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Leber- und Unterleibserkrankungen — daher der Name Leberflecke — ihre Entstehung verdanken.
Ebenfalls hierherzurechnen sind Farbstoffvermehrungen, die nach Sonnenbrand an den dem Licht ausgesetzten Körperteilen entstehen und sich bei Leuten, die nicht dauernd in frischer Luft leben, meist nach kurzer Zeit von selbst wieder zurückzubilden pflegen.
Die Beseitigung der Sommersprossen und Leberflecken ist meist zum großen Leidwesen von Müttern und Töchtern nur vorübergehend, da zwar die vorhandenen Hautveränderungen, aber nicht die angeborene Disposition beseitigt werden kann. Sie gelingt am besten durch eine Schwefeloder Resorzinsalbenschälkur, die eine vorübergehende Entzündung und nachfolgende Abschuppung der oberflächlichsten Hautschichten zur Folge hat. Zur Nachkur läßt man eine vom Arzt zu verschreibende dreiprozentige, aus weißen: Quecksilberprüzipitat, salpetersaurem Wismut und Resorzin bestehende Salbe noch einige Zeit hindurch nnwenden. Eine mildere Kur, die eine kaum sichtbare Abschuppung der Haut hervorruft, besteht in der alleinigen Anwendung der sogenannten Hebraschen Sommersprossensalbe, deren Verordnung man dem Arzt überlassen muß. Ebenfalls sind andere Methoden, so das Betupfen der Pigmentflecken mit starkem Sublimatspiritus oder das Waschen mit Or. Unnas Natriumsuperoxydseife, nur auf Rat des Arztes und nach erfolgter Belehrung anzuwenden. Immer aber müssen sich die von diesen Feinden des Teints Heimgesuchten vor Augen halten, daß die Entfernung der Flecke nur vorübergehend ist, ja, daß die durch eine Sommersprossenkur gereizte Haut ganz besonders zur Neubildung von Farbstoffansammlung in der Haut neigt.
Fast noch lästiger als der allzugroße Reichtum von Hautfarbstoff ist dessen fleckweises oder ausgebreitetes Fehlen in der Haut, weil es durch keinerlei Mittel beeinflußt werden kann. Dieser Mangel an Hautfarbstoff kann entweder angeboren oder erworben, d. h. während des Lebens entstanden sein. Leute mit angeborenen: Pigmentmangel der Haut, Albinos oder Kakerlaken genannt, zeichnen sich durch eine abnorm weiße, durchsichtige Haut, durch dünnes, trockenes weißes Haar und durch rote Färbung der Pupille und Regenbogenhaut aus. Bei dem erworbenen Pigmentmangel, Vitiligo genannt, ist die normale Haut meist stärker pigmentiert, gleichsam als ob der Farbstoff nur vorübergehend — denn es kommen spontane Heilungen vor — oder dauernd seinen Platz gewechselt hätte. Eine bestimmte Ursache dieses lästigen Leidens ist nicht bekannt. Meist werden nervöse Störungen dafür verantwortlich gemacht.
Über das Auftreten eines anderen, von jung und alt unangenehm empfundenen Schönheitsfehlers, der sogenannten Warzen, hat man mit der Zeit klarere Vorstellungen gewonnen. Eigentümlicherweise hat die Wissenschaft das experimentell bestätigt, was der Volksmund schon langst ausgesprochen hatte, daß Warzen nämlich ansteckend und übertragbar sind. Allerdings hat man denjenigen Umstand, der die Übertragung von einer Hautstelle auf die andere bei einer Person oder von Person zu Person vermittelt, bisher noch nicht ergründen können. Aussehen und Charakter der Warzen, ihr Lieblingssitz an den Händen sind ja zu bekannt, als daß man darüber weiteres zu berichten hätte. Weniger bekannt ist in Laienkreisen, chaß es außer den gewöhnlichen, kein Lebensalter verschonenden Warzen noch eine besondere im Greisenalter vorkommende Art gibt, die sich besonders im Gesicht, auf der Brust und am Rücken einstellt und durch einen gelblich bräunlichen Farbenton auffällt. Ähre Beseitigung unterbleibt am besten, da sie zuweilen bei Ätzung mit scharfen Mitteln sich in bösartige Geschwülste ümwandeln. Wenn dies auch vereinzelt bei den gewöhnlichen Warzen und selbst ohne äußere Veranlassung beobachtet wird, so liegt darin doch bei der Seltenheit dieses Vorkommens kein Hinderungsgrund, sie zu entfernen, was zudem in den meisten Fällen mit Leichtigkeit gelingt. Im Volke hat von jeher die Heilung der Warzen mit Sympathie
