Heft 
(1906) 12
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zu entgehen, sich zur Auswanderung anschickten, vorwarf,daß sie nach dem Verbannungsedikt Kaiser Vespasians arm und elend von Jerusalem abzogen und die hier angehäuften Schätze des Landes anders­wohin Zu verschleppen beabsichtigen".

Jahre 1559 rich­teten die Christen Prags an den Kaiser Ferdi­nand I. die Bitte, das gegen die Juden erlassene Ausweisungs­edikt zurückzu­nehmen, wobei sie betonten,

daß die Juden dieses Land vor Zerstörung ihres jerusalemischen Tempels be­wohnt hätten".

Tradition und rituelle Gebräu­che der Juden selbst lassen die­se Behauptung nicht unmöglich erscheinen.

Man darf also annehmen, daß der alte Judenfriedhof in

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Ein dem Untergang verfallener Teil der Friedhofes.

Prag schon zu den ältesten Zeiten seinem Zwecke gedient hat und daß er der älteste Begräbnisplatz der Stadt ist. Die Kunst hat sich hier bescheiden müssen. Was hier in Sand­stein, in weißem und rötlichem Marmor vor: der Zeit an­gewittert oder von der gewaltigen Kraft des sprossenden Baumes entzweigesprengt wird, ist in seinen Formen ziemlich anspruchs­los; nur einigen hervorragenden Gelehrten und Gemeindevor­stehern hat man große Sarkophage errichtet. Verschiedene Zeichen wiederholen sich da, so der sechszackige Stern (der sogenannteSchild Davids"), die Wein­traube, Tiere und Pflanzen, die den Juden ihre Namen lie­hen, wie Wolf,

Löw,Bär, Fischt,

Hirsch (als Män­nernamen), Rose,

Vogel, Taube,

Blume (als Frau­ennamen). Zwei Hände mit aus­gebreiteten Fingern sind das Zeichen eines Mannes aus dem Priester­stamme, eines Aroniten. Dieses Symbol Zeigt, in welcher Weise heute noch in orthodoxen Sy­nagogen die Prie­ster an hohen

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Grabmal des Rabbi Oppenheim (gest. 1736.)

Festtagen der Gemeinde den Segen erteilen. Rabbiner und Priester unterscheiden sich dadurch voneinander, daß der Rab­biner als Gelehrter und Redner von der Gemeinde zur Ver­setzung der standesamtlichen Funktionen angestellt ist, während der Priester sein Amt des Segnens und nur dieses kraft seiner Herkunft ausübt. Zuweilen sieht nran eine weib­liche Figur auf einem Grabstein, als Sinnbild einer Jungfrau; eine weibliche Figur mit einer Rose in der er­hobenen Hand als Sinnbild ei­ner jungfräu­lichen Braut.

Außer dem Grabmal der Sara Katz fin­den wir drei be­merkenswerte Steine, die das Andenken an Frauen bewah­ren: den Grab­stein derSchöndl

(Schönen), Gattin des Gabriel, aus dem Jahre 980; den aus weißem Marmor gemeißelten Sarkophag der Hendl (Hühnchen) mit dem Wappenschild ihres von Kaiser Ferdinand II. in den erblichen Reichsadelstand erhobenen Gatten, des Gemeindevor­stehers und Hofjuden Jakob Bath Scheba von Treuenberg, ge­schmückt, dessen Hauptverdienst darin bestand, die ihm für Lieferungen ausbezahlten geringwertigen Taler in Zahlung angenommen und in Umlauf gebracht zu haben; endlich der

Stein der Frummet, der zweiten Gattin des Mardochai Meisel. Von ihr sagt die hebräische In schrift:Hier ruht eine durch Fröm­migkeit und Sit­tenreinheit glän­zende Frau, ge­eignet, jeden Kreis fröhlicher und kluger Da­men zu verherr­lichen. Sie fand ihren Beruf in der Ausschmückung der frommen Zwecken gewidmeten Ge­bäude; nie fehlte sie bei öffentlicher Morgen- oder Abendandacht, freigebig unter­stützte sie Ge­lehrte und übte leutselige Gast­freundschaft; um

Grabmal des Rabbi Spiro lgest. 16790