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Paradiesvogel.
(5. Fortsetzung.) Roman von Paul Oskar Locker.
urchs Telephon ließ Sixt von Soter eines Tages seiner Tochter nach dem Kurfürstendamm melden, er hätte ein kleines Mißgeschick in der Bahn gehabt und müßte sich nach Hause schaffen lassen, um Umschläge zu machen. Ihr jung erworbenes Krankenpflegetalent bekam da also rascher als gedacht ein Feld für neue Betätigung.
Als sie heimkehrte, lag ihr Papa schon auf dem Ledersofa im Speisezimmer. Einer der Reitlehrer hatte ihn im Verein mit dem Lazarettgehilfen, der zur ersten Hilfeleistung in solchen Fällen am schnellsten erreichbar war, in einer Droschke hergebracht. Sixt von Soter stellte eine besondere Klasse von Kranken dar. Trotz seiner Krafthubernatur war er im Grunde sehr wehleidig, schon bei einem einfachen Katarrh oder einer Magenverstimmung; er versteckte aber seine Angst gewöhnlich hinter einem überraschenden Aufwand an Grobheit. Lotte, das „Mädchen für alles", diente ihm als nächster Blitzableiter, Er schimpfte wie ein Wachtmeister. Asta, die seine Schwäche kannte, hütete sich, viel Aufhebens von der Sache zu machen. Er ärgerte sich zwar, wenn man ihm nicht glauben wollte, daß er infame Schmerzen auszustehen hätte, noch unangenehmer pflegte er aber zu werden, wenn man ihn bedauerte.
„Vor allen Dingen nicht darüber reden, hol's der Deibel, ich kann das Gejammere nicht leiden. Man ist doch kein kleines Kind mehr, das mit Bonbons beschwichtigt werden muß. Also laßt das verdammte Gesichterschneiden, macht kein Trara davon, keine breite Bettelsuppe, geschehn ist geschehn, und damit holla!"
Er war es aber zumeist selbst, der immer wieder davon anfing.
Mutete nian ihn: zu, einen Arzt zu Rate zu ziehen, so wurde er feindlich. Das wußte Asta. Da sich's nur um eine leichte Quetschung und starke Schürfung seines linken Unterschenkels handelte, was mit Arnikaumschlägen und ruhiger Lage zu heilen war, so machte sie ihm den Vorschlag einer ärztlichen Konsultation nach der ersten glatten Weigerung kein zweites Mal. Das war ihm aber auch wieder nicht recht.
„Na ja, geht's um fremde Leute, dann läufst du dir die Sohlen ab, da wird ein Gezeter und Geseieres gemacht, daß einem hundselend zumute wird; aber den leiblichen Vater kann der Deibel holen — und es kräht kein Hahn danach."
Die Hunde, die ihm mit ihren Zärtlichkeiten sehr lästig fielen, hatten's in diesen Tagen auch nicht zum allerbesten. Der Terrier, der kraft seiner Intelligenz die Sachlage am ersten
begriffen hatte und vorsichtig jeder Berührung mit den: Tuch auswich, das über den unteren Gliedmaßen seines Herrn ausgebreitet lag, war das einzige Lebewesen, das dieser in seiner nächsten Nähe duldete. Wagte sich einer der täppischen Teckel an sein Leidenslager, dann arbeitete er sofort mit Wurfgeschossen, ob nun ein Schlüsselbund, ein Rotweinglas, ein Aschbecher oder ein Korkenzieher das nächst Erreichbare war. In sein Stöhnen, Husten, Spucken, Poltern und Schimpfen mischte sich daher auch meistens das Bellen oder das Winseln und Miefen seiner vierbeinigen Freunde, deren Entfernung aus dem Zimmer er aber auch wieder unter keinen Umstünden gestattete.
„Ich hatte mir da also den Schimmelhengst vom Bankier Schneider vorgenommen. Draußen im Freien ging er schon ganz gedähsche, der alte Bock. Aber nun regnete es doch. Ich also Tein mit ihm in die Bahn. Schon in die Aufsteighalle wollt' er nicht. Da kriegt er denn ein paar Eisen, die waren nicht von schlechten Eltern. Du Aas, du infämichtes, dacht ich so bei mir, na warte, dich woll'n wir mal kuranzen. Und da Hab ich ihn denn nach Noten gezwiebelt, hol's der Deibel!"
„Bist du mit ihm gestürzt?" fragte Asta, die die Weitschweifigkeit seiner Schilderungen schon kannte.
„Tä, auch noch! Er stieg ja natürlich, der alte Bock; dann macht' er Männchen, wie im Zirkus, als wollt' er um Zucker bitten. Aber es nützt' ihm alles nichts. Klatsch, hatt' er eins. Und klatsch, noch eins. Und da dreht sich das Luder dreimal auf der Hinterhand, und dann mit eins in: Rechtsgalopp auf den Hufschlag und schmettert mich nrit dem linken Bein gegen die Bande, das krachte nur so . .
„Wir können wahrhaftig noch von Glück sagen."
„Tja. Erst dacht' ich wirklich, der Deibel holt mich. - Die Engel hört man im Himmel pfeifen, sag' ich dir. Na. Aber ich bin doch noch viermal rund um die Bahn. Und jedesmal wenn wir an der verflixten Stelle vorbeikamen, besah er seine Senge. Bloß hernach zum Runtersteigen, da braucht' ich doch zwei Kerls vom Personal. Hose zerrissen, glatt durch, ratsch, überm Knie, und Stiefelnaht geplatzt und alles'blau und geschwollen."
Sie hörte diese Darstellung noch mehrmals, jedesmal mit anderen Nuancen. Daß die Schmerzen nicht gering waren, wußte sie. Sie war erst vor zwei Jahren selbst einmal von einem scheuenden Pferd im Tiergarten mit dem Bein gegen einen Baum gedrückt worden. Eine kleine Schwäche verspürte sie davon noch heute nach größeren Anstrengungen.