Natürlich ist der Begriff der Schönheit, je nach der Raffe, je nach dem Lande und seinen Bewohnern, nach deren Beschäftigung und deren Alter verschieden, und demgemäß muß der Arzt oft diesen Eigentümlichkeiten Rechnung tragen. Gewöhnlich ist die Beurteilung dessen, was schön ist, weniger die Aufgabe des Arztes als die des Patienten, der durch einen abnormen Vorgang in der Haut gestört wird und von dem Arzt wünscht, von der Störung befreit zu werden. So werden z. B. diejenigen Personen, die ihren Stolz in die Erhaltung eines zarten weißen Teints setzen, den Rat des Arztes in Anspruch nehmen, wenn unter der Einwirkung der Sonne eine dunklere Bräunung der Haut eingetreten ist, während der Landwirt oder der Seemann in ihrer dunkelbraunen Haut mit Stolz die Quittung für treugeleistete Berufsarbeit sehen und gar nicht daran denken, sich deshalb ärztlich behandeln zu lassen. Vielfach sind auch die Veränderungen der Haut, durch die der Träger seine Schönheit beeinträchtigt glaubt und deren Beseitigung er wünscht, gar nicht derartig, daß der Arzt sich ohne ausgesprochenen Wunsch des Patienten zu einem Einschreiten veranlaßt sehen würde; ja, oft ist es der Arzt sogar, der von einer Behandlung abrät, wenn die Schönheitsfehler an sich so gering sind, daß die nach deren Beseitigung verbleibenden Veränderungen einen schlechteren Anblick gewähren als die zu entfernenden geringfügigen Störungen.
Zu den unangenehmsten Schönheitsfehlern, deren Beseitigung oft sehnsüchtig gewünscht wird, gehört die abnorme Behaarung der Haut, die in verschiedener Weise zum Ausdruck gelangen kann. Hierbei kommt im wesentlichen diejenige Form übermäßigen Haarwuchses in Betracht, die sich bei Frauen an Stellen findet, die sonst nur der Sitz des Männerbartes sind. Bei den meisten daran Leidenden sehen wir, wie mit zunehmendem Alter, namentlich in der Mitte und jenseit der vierziger Jahre, zunächst am Kinn und später auch an anderen Stellen des Gesichts mehr oder weniger starke Haare hervorsprossen. In anderen Fällen findet man schon bei jugendlichen weiblichen Personen eine Anlage zu vermehrtem Haarwuchs, die von einem übermäßigen Wachstum des sonst normalerweise die Gesichtshaut bedeckenden Flaumhaares bis zur Ausbildung vollständiger Bärte wechseln kann; namentlich ist die stärkere Behaarung der Oberlippe eine der häufigsten Veranlassungen, den Arzt in Anspruch zu nehmen. Neben diesen mehr oder weniger ausgebreiteten Behaarungen beim weiblichen Geschlecht findet man auch Hei Männern und Frauen umgrenzte Haarbüschel, die auf Warzen oder angeborenen Mälern aufsitzen und im Gesicht zum Teil seltsame Entstellungen Hervorrufen können. Andere Formen vermehrten Haarwachstums, wie sie z. B. in dem Auftreten von Bärten bei früh entwickelten Kindern oder als universelle Behaarung bei sogenannten Bären- oder Hundemenschen gelegentlich zur Beobachtung kommen, können hier außer acht gelassen werden, weil eine Behandlung sich in diesen Fällen erübrigt.
