelt hatten, und Mozart selbst wußte, daß er sein eigenes Schwanenlied sang. Wohl war das Requiem bei ihm „bestellt" worden, aber der geheimnisvolle Auftraggeber ließ nichts von sich hören, und so hielt Mozart ihn für einen Boten der anderen Welt. Erst lange nach seinem Tode stellte es sich heraus, daß der reiche Graf Walsegg, ein ebenso eifriger wie talentloser Komponist, sich mit Mozarts Federn hatte schmücken wollen. Das Requiem ist nicht vollendet worden. Der Tod nahm dem großen Künstler die Feder aus der erkaltenden Hand -— nur ein paar Sätze voll sieg
hafter, feierlicher Schönheit hatte sie schreiben können. Mozart ließ sich die Partitur geben und sang, während eine Fülle lieblich ernster Melodien das armselige Stübchen durchwogten, mit brechender Stimme die Altpartie. Aber bei Beginn des „I^aerlmoLo" legte er bitterlich weinend das Heft bei Seite — der Abschiedsschmerz überwältigte ihn, seine Jugend konnte das Leben noch nicht lassen. — Der Reichtum dessen, was er in diesem kurzen Leben schrieb, läßt ahnen, was er an Herrlichem uns schuldig blieb. Schon die Zahlen des von ihm Geschaffenen reden! 626 Werke hat Mozart hinterlassen; darunter 23 Opern, 17 Orgel- und 22 Klaviersonaten, 20 Messen, 46 Sonaten für Klavier uud Violine, 48 Kammermusikstücke, 49 Sinfonien usw. Und unter diesen seinen rührenden Fleiß, seine Energie und Pflichttreue bekundenden Zahlen wie viel Meisterwerke! In allen Gattungen hat Mozart sich betätigt, auf jedem Gebiet der Musik Unvergängliches geschaffen, mit einer Fruchtbarkeit, die um so erstaunlicher ist, als der Kapellmeisterberus ihn den ganzen Tag in Anspruch nahm, ihm nur die Nachtstunden zu eigener Arbeit lassend! Eine neue Zeit der Oper brach an, als Mozart seine „Entführung aus dem Serail" schrieb: die Italiener waren überwunden, die deutsche Oper ward geboren! Aber gerade in seinem Besten verstand ihn die Mitwelt nicht! Armselig, wie er gelebt, ward Mozart begraben -— ins Armengrab versenkte man den Körper, der einen unsterblichen Geist umschlossen; erst die Nach welt erkannte seine Größe und kränzte sein Marmorbildnis mit dem Lorbeer des Ruhms. Aber den „Menschen" Mozart, den hat weder seine noch unsere Zeit verstanden, denn er ging wie ein „reiner Tor", mit einem Herzen voll unbeschreiblicher Liebe und Güte durch die kalte, lieblose Welt. Neidlos und vertrauend, von rührender Anspruchslosigkeit, lebte er sein entbehrungsreiches Leben; sein innerer Reichtum war so groß, daß er ihn vor Erbitterung bewahrte. In dem bescheidenen Geburtshaus zu Salzburg, das nachträgliche Bewunderung und Verehrung zu einer Art Mozartmuseum gemacht hat, wird seine Gestalt in ihrer schlichten Größe lebendig. Da sprechen hundert Erinnerungen von ihm, und das Geburtszimmer mit dem Flügel, auf dem einst seine Hände geruht, dem großen Gruppenbild der Familie und all den alten Familienportrüten scheint noch erfüllt zu. sein von dem Atem dessen, der als ein Liebling der Götter, eine Sonnengestalt von ewiger Jugend, über die rauhe Erde geschritten ist. A. II.