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öffentliche Wohltätigkeit wie private Mildtätigkeit hatte sie gleich große Verdienste, jede Synagoge verwahrt von ihr Votivgeschenke. Unter ihnen ist ein goldener Pokal, 100 Kronen schwer; sie erzog Waisen in ihrem Hause Zur Sittlichkeit und Religiosität. Ihr ruft die Gemeinde das Zeugnis nach, daß ihre Tugend unübertroffen glänze. So möge denn ihrer Seele auch jenseits ein Ehrensitz bereitet sein!" Bei all ihrer Frömmigkeit und Sittenreinheit hat es jedoch die Frummet in einem wichtiger: Moment ihres Lebens an der nötigen Raschheit der Auffassungsgabe fehlen lassen. Als nämlich ihr Mann, der Gemeindevorsteher Meisel, wohl der reichste Jude, der je in Prag gelebt hat, auf dem Sterbebette lag, befahl er ihr, eine bedeutende Summe Geldes zu nehmen und sie dem Rabbiner für die Armen zu überbringen. Die Frummet aber, im Bewußtsein ihrer außerordentlichen Mildtätigkeit, weigerte sich, dem Mann zu gehorchen. Hart fuhr er sie deshalb an, aber er offenbarte ihr den Grund seines Befehles nicht, der erst nach seinem Tode klar wurde. Als er starb, erhob die kaiserliche Kammer Anspruch auf seinen Nachlaß. Mehr als 60 000 Mark Silber wurden aus seinem Hause geführt; seine Brüder wurden gemartert, bis sie angaben, wo das übrige Geld versteckt sei — man fand noch 516 250 Gulden. Endlich bemächtigte sich der berüchtigte Günstling Rudolfs II., der Kammerdiener Philipp Lang sämtlicher Wertpapiere, Schuldverschreibungen usw. Meisel hatte von dem gegen ihn geplanten Anschlag gewußt und durch den seiner Frau erteilten Befehl für sie etwas zu retten geglaubt. Den Grund wollte er ihr nicht anvertrauen, um sie nicht zur Mitwisserin des gefährlichen Geheimnisses zu machen; er hoffte nur, daß sie ihn verstehen werde. Als die verschiedenartigen Schurkereien Längs aufgedeckt wurden, machte man ihm den Prozeß, in dem die Beraubung Meisels jedoch nur eine Episode bildete.
Ist der Grabstein Meisels schon durch diese ein trauriges Blatt der Geschichte aufdeckende Schändlichkeit interessant, so verdient er auch um des Mannes willen Beachtung, den er deckt, denn der Name Meisels lebt noch heute fort. Nach ihm
Grabstein der Äendl Bath Scheba von Treuenberg (1628).
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ist eine große auf seine Kosten in gotischem Stil erbaute Synagoge benannt, die heute noch eine zahlreiche Gemeinde versammelt; er hat ein Gemeindefrauenbad, ein Krankenhaus für Arme und Sieche errichtet, eine zweite, die Hochsynagoge aus eigenen Mitteln erbaut, die Judenstadt auf seine Kosten pflastern lassen, Gelehrte unterstützt, unverzinsliche Vorschüsse an unbemittelte Gewerbsleute gegeben — kurz seinen Reichtum in geradezu biblischer Weise benutzt.
Nur bei einem Grabe wollen wir noch verweilen, obwohl noch manches andere der Betrachtung wert wäre, bei dem Grabe des „hohen Rabbi Löw", das ein Denkmal aus rotem Marmor mit einem aufrechtstehenden Löwen im Medaillon zeigt. Löw war nicht nur ein berühmter Theologe, sondern auch Physiker, Mathematiker und Astronom. Tycho Brahe, der damals an: Hof des Kaisers Rudolf II. lebte, verkehrte mit ihm. An sein Wirken knüpft sich manche Sage; seine naturwissenschaftlichen Studien trugen ihm den Ruf eines Kabbalisten ein; von ihm wird erzählt, daß er einen „Golem" geschaffen habe, einen Mann aus Lehm, dem er Leben einhauchte, um ihn an Wochentagen als Diener zu benutzen. Es ist eine Sage, die in manchem Motiv an den Besen des Zauberlehrlings erinnert und die auch dichterisch verarbeitet worden ist. An das Grabmal des Rab - biners schließen sich die seiner Gattin und seiner 33 Schüler. Auf diesen Denkmälern zumal finden sich kleine Häufchen von Steinen, die einen frommen, noch heute geübten Brauch der Juden offenbaren.
Wenn der Jude das Grab eines teuren Toten nach verrichtetem Gebete verläßt, so legt er ein Stein- chen auf das Grab. Die Sitte dürfte ein Überbleibsel aus der morgenländischen Zeit der Juden sein, wo das Grab möglichst durch Steine beschwert und bedeckt wurde, aufgewühlt werde.
Grabdenkmal des „hohen Rabbi Löw" (1609).
damit es nicht von Schakalen und Hyänen Was aber vermögen diese Steinhäufchen gegen die unerbittlich nivellierende Zeit, gegen die gesunde Selbstsucht der Gegenwart, die ihre Forderungen im Namen der Humanität und der Wissenschaft geltend macht!
Die kleinen Leiden des Teints.
von vr. Reinhold Ledermann.
ür die Beurteilung der menschlichen Schönheit hat zu allen Zeiten eine tadellose, von krankhaften Veränderungen freie Haut, wenn auch nicht die einzige, so doch die Hauptrolle gespielt. Der Begriff der Schönheit der Haut ist allerdings schwer zu bestimmen. Man geht wohl am wenigsten fehl, wenn man diejenige Haut für schön hält, die im anatomischen und physiologischen Sinne gesund ist, also eine
Haut, in der nicht nur die natürlichen Bestandteile in richtiger Verteilung vorhanden sind, sondern auch die physiologischen Vorgänge sich in gesetzmäßiger Weise vollziehen. . Alle Abweichungen von der Norm, alle fremdartigen (atypischen) Gebilde in und auf der Haut, alle Funktionsanomalien stören die Vorstellungen, die wir von einer schönen Haut uns zu machen gewohnt sind.