Heft 
(1906) 12
Seite
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Du's wünschtest, Asta, so wie damals. Dein Peter in der Fremde, genannt Pechvogel Theo, z. Z. Leich enprokurator seiner letzten kühnen Hoffnungen, Exverwalter des Schlosses im Monde."

Mit wundem Herzen hatte er das damals niedergeschrieben. Noch ganz im Bann ihrer Zauber und doch schon so tief getroffen.

Ob Gneitsch, der Mann, der die Liebe nicht kannte, diesen Brief wohl verstehen würde?

Trübe spähte Theo in die Nacht hinaus.

Er hatte Asta ja offiziell erlaubt, auf ihn zu schelten. Aber es tat ihm doch grimmig weh, daß sie allem Anschein nach von seiner Erlaubnis nun wirklich so reichlichen Ge­brauch machte. (Fortsetzung folgt.)

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Diepinkertons".

Aus dein Archiv der größten amerikanischen Detektivagentur. Von 0. v. Sottberg (New ^ork)

ein Name ist in der Welt amerikanischer Verbrecher mehr gefürchtet als der Pinkertons, des Leiters der bekann­ten Detektivagentur. DerAlte" heißt er kurzweg in Diebshöhlen und anderen Schlupfwinkeln des Gaunertums. Im Grunde ist man ihm dort eigentlich gar nicht gram: es ist eben sein Lebensberuf, Einbrüche zu verhüten, so wie der anderer solche zu begehen heischt. Der Alte braucht Vertraute in der Unterwelt, die ihm vom Plan eines großen Verbrechens Kenntnis geben oder ihm einen Gesuchten finden helfen. Darum stellt er durchaus nicht ungern einen reuigen Sünder wieder auf die Füße und hilft ihm, ein ehrliches Brot zu verdienen. Mehr als ein Veteran des Heeres, das Gesetz und Recht bekämpft, lebt aus des Alten Tasche. Ja, mancher Streiter in Reih und Glied kommt gelegentlich mit ihm zusammen.

Die Agentur Pinkerton, die man heute ein National­institut nennen könnte, weil sie sich der Beihilfe der Bundes­behörden in gleichem Maße wie der Polizei erfreut, unter­scheidet sich von ähnlichen dadurch, daß ihre Tätigkeit nicht erst auf Anregung eines zahlenden Auftraggebers beginnt. Sie ist immer bei der Arbeit und immer auf der Suche nach Ver­brechern, beobachtet sie und versucht, Mitwisser aller ihrer Ge­heimnisse zu werden. Ihre Netze sind nicht nur auf dem ganzen Kontinent von Amerika gespannt auch in Europa, ja in Asien und Afrika vermag sie durch Vertreter flüchtigen Ge­setzesübertretern Fallen zu stellen. Darum gelingt es ihr, der Justiz mehr Verüber schwerer Verbrechen auszuliefern, als von der gesamten Landespolizei hinter Gitterstäbe gebracht werden. Die Regierung versorgt die Agentur mit Aufträgen, und die großen Banken wie ähnliche private Geldinstitute werden von Pinkertonleuten nicht minder als durch Schutzleute bewacht. Diese Abonnenten ermöglichen der Agentur denn auch, ihre Tätigkeit jahraus jahrein mit dem gleich großen Personal zu üben und dieses heranzubilden.

Eigentlich durch einen Zufall wurde die Agentur vom Vater des jetzigen Leiters im Jahre 1859 ins Leben gerufen. Dieser Allan Pinkerton wunderte als junger Schotte nach Kanada aus, trieb sich an den Gestaden der großen Seen herum und kam schließlich in das damalige Präriedorf Chicago. Während er dort seinem Handwerk als Tischler nachging, hörte er von einer schottischen Kolonie Dundee in der nahen Grafschaft Kane von Illinois. Es ist wohl begreiflich, daß er seine Hobelbank bald bei seinen Landsleuten aufstellte. Als Tischler brauchte er Holz, das man damals noch nicht kaufte, sondern nahm, wo es zu finden war. Auf der Suche nach Holz betrat Pinkerton eines Tages in der Nachbarschaft von Dundee die Fuchsinsel im gleichnamigen Fluß. Das war herrenloses Land, und jeder durfte dort Hütten bauen. Immer­hin überraschte es Pinkerton, eine solche auf der Fuchsinsel zu finden. Mit großer Vorsicht, die damals überall im westlichen Amerika geboten war, näherte er sich dem leichten Holzbau und sah durch die offene Tür eine Druckpresse. Was mit einer solchen auf der Fuchsinsel gemacht werden konnte,

