Heft 
(1906) 12
Seite
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Für die Beseitigung der sogenannten Pigmentmäler, die bei ihrem Sitz im Gesicht schon oft großes Herzeleid be­reitet haben, kommen alle Methoden in Betracht, die wir bei der Behandlung der Farbstoffvermehrungen in der Haut be­sprochen haben. Leider überziehen diese Gebilde oft große Flächen des Körpers und sind dann einer Heilung nicht zu­gänglich.

Die Blutgefäßmäler, die sich aus kleinen Anfängen zu großen umfangreichen, manchmal sogar bösartigen Geschwülsten weiter entwickeln können, werden am besten schon in frühester Jugend entweder auf chirurgischem oder elektrolytischem oder kaustischem Wege oder durch chemische Mittel, zum Beispiel Ichthyol- oder Sublimatkollodiumpinselungen, oder mit Ätzmitteln entfernt. In schmerzloser Weise hat man sie neuerdings mittels der Finsenbehandlung erfolgreich beseitigt. Man ver­steht darunter die Bestrahlung der Haut mit konzentriertem elektrischen Bogenlicht, dessen wirksame chemische Strahlen zur Anwendung kommen, während die Wärmestrahlen auf techni­schem Wege ausgeschaltet werden. Auch das Radium, dessen hoher Preis und Seltenheit vor der Hand noch eine aus­gedehntere Anwendung verbietet, wird jetzt Zur Beseitigung von Mälern empfohlen. Es handelt sich bei diesem kostbaren Metall ebenfalls um die Wirkung chemischer Strahlen, die krankhaftes Gewebe zum Schwinden bringen. Jedenfalls ver­säume man nicht, frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, und vermeide es, durch Versuche mit den vielfachen in den Zeitungen angepriesenen Geheimmitteln kostbare Zeit zu verlieren. Je frühzeitiger und sachgemäßer die Entfernung geschieht, um so geringer ist die hinterbleibende Narbenbildung, um so besser der kosmetische Erfolg.

Neben diesen angeborenen Störungen des Teints finden sich meist bei jugendlichen Leuten in den Entwicklungsjahren Hautunreinlichkeiten, die unter dem Namen Mitesser und Hautfinnen im Volk bekannt sind und sich besonders im Gesicht und am Rücken, doch auch an anderen Stellen vor­finden. Man versteht unter Mitessern kleine braune oder

schwarze, aus den Haarbälgen und Talgdrüsenausführungs­gängen hervorragende und diese verstopfende Pünktchen, die in früheren Jahrhunderten für kleine Würmchen oder andere Tier­chen gehalten und auch als Zehrwürmer oder Dürrmaden be­zeichnet wurden. Im Volke ging der Glaube, daß, wenn Kinder abmagerten, jene kleinen schädlichen Wesen daran schuld seien, die in der Haut verborgen säßen und alle Nah­rung an sich zögen. So ist der NameMitesser" entstanden. Zu ihrer Entfernung empfahl man am Anfang des vorigen Jahrhunderts auflösende, erweichende, zumal gärende Sub­stanzen (Honig, Weizenmehl, Bierhefen) aufzustreichen und nachher die Haut mit der flachen Hand oder einem wollenen Tuche Zu reiben. Alsdann treten sie als kleine dünne nadel­ähnliche, weist zimtbraune oder schwärzliche, fest anhängende Körperchen hervor. Die Empfehlung der Bierhefe sowohl zum innerlichen wie äußeren Gebrauch (Hefeseife) ist übrigens in den letzten Jahren wieder ausgenommen worden.

Heutzutage entfernt man die Mitesser am leichtesten mittels kleiner, Komedonenquetscher genannter Instrumente, die vor jedem Gebrauch durch Aus kochen sorgfältig gereinigt werden müssen. Daneben kommen mechanisch wirkende Mittel wie Waschungen mit Marmor- oder Ouellsalz- (Jod- oder Bromsoda­seifen) oder auch alkalischen Seifen, sowie Abreibungen der Haut mit spirituösen Lösungen oder Benzin zur Bekämpfung der stets gleichzeitig vorhandenen übermäßigen Talgdrüsen­absonderung in Betracht.

