Heft 
(1906) 08
Seite
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Lilienthal begründeten Aviatik, d. h. dem Vau der eigent­lichen Flugmaschinen, zu.

Als Nachfolger Lilienthals ist vor allem Chanute, ein in Chicago lebender Amerikaner, zu nennen, der seine Versuche im Jahre 1896, dem Todesjahre des unglücklichen Lilienthal,

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Abb. 3. Kapitän Ferbers Aeroplan mit Motor.

begann. Er ist eigentlich der Vater der mehrflächigen Gleit­apparate, die zuletzt auch Lilienthal adoptiert hatte, und die wohl in Anlehnung an den Zellen- oder Kastendrachen von Hargrave entstanden sind, der in der Meteorologie soviel benutzt wird. Die Schwebeapparate mit zwei bis drei parallelen, über­einander liegenden Flächen entwickeln sowohl eine größere Trag­kraft bei gleichem Luftwiderstand, als auch eine bessere Stabilität.

Chanute ging anfangs bis zu fünf, ja sechs Etagen (Abb. 1), be­gnügte sich dann aber mit zweien. Ihm oder vielmehr seinen Assi­stenten Herring und Averp gelang ungefähr das Gleiche wie Lilienthal, aber auch nicht mehr, so daß es eine Zeitlang den An­schein hatte, als wäre auch auf diesem Wege nicht weiterzukommen.

Einen solchen Fortschritt dennoch erzielt zu haben, ist das un­zweifelhafte Verdienst der Gebrüder Wright aus Nordkarolina.

Im Jahre 1900 begannen sie ihre Versuche in den Dünen bei Kittihawk mit einem Chanuteschen Zweiflächen­apparat (Abb. 2), den sie durch Zu­schärfung der stirnseitigen Rippen und durch ein empfindlicheres Horizontal­steuer an der Vorderfront verbessert hatten. Bei 8 Metern Windge­schwindigkeit war dieser Apparat imstande, sich ohne Anlauf in Be­wegung zu setzen. Im Jahre 1901 brachten die Wrights es mit dieser Maschine auf Gleitflüge von 300 Metern Länge. Im nächsten Jahre begannen sie mit Hilfe eines Ver­tikalsteuers in Kurven Zu fliegen, und 1903 gelang es ihnen, bei ausreichender Windstärke sich zeit­weise über demselben Fleck schwebend zu halten. Jetzt bauten sie ihren ersten Apparat mit Motor, einen Doppeldrachen von 12 Metern Breite und 50 Quadratmetern Fläche,hinten mit zwei Schrauben versehen, die ein Ibpferdiger Motor in Umdrehung versetzte. Der 17. Dezember 1903

war der historische Tag, an dem diese erste sich selbstbewegende und bemannte Flugmaschine ihre Versuche begann. Sie hat, soviel bekannt geworden ist, deren nur vier ausgeführt und ist wahrscheinlich, wie alle diese empfindlichen Apparate, dann beim Anprallen auf die Erde unbrauchbar.geworden. Ihr

längsterFlug" soll nur eine Minute angedauert und sich über 270 Meter er­streckt haben. Aber schon im Herbst 1904 hieß es in den Vereinigten Staa­ten, die Wrights hätten mit einein neuen Apparat unter Benutzung leichterer Motoren 5Kilometer meinem Fluge zurückgelegt. In den Herbst­monaten 1905 sol­len dieselben Avi­atiker vollends Luft­reifen von 20 bis 40 Kilometern aus- geführt haben, und zwar mit einer Ge­schwindigkeit von 20 Metern in der Sekunde. Wir wollen diese Nachricht, die in der französischen und englischen Presse vielfach kolportiert wird, hier wieder­geben, ohne uns für ihre Richtigkeit zu verbürgen. Be­wahrheitet sie sich, so kann allerdings das Problem des menschlichen Fluges als gelöst gelten, aber vorläufig wiederum nur für diese Experimentatoren, deren Erfahrung und er­worbene Geschicklichkeit zum Gelingen wohl das meiste bei­getragen haben dürfte.

Seit 1899 etwa sehen wir auch in Frankreich einzelne Vorkämpfer des Gleitfluges auftreten. Kapitän Ferb er, anfänglich auf den Schultern Lilienthals stehend, dann dem von Chanute angegebenen Wege folgend, hat von 1900 bis 1903 eine ganze Anzahl von Gleitapparaten gebaut, deren letzter ihn so weit befriedigte, daß auch er nun beschloß, zum

M. Rol L Co., Paris, Phot.

Abb. 4. Experimente mit der Flugmaschine von Archdeaeon auf der Seine.