hätte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts jeder Zehn­jährige verstanden: falsches Geld, Banknoten!

Der junge Pinkerton fällte sein Holz, ruderte es über den Fluß, brachte es heim und teilte dort dem Sheriff der Graf­schaft mit, daß auf der Fuchsinsel falsches Geld gedruckt werde. Es war wohl nicht erstaunlich, daß der Beamte den Angeber bat, ihn mit seinen Leuten zum Tatort zu führen. Dort half der Schotte beim Einfangen der Verbrecher in so geschickter Weise mit, daß der Sheriff ihm vorschlug, doch dauernd unter ihm zu dienen. Von diesem Tage an ward Allan Pinkertons Berus die Bekämpfung des Gaunertums. So groß war die Zahl der Pferdediebe, die er namentlich zur Strecke brachte, daß der Sheriff der Grafschaft Cook, in der Chicago inzwischen zur Stadt heranwuchs, von Pinkerton hörte und ihm eine Anstellung anbot. Als dann dieser neue Brotherr des jungen Schotten beauftragt wurde, die erste Polizei von Chicago zu organisieren, machte er Allan Pinkerton zum ersten und einzigen Detektiv oder Geheimpolizisten der Stadt.

Chicago aber war wie heute Schneidepunkt vieler Schienen- strünge. Das erklärt wieder, warum eine der wesentlichsten Pflichten des jungen Detektivs das Verhaften von Bahnräubern wurde, die, wenn sie einen Zug aufgehalten und ausgeraubt hatten, gewöhnlich nach Chicago kamen, um die den Passagieren abgenommenen Wertsachen zu Geld zu machen.

Auch an Bahnräubern brachte Pinkerton bald eine nicht geringere Zahl als einst an Pferdedieben hinter Schloß und Riegel. Die Direktoren der großen Bahnen wurden auf ihn aufmerksam, bekundeten ihm ihre Dankbarkeit, und schließlich baten ihn mehrere, doch auf Kosten ihrer Bahnen einen eigenen Sicherheitsdienst einzurichten. So trat 1859 die Agentur Pinkerton ins Leben.

Mit der Art ihrer Tätigkeit und der Tatsache, daß sie nicht nur die Verüber von Verbrechen verfolgte, sondern durch Überwachung der Gegner der Gesellschaft überhaupt Verbrechen zu verhindern versuchte, wurde Amerika schon im kommenden Jahre 1860 vertraut gemacht. Pinkertons Beamte erfuhren durch ihre Spione und Vertrauten von einem Komplott, durch das Lincolns politische Gegner planten, den neuen Präsidenten auf der Fahrt nach Washington in Baltimore zu ermorden. Durch Vereitelung dieses Attentates gewann der Schotte das Vertrauen Lincolns, der ihn bald unter dem Namen eines Major E. I. Allan" als Chef des amerikanischen Geheim­dienstes zum Bundesbeamten ernannte. Nebenbei blieb Allan Pinkerton Leiter seiner Agentur, deren Organisation, von den Behörden unterstützt, bald das ganze Land mit ihrem Netz überspannte. Frauen wie Männer dienten ihr. Dem Aben­teurer namentlich öffnete sich ihre Tür, denn der Detektiv hatte damals nicht selten sein Leben aufs Spiel zu setzen. Überhaupt erinnern die Aufzeichnungen Pinkertons aus jenen Tagen an die Schilderungen des Hintertreppenromans oder an dengroßen Detektiv" des englischen Romanschriftstellers Doyle, an Sherlock Holmes.