die verzweifelten Anstrengungen des Steuermannes zu sehen, ihn wieder aufzurichten. Dann war alles zu Ende; unter
den Bruchstücken fand man den zerschmetterten, sterbenden Lenker. Ohne Zweifel wird auch dieses Ereignis hemmend aus den Gang der Aviatik einwirken, hoffentlich aber nur im Sinne einer größeren, bei den Versuchen zu beobachtenden Vorsicht. Noch besser wäre es freilich, wenn diese Vorsicht auch schon bei der Konstruktion und Erfindung neuer Flugmaschinen mehr als bisher zur Geltung käme.
Es bleibt uns noch übrig, der jüngsten Fortschritte auf einem Seitengebiete der Aviatik zu gedenken, das leider geraume Zeit vernachlässigt wurde, um erst neuerdings wieder mehr gepflegt zu werden.
Es ist die Anwendung der eigentlichen Hilfsmittel des Vogels, der bewegten Flügel, auf den menschlichen Flug. Kann man die Verbindung schwebender Gleitflächen mit Schrauben und Motoren als den Lilienthalschen Zweig der Aviatik bezeichnen, so hat sich um die Beobachtung und Anwendung des Bogelfluges vor allen der Physiker Duttenstedt bemüht, leider ohne in weiteren Kreisen das richtige Verständnis für seine Idee zu finden.
Wir wollen das hier um so mehr betonen, als jetzt nach zwanzig Jahren diese Richtung in England wieder mehrere Vertreter von angesehenen Namen gefunden hat und vorauszusehen ist, daß die alte Buttenstedtsche Theorie der elastischen Antriebskraft des Vogelflügels demnächst aus England als neueste Errungenschaft der Aviatik wieder eingeführt werden wird. Ihr Fundamentalsatz ist der, daß bei jedem abwärts gerichteten Flügelschlage nicht nur eine hebende, sondern vor allem eine von den elastischen Flügelspitzen ausgehende, kräftig ziehende Wirkung auf den Vogelkörper ausgeübt wird, und daß in dieser Wirkung
der Flügel oder vielmehr der Schwungfedern das Hauptgeheimnis des Vogelflugs begründet ist. Um diese Tatsache experimentell zu beweisen, haben die Engländer Frost, Hutchinson und d'Esterre seit 1902 höchst interessante Versuche mit künstlichen Vögeln angestellt, deren große Flügel durch Elektromotoren in lebhaft alternierende Bewegungen versetzt werden. Ein solches Modell, an einem kreisförmig beweglichen Arm aufgehängt, 10 Kilogramm schwer und mit ^ Quadratmeter Flügelausdehnung, wurde durch einen Elektromotor von Vio Pferdekraft in lebhaft rotierende Bewegung versetzt, wobei sicher noch 75 v. H. der Energie durch Reibung verloren gingen und auch die starren, getrockneten Flügel weit entfernt waren
von der Elastizität einer lebendigen Bogelschwinge. Die Experimentatoren haben alsdann ein ähnliches, verbessertes Modell eines Riesenvogels (Abb. 8) von 6 Metern Spannweite, 6 Ouadratmetern Flächenausdehnung und, einschließlich des 3 pferdigen Motors und der mechanischen Einrichtungen, von reichlich 100 Kilogramm Gewicht hergestellt, mit dem die Versuche noch nicht abgeschlossen sind. Dieses Modell hebt sich bei jedem Flügelschlage, deren der Motor 100 in der Minute Hervorbringen kann, um 50 bis 60 Zentimeter, wird auch gleichzeitig lebhaft in horizontaler Richtung fortgezogen; doch sind die mit größter Vorsicht getroffenen Bersuchsanordnungen noch zu unvollkommen, um ein ungetrübtes Bild der Leistungen dieses Modells entstehen zu lassen.
Auf welchem von allen diesen Wegen wird nun das hohe Ziel, die Atmosphäre frei zu beherrschen, erreicht werden? Wer wird der Sieger in diesem großen Ringen bleiben? Wer von uns Lebenden wird noch Zeuge dieses Sieges sein? Das sind alles Fragen, deren Beantwortung wohl noch in ferner, ferner Zukunft liegt.
Abb. 8. Ein riesiger Versuchsvogel.
Der Damenfeind.
Erzählung von Gertrud
ie Einladungen zur Hochzeit waren verschickt, und nach kurzer Zeit stellte sich das betrübende Resultat heraus, daß nur fünfzehn der Geladenen verhindert waren.
90 - 15 — 75 . Blieben also nach Adam Riese immer noch 75 Personen!
Amtsrichter Fritz Siebmacher, der junge Ehemann in spo, brütete tiefsinnig über der Tafelordnung. Ein oberflächliches Schema dieses hochwichtigen Dokuments, das mit Hilfe von Braut und Schwiegermutter und unter Assistenz sämtlicher weiblicher Anverwandten zustande gekommen war., gab ihm wenigstens in großen Zügen die Direktive. Herta, die gute Seele, hätte am liebsten bei ihrer eigenen Hochzeit auch gleich ihre sämtlichen Freundinnen unter die Haube gebracht. Und besagte sämtliche Freundinnen rechneten ihrerseits seit Monaten mit diesem Tage, wie ein Losinhaber mit der Ziehung rechnet.
Franke-Schievelb ein.
Es war im August und sehr heiß. Fritz Siebmacher hatte den Rock abgeworfen, trank einen leichten, eisgekühlten Moselwein und rauchte eine seiner feinsten Zigarren, um wenigstens in gewisser Hinsicht sich schadlos zu halten für die Leiden, mit denen er sich seinen Himmel erkaufen mußte.
Manchmal ertappte er sich aber doch auf einem inbrünstigen Fluche. Warum konnte er seine kleine Herta nicht frisch von: Flecke freien? Warum mußten sämtliche Leute, mit denen die beiden Familien versippt, verschwägert, bekannt und befreundet waren, feierlich dazu aufgeboten werden?
Wie ein Alarmsignal scholl plötzlich der schrille Ton der Flurglocke in seine ärgerlichen Gedanken hinein. Jetzt Störung! Wo er sich eben mühsam ein bißchen hineingearbeitet hatte!
Mit gerunzelter Stirn, festgeschlossenen Lippen, hinter denen allerlei Grobheiten lauerten, blickte er nach der Tür.