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und kluge Menschen, so werden sie das ungewöhnliche Benehmen verschiedenartig deuten. Der eine wird das Fixieren der Schuhspitzen usw. als eine gesellschaftliche Unart auffassen, der andere den,,Zentralblick" als Ausfluß einer nicht ganz richtigen Geistesverfassung des Sprechers deuten. Auf alle Fälle wird die angewandte Methode eher Schaden als Nutzen bringen und für die Person, die sie benutzt, keine Empfehlung sein. Weniger urteilsfähige Menschen können dagegen wohl durch den „Zentralblick" so verwirrt werden, daß sie gegen ihren eigentlichen Willen Ja sagen; denselben Erfolg erzielt man aber bei ihnen auch mit den gewöhnlichen Redekünsten. Diese Art der Beeinflussung seines Nächsten ist gewiß nicht schön und erstrebenswert.
Was aber, wenn einer, den man in seinen Bann bringen will, den „Zentralblick" kennt? Er durchschaut die Mätzchen sofort, und der Mann mit dem „Zentralblick" wird gleich richtig eingeschätzt, er hat
dann einen „eminenten Erfolg", aber nicht den gewünschten, sondern
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Tirard, trat er schon voll dort aus während seiner letzten Amtstätigkeit in den Senat über, in dem er, dank der ausgezeichneten Achtung, die er genoß, zuerst Vizepräsident, dann Präsident wurde, als Loubet ausschied, um an die erste Stelle der Republik zu treten. Seit 1899 war
Falliöres Senats- Präsident und hätte, kürzlich wiedergewählt, diese Stellung auch weiterhin bekleidet, wenn die Wahl zum Präsidenten der Republik ihn nicht an einen bedeutungsvolleren Platz gerufen hätte. Der Sieg Fallieres über den Gegenkandidaten Paul Doumer, um den sich die französische Revanchepartei geschart hatte, bedeutet eine Betonung des Friedensgedan- kens, die auch in Deutschland mit Genugtuung und Freude empfunden werden wird. Fallieres selbst wird als ein Mann von ernster Gewissenhaftigkeit und Besonnenheit gerühmt, dem alle boulan- gistische Abenteuerei fern liegt, man darf erwarten, daß er in der Erhaltung des Friedens sein
einen unbeabsichtigten Lacherfolg. Darum ist es wohl von Nutzen, wenn weite Kreise etwas vom ,,Zentralblick" wissen. Und man schaue ja dem Menschen, mit dem man verhandelt, ins Gesicht; seine Augen, das feine Spiel seiner Gesichtszüge werden seine Rede ergänzen und vielleicht verraten, daß er die Worte braucht, um seine Gedanken zu verbergen. Dann suche man ehrlich durch die Macht der Gründe zu überzeugen, um einen wirklich dauernden Erfolg zu erzielen, und bedenke, daß der persönliche Einfluß dort nicht ausbleibt, wo ein wahrer innerer Wert vorhanden ist.
Armand AalNeres- der neue Präsident non Arankreich. (Zu dem obenstehenden Bilde.) Die Präsidentenwahl in Frankreich hat sich am 17. Januar mit all den Förmlichkeiten, der Erregung und Erwartung vollzogen, die bei derartigen wichtigen Anlässen üblich sind, und aus dem Wahlkampf ist Fallieres, der Kandidat der republikanischen Linken, mit geringer Stimmenmehrheit als Sieger hervorgegangen. Armand Fallieres, der achte Präsident der Republik Frankreich, steht im 64. Lebens-- jahre und ist, wie Thiers, Grevh und Loubet Südfranzose. Am 6. November 1841 zu Mezir: im Departement Lot-et-Garonne geboren, studierte er die Rechte und ward zunächst Rechtsanwalt, dann Bürgermeister der Stadt Nerae.
Schon gelegentlich der ersten Kammerwahlen, die nach Annahme der republikanischen Verfassung statt- sanden, ließ sich Fallieres in Nörac als Kandidat aufstellen, wurde gewählt und war als glänzender Redner für die Sache der republikanischen Linken tätig. Das öffentliche Leben ließ den einmal „Entdeckten" nicht wieder los. Fallieres war einer der 363 Deputierten, die nach dem Staatsstreich Mac Mahons — am 16. Mai 1877 — dessen reaktionärem Ministerium das Vertrauen verweigerten. Emporgetragen durch die eigene Kraft, ward Falliöres späterhin Minister des Innern im Kabinett Duclerc vom 7. August 1882 und übernahm nach dessen Sturz — am 25. Januar 1883 — die Kabinettsbildung. Als Justiz- minister tätig in den beiden schnell auseinander folgenden Kabinetten
Präsident Fallieres mit Frau und Tochter.
vornehmstes und wichtigstes Regierungswert sehen wird
„Leopardenfang" in Afrika.
Worn Aeopardenfang. (Zu dem untenstehenden Bilde.) „Ein grausam, grimm, fräßig, geschwind Tier, begierlich zu metzgen und Blut vergießen" — also schilderte schon der alte Naturgeschichtsschreiber Conrad Gesner den Panther oder Leoparden, und diese Charakteristik ist zutreffend. Or. Heck, Direktor des Zoologischen Gartens in Berlin, meint, man könne sie Wort für Wort unterschreiben. Or. Pechuel-Lösche stellt nach eigener Erfahrung und nach Berichten von Gewährsmännern dieser
Raubkatze kein besseres Zeugnis aus. Sie kann sogar gefährlicher als der Tiger und der Löwe werden. Der afrikanische Leopard sowohl als auch der indische Panther scheuen vor dem Menschen nicht zurück; ergreift ebensogut ein Haustier wie auch ein Kind oder einen Erwachsenen an, je nachdem sie ihm gerade in den Wurf kommen. Irr Indien wird die Pantherjagd sogar ernster als die Tigerjagd genommen; der Jäger muß stets darauf gefaßt sein, von dem aufgefpürten Räuber plötzlich angegriffen zu werden, ehe er nur einen Schuß abgegeben hat. In der Gefangenschaft ist der Leopard stets eine wilde und hinterlistige Katze, von der man das Schlimmste befürchten muß. Eine Ausnahme machen run- junge Leoparden, die, so lange ihre Tatzen noch ungefährlich sind, harmlos und zutraulich erscheinen, vr. Junker sah auf seinen Reisen in Ostasrika, wie das Töchterchen eines Agenten des Tierhttndlers Hagenbeck, mit jungen Leoparden spielte. — Der Leopard in Deutsch- Südwestafrika ist nicht anders geartet als seine Vettern in anderen Gebieten Afrikas und Asiens. Nur: erhalten wir von dort, aus Usakos, von dem Werkführer der dortiger: Bäckerei, Josef Remesch, eine Photographie mit der Unterschrift: „So sängt Seppel die Leopardei: in Deutsch- Südwestafrika". Nach allem, was wir von diesen Raubkatzen wissen, ist das ein respektables Bravourstückchen, und wir bringen es gern zur Kenntnis unserer Leser als ein Beispiel von photographischem Jägerlatein.
Man der Warokkokonferenz in Al'geciras bringen wir unseren Lesern einige Aufnahmen, die verschiedene Delegierte wiedergeben. Es