eine große Rolle gespielt. Der Erfolg ist Zuweilen auch nicht ausgeblieben. Allerdings wird die geheimnisvolle Wirkung dieses mystischen Heilverfahrens dadurch erklärt, daß man die Fähigkeit der Warzen kennt, oftmals von selbst ohne weitere Behandlung zu verschwinden. Zur künstlichen Entfernung eignet sich neben der bei der Entfernung der Haare schon besprochenen Elektrolyse das Auskratzen mit dem scharfen Löffel mit nachfolgender chemischer Ätzung, ein bei Anwendung von örtlicher Gefühllosigkeit durch entsprechende Mittel vollständig schmerzloses Verfahren. Auch Ätzung mit scharfen Mineralsäuren, wie rauchender Salpetersäure oder Trichloressigsäure allein, bringt die unschönen Gebilde, wenn auch etwas langsamer, zum Verschwinden. Da nach Ätzungen manchmal Narben hinterbleiben, so ist an sichtbaren Körperstellen große Vorsicht am Platz. Namentlich ist rauchende Salpetersäure an solchen Stellen zu vermeiden. Andere, früher übliche Warzenvertilgungsmittel, wie der Saft von Chelidonium, von: Feigenbaun:, von Efeu, von Wasserschierling u. a. haben im Laufe der Zeit ihre Bedeutung verloren und den neueren Behandlungsmethoden, unter denen hier noch die Röntgenbehandlung Erwähnung verdient, Platz gemacht. Von innerlich anzuwendenden Mitteln hat sich das Arsen gelegentlich bewährt und verdient immerhin bei sehr ausgebreiteter Warzenbildung verwendet zu werden.
Nicht selten hinterbleiben nach Ätzungen oder anderen operativen, oft geringfügigen Eingriffen starkgewucherte Narben, Keloide genannt, die weit über die Fläche des ursprünglich zu beseitigenden Krankheitsherdes hinauswuchern und, wenn sie im Gesicht Vorkommen, das schönste Frauenantlitz oft dauernd entstellen können. Ihre Beseitigung stößt stets auf große Schwierigkeiten, da sie selbst nach der Entfernung mit dem Messer in dem gleichen oder vergrößertem Maßstab wiederkehren. In manchen Fällen ist es auch hier der Röntgenbehandlung geglückt, dauernde Heilung herbeizuführen. Ebenso sind Heilversuche durch Einspritzungen eines neueren narbenerweichenden Mittels, des Thiosinamin und Fibrolysin, Zuweilen von Erfolg begleitet.
Eine besondere Gruppe von Hautveränderungen bilden jene Gebilde, die unter dem Namen Muttermäler ebenso sehr die Volksphantasie wie die wissenschaftliche Forschung beschäftigt haben. Man versteht darunter angeborene, vielfach und wunderbar gestaltete Hautveränderungen, die sich teils als braune, glatte oder warzige, oft stark behaarte Flecke oder Geschwülste, teils als Blutgefäßveränderungen wenig schön von der umgebenden Haut hervorheben. „Man könnte," sagt der berühmte französische Forscher Alibert in seinen: 1837 erschienenen Lehrbuch der Hautkrankheiten, „über die unzähligen, hierauf bezüglichen Tatsachen viel und sehr Interessantes schreiben. Die wertvollste Eigenschaft, die uns der menschliche Körper bietet, ist unstreitig die Schönheit. Galen findet in seinen Formen und Verhältnissen einen beinahe göttlichen Charakter; aber es gibt eine Menge von Zufällen, die diesen Glanz verdunkeln können. Die Alten hielten sehr viel von diesen sonderbaren Erscheinungen, die sie manchmal als glückliche Zeichen betrachteten, um einen Menschen von einem anderen zu unterscheiden. Man erzählt,
daß Ulysseus au: Fuße einen Auswuchs hatte, an den: ihn seine alte Amme alsbald erkannte." Man verglich diese krankhaften Veränderungen mit allen möglichen bekannten Gegenständen (Erdbeeren, Maulbeeren, Himbeeren, Linsen, Blumen usw.) oder mit der Haut mancher Säugetiere und benannte sie danach.
Für die Erklärung ihrer Entstehung spielte Jahrhunderte hindurch das sogenannte „Versehen" der Mutter eine große Rolle. Inwieweit diesem Volksglauben etwas Wahres zugrunde liegt, läßt sich nicht mit Bestimmtheit angeben. Jedenfalls hat es in neuerer Zeit nicht an wissenschaftlichen Erklärungsversuchen für diese vielfach angezweifelte, oft verlachte Anschauung gefehlt, ohne daß bisher ein allgemein befriedigendes Ergebnis zutage getreten wäre.