Ist der Abfluß des Talgdrüsensekrets durch Verstopfung der Talgdrüsenausführungsgänge längere Zeit gehemmt, so kommt es unter gleichzeitiger Mitwirkung von Bakterien oder durch den Reiz hervorwachsender Haare zu Entzündungen, zuerst in der Talgdrüse und später auch in ihrer Umgebung, wodurch dann jene kleinen roten Pickel entstehen, die man als

Wimmerln oder Hautfinnen (Acne) bezeichnet. Meist enthalten diese in ihrer Mitte noch einen Mitesser. Irr der Regel kommt es entweder nach Entleerung eines Eitertröpfchens oder auch durch naturgemäße Heilung zum Verlust der Talgdrüse, ohne daß eine sichtbare Narbe hinterbleibt. In anderen Fällen bilden sich größere Knötchen und Eiterpusteln, die mit Narben­bildung abheilen und, wenn sie in steter Folge wiederkehren, in der Gesichts- und Rückenhaut pockennarbenähnliche Ver­änderungen hinterlassen. Für die Entstehung der Acneknötchen hat man neben den im Entwicklungsalter vor sich gehenden Veränderungen des Haarwachstums Störungen des Magens und Darmkanals verantwortlich gemacht, indem man annahm, daß giftige Stoffe, die durch die Haarbälge ausgeschieden werden, diese reizen und zur Entzündung bringen. Ein Gegenstück dazu bilden jene Haarbalgentzündungen, die man bei Jod- und Bromgebrauch beobachtet. Für die Behandlung der Acne kommen diätetische Maßnahmen, bestehend in reiz­loser Kost und Enthaltung von starkem Kaffee, Tee und geistigen Getränken in Betracht. Zum innerlichen Gebrauch wird das Ichthyol in Tropfen- oder Kapselform empfohlen. Die äußere Behandlung ist außerordentlich schwierig und kann nur unter ärztlicher Aufsicht ausgeführt werden. Sie besteht im wesentlichen in regelmäßigem Ausdrücken der Mitesser, Waschungen mit Schwefel- oder Jchthyolseifen und Ein­fettungen der Haut mit Schwefel- oder Resorzinsalben bezw. Aufpinselungen von Schwefelmixturen (z. B. Kummerfeldschem Waschwasser). In hartnäckigen Fällen sucht man durch An­wendung sogenannter Schälpasten die oberflächlichsten Haut­schichten zur Abstoßung und damit auch die Knötchen zur Rückbildung zu bringen. Vorhandene Eiterpusteln werden am besten mittels spitzer Lanzetten oder auf anderem Wege eröffnet. Von sonstigen modernen Heilmethoden hat sich auch hier die Röntgenbehandlung bei starker Knotenbildung bewährt. Alle bei der Behandlung dieses Hautleidens angewendeten Maß­nahmen können durch regelmäßig fortgesetzte Gefichtsdampf- bäder mit entsprechenden wohlfeilen Apparaten und mit nach­folgender Gesichtsmassage unterstützt werden.

Zum Schluß sei noch auf jene Entstellung der Haut hin­gewiesen, die unter dem Namen Kupferfinne (kosaeea) be­kannt ist und sich durch mehr oder weniger ausgedehnte, teils hell-, teils dunkelrote Verfärbung der Gesichtshaut auszeichnet und mit Vorliebe an der Nase oder symmetrischen Teilen der Wange einstellt. Neben dem viel und sehr häufig mit Unrecht beschuldigten Alkoholgenuß werden Bleichsucht, Magen- oder andere Störungen des Allgemeinbefindens und Witterungs­einflüsse als ursächliche Veranlassungen beschuldigt. Dem­entsprechend ist auch die äußere Behandlung durch Diät be­sonders wird vegetarische Kost in neuerer Zeit empfohlen und blutbildende Arzneimittel, wie Eisen und Arsen, zu unterstützen. Für die äußere Behandlung kommt neben den bei der Be­handlung der Hautfinnen schon besprochenen Resorzin- und Schwefelsalben und -Seifen ganz besonders die Zerstörung der die Hautrötung bedingenden kleinsten Blutgefäße mittels Stichelungen oder auf elektrischem Wege in Betracht. In einzelnen Fällen kommt es gleichzeitig zur Bildung kleinerer und größerer Knoten, besonders an der Nase, die bei über­mäßiger Wucherung (Pfundnase) auf chirurgischem Wege be­seitigt werden müssen.

Viele Leiden des Teints lassen sich durch eine vernunft­gemäße Pflege der gesunden Haut verhüten. Diese hat lediglich den Gesetzen der Reinlichkeit zu entsprechen. Regelmäßige Bäder und Waschungen mit milden guten Seifen oder bei zarter Haut mit der besonders für die Hautpflege geeigneten Mandelkleie, bei übermäßiger Fettigkeit der Haut Abreibungen mit Alkohol oder Benzin, bei allzu spröder trockener Haut Einfettung mit milden Salben können viel zur Erhaltung der Gesundheit der Haut und damit auch der körperlichen Schön­heit beitragen.