Die Beseitigung abnormer Gesichtshaare, namentlich beim weiblichen Geschlecht, darf nun nie in der Weise erfolgen, daß man die Haare mit der Pinzette herauszupft, da nicht nur ein Wiederwachsen dann stets stattfindet, sondern sogar ein besonderer Reiz zu vermehrtem Wachstum erzeugt wird. Am gründlichsten lassen sich Haare auf elektrischem Wege mittels der sogenannten Elektrolyse entfernen. Die Methode besteht darin, daß man die mit einer Nadel versehene negative Elektrode einer konstanten Batterie in den Haarbalg in der Richtung des Haares einsticht und den elektrischen Strom kurze Zeit durch den Körper gehen läßt. Der bei der Schließung des Stromes entstehende Schmerz ist im allgemeinen so mäßig, daß auch empfindliche Personen ihn leicht ertragen. Die Entfernung hat unter Anwendung aller aseptischen Maßregeln zu geschehen, um unnötige Entzündungen der Haut zu vermeiden. Sie sollte daher auch stets, wie alle Eingriffe am Körper, dem Arzte überlassen bleiben. Bei richtiger Aus
übung der Methode und bei nicht zu dichter Behaarung hinterbleiben keinerlei Narben, sondern nur oberflächliche kaum sichtbare Depressionen an den Stellen der zerstörten Haarwurzeln. Die Elektrolyse eignet sich nur für nicht zu stark behaarte Hautpartien, da sie an Zeit und Geduld von Arzt und Patienten gleich große Anforderungen stellt. Für dichteren Haarwuchs wird in neuerer Zeit die Behandlung mit Röntgenstrahlen empfohlen. Allerdings ist die Entfernung der Haare auf diesem Wege nicht vollständig, da die Haare nach einiger Zeit, wenn auch spärlicher wiederkehren und das Verfahren bis zum gänzlichen Verschwinden, das jedoch zuweilen gar nicht erzielt werden kann, oftmals wiederholt werden muß. Auch sind die bei jeder Röntgenbehandlung bei empfindlicher Haut gelegentlich eintretenden schädlichen Folgen nicht außer acht zu lassen. Die sonst zur Enthaarung empfohlenen chemischen Mittel, die, auf die Haut aufgetragen, die Haare zerstören, können nicht als wirksam betrachtet werden, da sie die Haarwurzeln unberührt lassen und ein Wiederwachstum nicht verhindern. In einzelnen Fällen, namentlich bei dunklem Haar, kann man den Wünschen der Patientinnen schon dadurch entsprechen, daß man durch geeignete, vom Arzt zu verordnende Mittel die Haare entfärbt und dadurch weniger sichtbar macht. Manchmal freilich wird durch die Beseitigung vorhandener Gesichtshaare einem schönen Frauenantlitz aller Reiz genommen. Ja in manchen Ländern, wie in Frankreich und Italien, gilt ein mäßiger Flaum auf der Oberlippe nicht für unschön.
Im Gegensatz zu übermäßigem Haarwuchstum wird nicht selten spärlicher Haarwuchs unangenehm empfunden. Haarmangel kommt angeboren vor und ist natürlich dann nur durch die Kunst des Friseurs zu verdecken, oder er ist erworben als Folge einer Erkrankung des Haarbodens. Dann ist sorgfältige ärztliche Behandlung notwendig. Nicht genug kann vor der wahllosen Anwendung von reklamehaft empfohlenen Haartinkturen oder Pomaden gewarnt werden. Die Erkrankungen der Kopfhaut, die Haarverlust bedingen, sind verschiedener Natur, und ein Mittel paßt nicht für alle Erkrankungsformen. Wichtig dagegen ist schon frühzeitige Pflege des Haares durch öfteres Kopfwäschen mit einem alkalischen Seifenspiritus, durch häufiges Einölen bei trockener Kopfhaut und durch wiederholte spirituöse Einreibungen bei sehr fetter Kopfhaut.
Häufig wird der Rat des Arztes zur Beseitigung von Störungen des Teints eingeholt, die aus einer unregelmäßigen Verteilung oder abnormen Anhäufung des Farbstoffes (Pigments) in der Haut entstehen; namentlich bereiten jungen Mädchen und Frauen die sogenannten Sommersprossen viel Sorge, die bei Kindern etwa um das sechste Lebensjahr herum auf- treten und bei Erwachsenen gegen das 40. Lebensjahr, wenn auch nur scheinbar, unter der dunkleren Färbung der Haut zu verschwinden pflegen. Sie finden sich bei blonden und rotblonden Menschen häufiger als bei brünetten und kommen im Frühjahr und Sommer unter der Einwirkung der chemisch wirksamen Strahlen des Sonnenlichts stärker zum Vorschein, während sie im Herbst und Winter, wenn auch nicht verschwinden, so doch weniger sichtbar werden. Das Sonnenlicht ist nicht, wie fälschlich angenommen wird, die unmittelbare Ursache der Sommersprossen, die ihren Ursprung vielmehr in einer ererbten Anlage haben, aber es trägt doch dazu bei, sie stärker hervortreten zu lassen. Daraus geht hervor, daß der Schutz vor den direkten Sonnenstrahlen z. B. durch Tragen eines braunen oder blauen Schleiers, oder durch Einreiben der Haut mit einem die Kraft der Sonnenstrahlen abschwächenden Mittel zwar das Auftreten der Sommersprossen nicht verhütet, aber doch ihr Sichtbarwerden wesentlich abschwächen kann.
Neben diesen kleineren Farbstoffanhäufungen in der Haut finden sich auch größere flächenhaft ausgebreitete Pigmentationen, die teils äußeren Ursachen (z. B. in Anschluß an eine Spanische Fliege oder ein Senfpflaster), teils inneren Vorgängen, z. B.