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zu entgehen, sich zur Auswanderung anschickten, vorwarf, „daß sie nach dem Verbannungsedikt Kaiser Vespasians arm und elend von Jerusalem abzogen und die hier angehäuften Schätze des Landes anderswohin Zu verschleppen beabsichtigen".
Jahre 1559 richteten die Christen Prags an den Kaiser Ferdinand I. die Bitte, das gegen die Juden erlassene Ausweisungsedikt zurückzunehmen, wobei sie betonten,
„daß die Juden dieses Land vor Zerstörung ihres jerusalemischen Tempels bewohnt hätten".
Tradition und rituelle Gebräuche der Juden selbst lassen diese Behauptung nicht unmöglich erscheinen.
Man darf also annehmen, daß der alte Judenfriedhof in
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Ein dem Untergang verfallener Teil der Friedhofes.
Prag schon zu den ältesten Zeiten seinem Zwecke gedient hat und daß er der älteste Begräbnisplatz der Stadt ist. Die Kunst hat sich hier bescheiden müssen. Was hier in Sandstein, in weißem und rötlichem Marmor vor: der Zeit angewittert oder von der gewaltigen Kraft des sprossenden Baumes entzweigesprengt wird, ist in seinen Formen ziemlich anspruchslos; nur einigen hervorragenden Gelehrten und Gemeindevorstehern hat man große Sarkophage errichtet. Verschiedene Zeichen wiederholen sich da, so der sechszackige Stern (der sogenannte „Schild Davids"), die Weintraube, Tiere und Pflanzen, die den Juden ihre Namen liehen, wie Wolf,
Löw,Bär, Fischt,
Hirsch (als Männernamen), Rose,
Vogel, Taube,
Blume (als Frauennamen). Zwei Hände mit ausgebreiteten Fingern sind das Zeichen eines Mannes aus dem Priesterstamme, eines Aroniten. Dieses Symbol Zeigt, in welcher Weise heute noch in orthodoxen Synagogen die Priester an hohen
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Grabmal des Rabbi Oppenheim (gest. 1736.)
Festtagen der Gemeinde den Segen erteilen. Rabbiner und Priester unterscheiden sich dadurch voneinander, daß der Rabbiner als Gelehrter und Redner von der Gemeinde zur Versetzung der standesamtlichen Funktionen angestellt ist, während der Priester sein Amt des Segnens — und nur dieses — kraft seiner Herkunft ausübt. Zuweilen sieht nran eine weibliche Figur auf einem Grabstein, als Sinnbild einer Jungfrau; eine weibliche Figur mit einer Rose in der erhobenen Hand als Sinnbild einer jungfräulichen Braut.
Außer dem Grabmal der Sara Katz finden wir drei bemerkenswerte Steine, die das Andenken an Frauen bewahren: den Grabstein derSchöndl
(Schönen), Gattin des Gabriel, aus dem Jahre 980; den aus weißem Marmor gemeißelten Sarkophag der Hendl (Hühnchen) mit dem Wappenschild ihres von Kaiser Ferdinand II. in den erblichen Reichsadelstand erhobenen Gatten, des Gemeindevorstehers und Hofjuden Jakob Bath Scheba von Treuenberg, geschmückt, dessen Hauptverdienst darin bestand, die ihm für Lieferungen ausbezahlten geringwertigen Taler in Zahlung angenommen und in Umlauf gebracht zu haben; endlich der
Stein der Frummet, der zweiten Gattin des Mardochai Meisel. Von ihr sagt die hebräische In schrift: „Hier ruht eine durch Frömmigkeit und Sittenreinheit glänzende Frau, geeignet, jeden Kreis fröhlicher und kluger Damen zu verherrlichen. Sie fand ihren Beruf in der Ausschmückung der frommen Zwecken gewidmeten Gebäude; nie fehlte sie bei öffentlicher Morgen- oder Abendandacht, freigebig unterstützte sie Gelehrte und übte leutselige Gastfreundschaft; um
Grabmal des Rabbi Spiro lgest. 16790